Volksverdummung in der Schule im November 2020

Ahh, ein Zeitzeuge ist aufgetreten, der den heutigen Schülerinnen und Schülern was von der DDR erzählt. 

https://www.aufnahmeheimroentgental.net

Zur besseren Lesbarkeit, nachfolgend die Wiedergabe des Textes von Thomas Malke:

Historiker sind Leute, die viel erzählen. Allerdings erzählt jemand auch viel Mist, wenn er viel erzählt. Außerdem ist der gefährlichste Feind des Historikers der Zeitzeuge, er kann das so sorgsam aufgebaute Trugbild nämlich mit einmal zerstören. Darum werden auch manche „Zeitzeugen“, nämlich die, die das verordnete Bild unterstützen, immer wieder zitiert, die anderen als DDR-Spinner, Nostalgiker, Ewiggestrige oder gar Stasispitzel bezeichnet. Keine Angst, das hat alles System und der Historiker ist jedes Mal das Werkzeug dafür: Wessen Brot ich ess‘, dessen Lied ich sing.

Thomas Malke


Dietmar von der Weiden berichtete den Geschichts- und Sozialkundeschülern der Integrierten Gesamtschule von seinem Leben in der einstigen Deutschen Demokratischen Republik. Foto: Jens Fink
Bildquelle: „Öffentlicher Anzeiger“ vom 14.11.2020 Fotograf: Jens Fink

Natürlich geht es nicht ohne die Behauptung, dass die DDR ein totalitärer Staat gewesen sei. Die Totalitarismus-Theorie  setzt Sozialismus und Faschismus gleich.(Opfer=Täter-Theorie) Somit wird der Faschismus verharmlost. Gerade das kann bei den heutigen Rechtstendenzen fatale Auswirkungen haben. Es ist doch geboten die Schülerinnen und Schüler über den Faschismus aufzuklären. Übrigens wurde das in der DDR gemacht. Anscheinend hat das der Zeitzeuge verschlafen.

Wer ist mit 14 Jahren politisch reif? Der Zeitzeuge behauptet zumindest, dass er seit er 14 war gegen die DDR opponiert hatte. Rückblickend muss man sehen, dass es zumindest in den 1980er Jahren der Politik und den zuständigen Institutionen der DDR nicht gelungen ist irregeleitete Jugendliche auf den rechten Weg zurückzubringen. Allein dies mit Repressalien zu versuchen, war der falsche Weg. So gewannen die Konterrevolutionäre diese ursprünglich unreifen Jugendlichen als Nachwuchs. 

Die Behauptung aus politischen Gründen nicht studieren zu dürfen ist für die derzeitige Propaganda immernoch ein „Verkaufsschlager“. Spätestens seit Angela Merkel Bundeskanzlerin ist, muss doch jeder und jedem aufgefallen sein, dass diese Behauptung nicht stimmt. Übrigens mussten Studierende in der DDR nicht nebenbei arbeiten oder reiche Eltern haben. Die Existenz war gesichert und die Studierenden konnten sich vollständig auf ihr Studium konzentrieren. Das hatte der Staat DDR ihnen ermöglicht. Was gab es zum Dank von vielen, die in der DDR kostenlose Bildung genießen durften? – Symbolisch ausgedrückt: Einen Tritt in den Hintern. Die führenden Köpfe der Konterrevolution waren gebildete Leute. Da braucht niemand mit der Behauptung kommen, dass irgendjemanden aus politischen Gründen die Bildung verweigert worden wäre. 

Ganz schön von „oben herab“ ist der Zeitzeuge. Warum reichte es ihm nicht aus Handwerker zu werden? Ohne Handwerker geht es nirgends. Es ist ein Unding diesen Berufsstand, bzw. Berufe, wo man sich dreckig macht zu verachten. Heute wollen Viele auch nur Büroarbeit machen, bzw. studieren. Praktische Arbeit wird verachtet. Hier und  heute herrscht auch Mangel an Handwerkern. Der Zeitzeuge ist nach seiner Übersiedlung in die BRD Architekt geworden.Hat er darüber nachgedacht, dass es die Handwerker und Bauarbeiter sind, die die Pläne der Architekten in die Tat umsetzen?

