Naturfreundehaus in Bad Kreuznach abgerissen

Hier mal was aus meiner Heimat, das den derzeitigien Zeitgeist widerspiegelt.

Das Naturfreundehaus ist für mich mit vielen Erinnerungen verknüpft. In der BRD hatten die Naturfreundehäuser eine wichtige soziale Funktion.

Näheres zu den Naturfreundehäusern siehe Wikipedia.

In Bad Kreuznach war es ein ehrenamtlich geführtes Haus mit Übernachtungsmöglichkeiten und einer Bewirtschaftung zu kleinen Preisen am Wochenende. Wie überall, ist heutzutage niemand mehr bereit die umfangreiche ehrenamtliche Arbeit zu leisten. Es ist  bei der heutigen beruflichen Belastung niemanden zumutbar an den Wochenenden diese Arbeit zu leisten. Es war mal u.a. Treffpunkt von Linken jeglicher Coleur und auch die SPD nutzte dieses Haus für ihre Sommerfeste. Es war schön dort, im Wald gelegen, zu kleinen Preisen Kaffee und selbstgebackenen Kuchen zu verzehren und oder auch sonstige Getränke und kleine Speisen zu sich zu nehmen.

Das Haus war ideal für Seminare und Gruppenübernachtungen.

Dann stand das Haus lange leer. 

Petra Reichel

Der Bagger reißt das Naturfreundehaus nieder. Das erscheint seltsam eilig, nachdem eine Gruppe Kreuznacher Bürger Ideen für eine Nachnutzung entwickelt hatten. Foto: Josef Nürnberg
Bild entnommen aus „Oeffentlicher Anzeiger“ vom14.12.2020

Offenbar gibt es Interessen die schönen Erinnerungen an das Naturfreundehaus zu tilgen

Es hat sich eine engagierte Frau für eine sinnvolle Nachnutzung bereit gefunden. Doch sie und ihre Gruppe sind einfach „abgebügelt“ und vor vollendete Tatsachen gestellt worden.

Hat mal jemand eine gute Idee und tut was, läuft das ins Leere. Kein Wunder, dass es heutzutage so wenig Engament gibt. Wer will unter solchen Bedingungen noch was sinnvolles tun? Dann brauchen wir uns ja nicht mehr über die Konsumgesellschaft und das allgemeine Desinteresse der Bevölkerung zu beklagen. Es ist ja von den derzeit politisch Herrschenden nichts anderes erwünscht.

Zeitungsartikel

„Oeffentlicher Anzeiger“ vom 14.12.2020

 

Lesbar im nachfolgenden Text

Zeitungstext

Montag, 14. Dezember 2020, Oeffentlicher Anzeiger Bad Kreuznach, Seite 18

War der Abriss wirklich nötig?

Von unserem Reporter Josef Nürnberg

Engagierte Bürger wollten Naturfreundehaus erhalten – Bauaufsicht ignorierte Bemühungen

Bad Kreuznach. Dass die Kreisstadt mit ihrer historischen Bausubstanz nicht immer pfleglich umgeht, ist kein Geheimnis. Nun ist das Naturfreundehaus am Lohrer Köpfchen in Bad Kreuznach, das zurzeit abgerissen wird, wahrlich kein historisches Bauwerk. Gleichwohl ist das Haus aus den 1950er-Jahren ein Haus mit Geschichte. Eine Gruppe um Sybille Kunkler aus Bad Kreuznach wollte es erwerben und einer sinnvollen Nutzung zuführen. Doch die Bauverwaltung winkte ab. Eine Nachnutzung sei nicht möglich. Man zahlt jetzt lieber 39 000 Euro für den Abriss, da von dem seit 2012 leerstehenden Gebäude eine Gefahr ausgehen soll.

„Mein Ärger bezieht sich darauf, dass der Auftrag zum Abriss zum Zeitpunkt meiner Anfrage noch nicht vergeben war. Die Möglichkeit einer sinnvollen Nutzung und sogar unser Bekunden, selbst zu investieren, wurden nicht gehört“, schreibt Sybille Kunkler an den „Oeffentlichen“. Ab dem 10. November habe sie mehrfach versucht, von der Stadt weitere Information über das Gebäude zu bekommen und einen minimalen Aufschub des Abrisses zu erreichen. Zudem sei ihr Nutzungsinteresse weder an die Bauaufsicht kommuniziert noch angefragt worden.

