Der Aufruf „Für unser Land“ Was steckt dahinter?

Während der Konterrevolution verfassten „Bürgerrechtler“ und Intellektuelle den Aufruf „Für unser Land“. Diesen Leuten ging es gut in der DDR. Die DDR hat ihnen Bildung, einschließlich Studium und Ausbildung kostenlos zur Verfügung gestellt. Sie mussten keine Studentenjobs annehmen, um ihr Studium zu finanzieren. Dann hatten sie gute Berufe. Teilweise verantwortliche Positionen. Aber sie waren nicht zufrieden.

Diejenigen, die unterzeichnet haben, aber mit Texten künstlerischen Umgang hatten und mit verklausulierten politischen/juristischen Texten nicht vertraut waren, sind von den Vorwürfen auszunehmen. Aber diejenigen, welche dieTexte formulierten, hatten sehr wohl gewusst was sie taten.

Der Aufruf „Für unser Land“ plädiert für eine eigenständige DDR, aber ohne Sozialismus. Auch wenn vom Sozialismus geschwafelt wird. Es ist wohl der Sozialismus im Sinne von Sozialdemokratie gemeint.

Der antikommunistische Kampfbegriff „Stalinismus“ dient hier als Killerphrase. Ebenso dass die Führung einer Partei sich die Herrschaft über das Volk und seine Vertretungen anmaßen würde. Natürlich ist es strittig, ob die festgeschriebene führende Rolle der SED noch richtig war. Aber irgendwer muss doch die Führung übernehmen. Das war die SED als Partei der Arbeiterklasse. Da die SED nicht mehr in der Lage war die Arbeiterklasse zu vertreten und es keine anderen Vertretungsformen der Arbeiterklasse gab und sich auch niemand dafür einsetzte, war hier ein Vakuum geschaffen worden, wo die „Bürgerrechtler“ und Co. reinhauten und Erfolg hatten. Denn sie strebten zur Macht. Aber die Arbeiterklasse vertreten wollten sie nicht. Sie wollten einen bürgerlichen Staat.

Eigenständigkeit der DDR, Zusammenarbeit mit denjenigen Staaten und Interessengruppen, die dazu bereit sind, in unserem Land eine solidarische Gesellschaft zu entwickeln, Frieden und soziale Gerechtigkeit“, klingt gut. Aber was bedeutet das? Mit wem wollte man zusammenarbeiten? Mit imperialistischen Staaten? Welche Interessengruppen? Mit Kapitalisten und deren Vertretungen? Klassenharmonie? Die Friedenpolitik wurde doch aufgegeben.   Die Worte „Frieden“ und „Sozialismus“ sind doch hier nur irreführendes Geschwafel. Dann wieder das Geschwafel von „Freiheit des Einzelnen“, „Freizügigkeit“ usw.- Das kann alles bedeuten, also auch Ellbogengesellschaft und im Widerspruch dazu das Geschwafel von der solidarischen Gesellschaft. Gut der Punkt mit der Umwelt ist berechtigt. Muss man, um da Verbesserungen zu fordern, die sozialistische Gesellschaftsordnung aufgeben?

Beim Punkt „Oder“ wird man ein Fünkchen ehrlicher und benennt die wahren Absichten des Kapitalismus, wie z. B. „Ausverkauf der DDR, starke ökonomische Zwänge, unzumutbare Bedingungen, an die einflussreiche Kräfte aus Wirtschaft und Politik der BRD an die Hilfe für die DDR knüpfen (siehe Griechenland heute), Ausverkauf der moralischen Werte, Vereinnahmung der DDR durch die BRD“.

Dann geht man zu Punkt „Entweder“ zurück, dessen Aussagen unverbindlich sind. Nun kommen wieder unverbindliche Aussagen, wie wieder die Rede von Sozialismus, aber „gleichberechtigte Nachbarschaft zu allen Staaten Europas“. Die Verfasser/innen des Aufrufs glaubten doch nicht im Ernst, dass imperialistische Staaten, welche bislang die sozialistischen Länder, einschließlich der DDR im Kalten Krieg bekämpft hatten, nun als gleichberechtigte Nachbarn einen ernsthaften sozialistischen Aufbau, bzw. Neuanfang dulden würden.

Dann ist vom Antifaschismus und Humanismus die Rede. Aber nicht unter Führung der Arbeiterklasse, bzw. deren Vertretung, sondern in Klassenharmonie. Menschheitsinteressen vor Klasseninteressen. Das war in schönen Worten verklausuliert worden.

Das 10 Punkte-Programm von Helmut Kohl wurde zwar kritisiert, doch das war nur noch ein Sturm im Wasserglas. Es folgten weitere Aufrufe. Der Aufruf „Für unser Land“ ist später nichtig geworden und der Weg zur Annexion der DDR wurde bereitet.

Da man den intelligenten Leuten, die diesen Aufruf verfassten, keine Naivität unterstellen kann, ist dieser Aufruf als Irreführung der Bevölkerung zu sehen.

Erstunterzeichner

•   Götz Berger

•   Wolfgang Berghofer

•   Frank Beyer

•   Volker Braun

•   Reinhard Brühl

•   Tamara Danz

•   Christoph Demke

•   Siegrid England

•   Bernd Gehrke

•   Sighard Gille

•   Stefan Heym

•   Uwe Jahn

•   Gerda Jun

•   Dieter Klein

•   Günter Krusche

•   Brigitte Lebentrau

•   Bernd Löwe

•   Thomas Montag

•   Andreas Pella

•   Sebastian Pflugbeil

•   Ulrike Poppe

•   Martin Schmidt

•   Friedrich Schorlemmer

•   Andree Türpe

•   Jutta Wachowiak

•   Heinz Warzecha

•   Konrad Weiß

•   Angela Wintgen

•   Christa Wolf

•   Ingeborg Graße

Walter Janka hatte dem Papier zugestimmt, es jedoch vor der Veröffentlichung nicht unterzeichnen können.

Links:

Haus der Demokratie

Wikipedia

Aufruf2

Originaltext Aufruf „Für unser Land“

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Ein Gedanke zu “Der Aufruf „Für unser Land“ Was steckt dahinter?

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