Nun ja, über Heirat hat er es schließlich in die BRD geschafft. Ausreiseanträge aus persönlichen Gründen waren unproblematisch. Bei politischen Gründen war das schwieriger. Rückblickend muss man sagen, dass man die Leute hätte ziehen lassen sollen, soweit sie keine Geheimnisträger waren oder strafrechtliche Gründe gegen eine ständige Ausreise sprachen.

Petra Reichel


Original-Artikel aus der örtlichen Tageszeitung „Öffentlicher Anzeiger“

Keine Angst, falls der Artikel auf der bildlichen Darstellung nicht lesbar ist.   Der folgende Text ist die Wiedergabe des Original-Artikels.

Samstag, 14. November 2020, Oeffentlicher Anzeiger Bad Kreuznach, Seite 14

Leben in einem totalitären Staat

Zeitzeuge schildert IGS-Schülern, wie kritische Köpfe in der DDR behandelt wurden.

Stromberg.                                                                                                                     Der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 läutete das Ende der DDR und damit letztlich die deutsche Einheit ein. Für junge Leute ist die Zeit des Kalten Kriegs und der deutschen Teilung heute kaum noch präsent. Daher freuten sich die Verantwortlichen der Integrierten Gesamtschule (IGS), mit Dietmar von der Weiden einen Zeitzeugen zu Gast zu haben, der den Schülern von seinen Erfahrungen aus der ehemaligen DDR berichten konnte.

Seine Erlebnisse in einem totalitär ausgerichteten System ersetzten in der Corona-Krise das sonst übliche „politische Gespräch“ mit Politikern aus der Region, das an der IGS traditionell um den 9. November herum durchgeführt wird. Der 57-jährige von der Weiden hatte den Schülern der Leistungs- und Grundkurse Geschichte sowie der Sozialkunde der 13. Jahrgangsstufe viel Interessantes über die Jahre vor dem Mauerfall zu erzählen. Für Personen, die einen eigenen, von den Richtlinien des Staates abweichenden Weg gehen wollten, sei das Leben im sozialistischen Staat nicht immer leicht gewesen, berichtete von der Weiden. Etwa seit seinem 14. Lebensjahr hätte er seinen eigenen Kopf gehabt und sich in einem langsamen Prozess von der vorgegebenen Linie immer mehr abgenabelt. Schon in seiner Funktion als sogenannter Agitator der Klasse, vergleichbar mit einem Klassensprecher, sei er den Staatsvertretern durch kritisches Denken negativ aufgefallen. So habe er unter anderem die Rolle der Sowjetunion in deren Krieg in Afghanistan kritisch hinterfragt. „Das wurde von den Lehrern nicht so gern gesehen“, sagte von der Weiden.

Er sei immer wieder angeeckt und habe erkannt, dass er mit seiner Einstellung nicht studieren konnte. „Bestenfalls hätte ich Handwerker werden können. Aber das reichte mir nicht“, betonte von der Weiden, der heute als Architekt arbeitet. Erschwerend sei hinzugekommen, dass er sich in der damaligen Skinhead-Szene bewegte. „Allein schon mit unserem kurz geschorenen Haarschnitt war unsere Opposition erkennbar“, berichtete von der Weiden.

Der Wunsch, in die damalige BRD überzusiedeln, sei schon während der Schulzeit immer stärker geworden. Mit 18 Jahren seien dann seine Pläne, den Staat zu verlassen, offenbar geworden. Da er als „Rädelsführer“ angeblich auch andere Personen zu Fluchtgedanken verführte, wurde er im Jahr 1981 wegen „Vorbereitung zur Republikflucht“ zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

Dann kam ein weiterer Faktor hinzu, der ihn veranlasste, schließlich seine Ausreise aus der DDR zu beantragen. So lernte er 1984 in Prag seine spätere Frau aus Westdeutschland kennen. Nach Schikanen und Schwierigkeiten konnte das Paar 1986 heiraten, und Dietmar von der Weiden wurde letztlich die Ausreise aus der DDR gestattet.

Im Westen angekommen, zog er mit seiner Frau nach Bingen. Nach seinem Studium in Mainz erfüllte er sich seinen Traum und wurde Architekt. Als dann die innerdeutsche Grenze tatsächlich 1989 gegen alle Erwartungen aufging, habe ihn das sehr überrascht. „Nie habe ich mir vorstellen können, dass die Mauer mal fällt. Ich war fassungslos und konnte es nicht glauben“, bekannte von der Weiden.

Jens Fink