„Insofern kann von einer anderweitigen Nutzung gar nicht die Rede sein“, ärgert sich Kunkler über die Darstellung in der Presseinformation der Bauaufsicht. „Am vergangenen Wochenende, am 6. Dezember, habe ich dann die Oberbürgermeisterin angeschrieben, da ich über den offiziellen Weg mit dem Bauamt nicht weiter kam“, schreibt Kunkler. Zu spät. Heike Kaster-Meurer konnte nur noch mitteilen, dass die Bauaufsicht bereits den Abriss beschlossen hatte.

Verwunderlich ist es, dass die Bauaufsicht bezüglich der Pläne der Gruppe um Sybille Kunkler, zu der unter anderem auch Christine Zillger, Agrarwissenschaftlerin bei der Landwirtschaftskammer, und Bildhauer Rüdiger Steiner gehören, für die künftige Nutzung des Gebäudes von einer Nutzungsänderung spricht, die mit der Lage des Gebäudes im Außenbereich nicht vereinbar sei. Dabei sind die Pläne der Gruppe nicht weit von denen der Naturfreunde entfernt.

In ihrem Schreiben vom 6. Dezember geht Kunkler auf die Lage des Gebäudes im Außenbereich ein, das strengen Nutzungsregelungen unterliegt. „Diese würden wir gerne mit ihnen erörtern und unsere ersten Projektideen dazu beschreiben“, so Kunkler. Mit „Zentrum für Natur und Kultur“ gab es bereits einen Arbeitstitel. Eine Idee war die Schaffung einer Naturbegegnungsstätte. Zu regelmäßigen Terminen sollten sich Menschen jeden Alters, jeder Herkunft und sozialen Schicht zusammenfinden, um gemeinsam in der Natur zu sein. Es wäre keine angeleitete Führung, sondern ein Begegnen und gemeinsames Wandern. Im Anschluss böte das Gebäude Raum für ein gemeinsames Kaffeetrinken für kleines Geld.

Weitere niedrigschwellige Aktionen sollten entwickelt und für verschiedene Zielgruppen angeboten werden. Der große Raum hätte als Kulturstätte für Tanz, Musik und Projektideen genutzt werden sollen. Dabei wäre es den Initiatoren wichtig gewesen, auch eine Verbindung zur Natur herzustellen. Durch professionelle Anleitung von Tanz-, Kunst- und Naturpädagogen sowie -therapeuten entstünde ein abwechslungsreiches Programm. Die kleineren Räume könnten Künstlern aus der Region zur Verfügung gestellt werden, um dort in naturnahe Arbeit einzutauchen.

Wegen Corona entscheiden sich immer mehr Menschen für den Urlaub vor der Haustür. Das Zentrum für Natur und Kultur hätte eine Anlaufstelle sein können. Zudem hätte es sich für naturnahe Ferienprojekte sowie für Kindergärten und Schulen als Anlaufstelle für Walderkundungen angeboten. Das Haus diente ursprünglich als Seminarhaus. Ein naturnaher Seminartourismus hätte sich wieder entwickeln können.

Auch die Finanzierung wäre für die Stadt überschaubar gewesen. Die Initiatoren hätten sich vorstellen können, selbst in die Renovierung zu investieren und je nach Investitionshöhe dafür eine mietfreie Nutzung des Objektes zu erhalten. Auch eine Überschreibung des Objektes wäre denkbar gewesen. In allen Fällen würden der Stadt geringe oder sogar keine Kosten entstehen. Eine Begehung mit einem Architekten, um den Instandsetzungsaufwand abzuschätzen, hätten die Initiatoren gern zeitnah gemacht. Dazu kommt es nun nicht mehr. Denn der Bagger schafft vollendete Tatsachen.

Dieter Popp

Dieter Popp, geboren am 24. November 1938 in Berlin, verstorben am 27. November 2020 in Bonn, war ein wichtiger Kundschafter des Militärischen Nachrichtendienstes der NVA der DDR (Mil-ND).

Dieter Popp 2003 auf dem UZ-Pressefest in Dortmund
Bildquelle: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=97153944

Dieter Popp war Versicherungsangestellter. Er agierte in der linksintellektuellen politischen Szene. Mitte der 1960er-Jahre traf er sich auch mit Ulrike Meinhof. 1966 bot er sich der Verwaltung Aufklärung – zwischen 1964 und 1984 Tarnbezeichnung des Mil-ND – zur Mitarbeit an. Am 1. Januar 1969 zog er im Auftrag des Mil-ND nach Bonn in die Nähe des Bundesministeriums der Verteidigung der BRD.

