Auswertung des Dokuments des MfS vom 15.01.1981

Die Mediathek der Behörde für die MfS-Akten,  stellt hier ein Dokument des MfS zum Aufnahmeheim Röntgental vor.  Nachstehend stellen wir hier das Dokument nebst Auswertung vor.

Bericht MfS über Röntgental 1981 Seite 1Bericht MfS Röntgental Seite 2Bericht Röntgental MfS Seite 3Bericht MfS Röntgental Seite 4Bericht Röntgental MfS Seite 5Bericht MfS Röntgental Seite 6

entnommen aus der Mediathek der „Stasi“-Unterlagen-Behörde.

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In dem Bericht vom 15.01.1981 beschreibt das MfS das Heim. Was den Bereich Gesundheit angeht, erhebt sich aber die Frage, wieso die Gabe von Beruhigungsmitteln/Psychopharmaka nicht aktenkundig gemacht wurden. Persönlichkeitsverändernde Nebenwirkungen wurden sogar zum Nachteil der Betroffenen benutzt und entsprechend die Papiere ausgestellt(z.B. der Bericht der „Kultur“). Da ist von einem Vertrag mit einer Klinik die Rede. Warum brachte man durch die Bedingungen des Heims(z.B. Panikattacken, Platzangst) psychisch krank gewordene Betroffene nicht in die Klinik? Darüberhinaus wurden Betroffene, die psychisch krank wurden, stigmatisiert.
Nach der Beschreibung des Tagesablaufs wird die Möglichkeit uneingeschränkter postalischer Verbindung benannt. Das stimmt nur bedingt, denn die Post wurde sehr wohl kontrolliert und Erkenntnisse daraus konnten zum Nachteil der Betroffenen verwendet werden.

Die Veranstaltungen fanden nicht auf freiwilliger Basis statt, wie hier beschrieben. Wenn man z.B. aufgrund von Nebenwirkungen gegebner Medikamente lethargisch wurde oder eine Veranstaltung schlichtweg verschlafen hatte, wurde das als Desinteresse in die Papiere geschrieben.
Die „Kultur“ war sehr fragwürdig. Mit Vorbereitung auf das Leben in der DDR hatte das wenig zu tun.
Die Veranstaltungen mit Referenten von außen waren sehr interessant.
Nach der Beschreibung von der Abholung der Übersiedlungswilligen an der Grenze und dem Quarantäneaufenthalt ist von einer personenbezogenen Begrüßung durch den Heimleiter die Rede. Das fand wohl später nicht mehr statt.
Dann wird das Procedere bei Aufnahme und Abschiebung erklärt. Dann folgt eine Statistik.
Bei den Gründen für die Antragstellung auf Übersiedlung seitens der Bürger/innen aus der BRD und Westberlin wird unter Anderem Arbeitslosigkeit und soziale Not angegeben. Nun ja, das waren die Kandidaten, die gleich abgelehnt wurden. Galten diese doch als Asozial.

Es folgen dann Ausnahmegründe, die für eine Befreiung von einem Aufenthalt im Aufnahmeheim geltend gemacht werden konnten. Das „staatliche Interesse“ richtete sich wohl an Prominente, Kundschafter/innen, RAF-Mitglieder….

Die Interessen des MfS werden kurz beschrieben. Aber in der Praxis wurden hier keine gerechten Entscheidungen getroffen.
Auch wenn offiziell der Unterschied zwischen dem MfS und der Polizei verschleiert wurden, so war es doch mit der Zeit erkennbar.

Na, das ist ja ein „guter“ Punkt, wenn die Befragung der zurückgewiesen Übersiedlungswilligen durch entsprechende Institutionen in der BRD/Westberlin erwähnt wird. Was für eine Änderung im Regimeablauf soll da Abhilfe schaffen? Die Schwarze Psychologie wegzulassen wäre hilfreich gewesen. Aber nein, man ließ traumatisierte Menschen zurückreisen, die leicht Opfer von westlichen Geheimdiensten und unseriöser Autorinnen und Autoren, bzw. Journalistinnen und Journalisten wurden.

1982 durften die Übersiedelungswilligen nicht frei auf dem Gelände herumlaufen. Der Bewegungsspielraum war stark eingeschränkt, so dass die Betroffenen zusätzliche psychische Probleme hatten, wie z.B. Platzangst. Das war wiederum ein Punkt, der für die jeweiligen Betroffenen negativ gewertet wurde.

An der Beseitigung der Mängel bei der Betreuung wurde nicht gearbeitet. Die Betreuung gehörte zur schwarzen Psychologie.

Da sind wir wieder bei der Sicherheitsunlogik.

 

Auswertung Petra Reichel (Zeitzeugin)

 


 

So sieht es die „Stasi“-Unterlagenbehörde:

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Der Inhalt des folgenden Textes der heutigen  offiziellen Geschichtsschreibung geht nicht aus dem historischen Dokument des MfS hervor. Wo wurden die Berichte der Übersiedler aufgenommen? In welchen Archiven lagern sie?  

Der Inhalt entspricht der Wahrheit.

 

Überwachung von Rückkehrern und Zuziehenden im Zentralen Aufnahmeheim Röntgental
Signatur: BStU, MfS, ZKG, Nr. 1101, Bl. 336-342
Im Zentralen Aufnahmeheim in Röntgental (ZAH) bei Berlin wurde ab 1979 die Mehrzahl derjenigen überprüft, die aus der Bundesrepublik in die DDR übersiedeln wollten. Ein Bericht der Stasi dokumentiert den tristen Alltag dort.
Das Zentrale Aufnahmeheim für Übersiedler und Rückkehrer (ZAH) unterstand dem Ministerium des Innern (MdI), doch in der Praxis führte die Stasi hier die Regie. Die Mitarbeiter der Hauptabteilung VII, Abteilung 3 des MfS verhörten die Aufnahmeersuchenden und schleusten Inoffizielle Mitarbeiter in das Heim ein, die auftragsgemäß Rückkehrer bzw. Zuziehende und auch die Beschäftigten des Aufnahmeheims bespitzelten. In den späten achtziger Jahren war zudem der Leiter der Heims zugleich Offizier im besonderen Einsatz (OibE) der Stasi.

Der Heimaufenthalt sollte die Übersiedler auf das Leben in der sozialistischen Gesellschaft vorbereiten. Vor allem jedoch wollte die Stasi dort prüfen, wie ernst es den Neuankömmlingen mit einer Übersiedlung in die DDR war, denn stets wurde das Einschleusen feindliche Spione befürchtet. Gleichzeitig wollte die Stasi durch die Befragungen selbst wichtige Details über Politik und Gesellschaft der Bundesrepublik sowie die westlichen Notaufnahmelager in Erfahrung bringen. Wenn möglich sollten Aufnahmeersuchende sogar mit einem Spionageauftrag noch einmal in die Bundesrepublik zurückkehren und sich so ihre Aufnahme in die DDR „verdienen“. Aufgenommen wurde nur, wer nach Ansicht der Stasi nützlich und integrierbar erschien. Zurückgewiesen wurde, wer der Geheimpolizei politisch missliebig, kriminell, „asozial“, „arbeitsscheu“ oder psychisch krank erschien. (Hervorhebung: Petra Reichel)

Der Bericht der Hauptabteilung VII/3 zeigt den „vorgegebenen Regimeablauf“ im Heim, was der „Sicherheit und Ordnung“ dienen sollte: Ein strikter Zeitplan regelte Essens-, Schlafens- und Arbeitszeiten. Meist dauerte der Aufenthalt in Röntgental mehrere Wochen, teilweise aber auch zwei oder drei Monate. In dieser Zeit durften die Übersiedler das Gelände nicht verlassen und wurden wiederholt von Stasi und Volkspolizei verhört.

Der Bericht lässt die Lebensbedingungen im Heim, die nach Berichten von Übersiedlern denen in einem Gefängnis glichen, nur erahnen. Abschottung und Drangsalierung der Rückkehrer und Zuziehenden führten in einigen Fällen zum Suizid bzw. entsprechenden Versuchen.


Anmerkung von Petra Reichel (Zeitzeugin):

Mit der Vorbereitung auf das Leben in der DDR hatte der Aufenthalt in Röntgental wenig zu tun.

Die Punkte psychische Krankheit, Asozial und politisch missliebig waren die Standardgründe für die Ablehnung des Übersiedlungsersuchens in die DDR. Die Interpretation dieser Punkte war sehr weit gefasst.

Wer stellte eine psychische Krankheit fest? Hätte das ein Facharzt tun müssen? Z.B. in der Klink in Berlin-Buch? Das war nicht der Fall. Das entschied z.B. die „Kultur“ willkürlich. Was ist „asozial“? Wurde das nach dem Asozialen§ der DDR definiert? Auf jeden Fall wurden die Bedingungen in der BRD und Westberlin nicht berücksichtigt, was die vergangenen Arbeitsverhältnisse der Betroffenen angeht. Aus einem Pro-DDR eingestellten Menschen ist auch flugs ein politisch Missliebiger geworden. Dazu hatte man doch die schwarze Psychologie. Wozu das Nutze sein sollte, ist unbekannt.

 

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Ein Gedanke zu “Auswertung des Dokuments des MfS vom 15.01.1981

  1. Ich meine folgendes: Im jeweiligen Aufnahmeverfahren von übersiedlungswilligen BRD- Bürgern, stand immer der Sicherheitsaspekt im Vordergrund, die DDR vor der Einschleusung fragwürdiger Personen zu schützen, die möglicherweise aus anderen Gründen auf diesem Wege in die DDR gelangen wollten.
    Wie wir in der Folge feststellen mußten, hatte das durchaus seine Berechtigung!
    Andererseits blieben bei diesem Verfahren, viele BRD- Bürger auf der Strecke, wo sich im Nachhinein herausstellte, daß auch Fehlentscheidungen getroffen wurden, weil der Zurückgewiese nicht ausführlich, oder nur oberflächlich eingeschätzt und beurteilt wurde.
    Als sich beim jeweiligen Aufnamekandidaten im Verlaufe des Aufnahmeverfahrens Auffälligkeiten herausstellten,endschied man sich im Zweifelsfalle vorsichthalber gegen eine Einbürgerung in die DDR.
    Insgesamt ist festzustellen das der Normalbürger in der Regel schneller zurückgewiesen wurde.
    Ich denke auch , daß man von vornherein ungenügend auf die Psyche des Menschen vorbereitet war, infolgedessen zum Teil, sich auch dramatische Situationen entwickeln konnten.

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