1969 warb Dieter Popp seinen Lebensgefährten Egon Streffer für den Mil-ND an. Während Dieter Popp weiterhin als Versicherungsangestellter tätig war, bewarb sich Egon Streffer im Auftrag des Mil-ND 1970 bei der Bundeswehr und war dort im Planungsstab des Bundesministers der Verteidigung tätig.

Dieter Popp und Egon Streffer, unter dem Decknamen „Asriel“ und „Aurikel“ tätig, schleusten rund 20 Jahre lang geheime Dokumente und Einschätzungen nach Berlin/DDR. Streffer war für die Informationsbeschaffung zuständig. Als Bürohilfskraft im Geschäftszimmer des Planungsstabs hatte Streffer die Aufgabe, Dokumente zu registrieren und kopieren, sowie nicht benötigte Dokumente zu vernichten. Dies ging bis zum Geheimhaltungsgrad „STRENG GEHEIM“, „NATO-SECRET“ und „US-TOP SECRET“. Popps Aufgabe war es, eine Vorauswahl zu treffen, Einschätzungen zu formulieren und den Kontakt zu Berlin/DDR zu halten.

Da in der BRD die bürokratischen Hürden sehr hoch sind, lagen die Dokumente eher bei den zuständigen Ministern der DDR vor, als bei den Zuständigen des Verteidigungsministeriums der BRD.

In den letzten Jahren vor der Konterrevolution stellte sich Dieter Popp oft die Frage, ob die Informationen die zuständigen Stellen in der DDR, wie z.B. das ZK der SED, die zuständigen Minister und Erich Honecker erreichten und ob diese die entsprechenden Maßnahmen einleiten konnten.

Am 14. Mai 1990 wurde Dieter Popp festgenommen. Erst sehr viel später erfuhr er und viele andere, dass sie  durch den Überläufer Eberhard Lehmann aus Berlin-Karlshorst gegen ein Kopfgeld von 300 000 DM ausgeliefert wurden. Eberhard Lehmann erhielt für seinen Verrat vom Verfassungsschutz eine zusätzliche lebenslängliche Rente von monatlich 3000 DM.

Egon Streffer erlebte den Verrat und seine Verhaftung nicht mehr. Er starb kurz vor der entscheidenden Phase der Konterrevolution in der DDR und Osteuropa, am 22. August 1989 im Urlaub an einem Herzinfarkt.

Die etwa zwanzigjährige gemeinsame Tätigkeit mit den Decknamen der Primelgewächse Aurikel (Egon Streffer) und Asriel (Dieter Popp) waren erfolgreich; einige Top-Materialien zu militärischen Planungen und Aktionen, die zwischen 1970 und 1990 die Welt in einen Atomkrieg hätte führen können, werden im Urteil des Dieter Popp vom Oberlandesgericht Düsseldorf, akribisch aufgeführt.

Dieter Popp geriet, wie andere Kundschafter, in eine schwierige soziale Situation. Ursächlich sind dafür hohe Prozesskosten, die den Betroffenen aufgebürdet worden sind.

1995 gründete Dieter Popp mit anderen Kundschaftern die Initiativgruppe „Kundschafter des Friedens fordern Recht“.

Er war in der PDS-Basisgruppe Bonn, später Partei DIE LINKE, politisch aktiv. Er gehörte der Kommunistischen Plattform der Partei DIE LINKE an.

Auch Dieter Popp war auf Sozialhilfe angewiesen. Von Oktober 1996 bis September 1997 kam er in das NRW-Programm „Hilfe zur Arbeit“ und konnte dadurch als Verwaltungsangestellter bei der AIDS-Hilfe Bonn tätig werden.

Später litt er an einem Bandscheibenvorfall. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, weiterhin aktiv zu sein. Z.B. hielt er Vorträge über seine frühere Tätigkeit als Kundschafter und die juristische Situation, in welche die Kundschafter dann hineingeraten sind.

Noch ein nachdenkliches Wort zum Abschluss, eigentlich eine Forderung hat Dieter Popp uns hinterlassen.

„Aus der Vergangenheit sollen wir nicht die Asche, sondern das Feuer übernehmen.“ (J.Jaurès)

Weiteres siehe Broschüre der Initiativgruppe „Kundschafter des Friedens fordern Recht“.

Entnommen Wikipedia und der Broschüre der Initiativgruppe „Kundschafter des Friedens fordern Recht“, zusammengestellt und bearbeitet von Petra Reichel