Nichts Neues

Bildquelle: DER SPIEGEL Nr. 1/2.1.2021

In dem SPIEGEL-Artikel geht es um einen muslimischen Wissenschaftler, der vom sächsischen Verfassungsschutz ins Visier genommen worden ist.

So verlor er aus unerklärlichen Gründen mehrere Jobs und bezog zeitweise Hartz IV. Für mich ist das nichts neues. Folgenden Text habe ich auf der Facebook-Seite von DER SPIEGEL kommentiert und das in meinen Gruppen geteilt. Da sich der SPIEGEL-Artikel hinter einer Bezahlschranke verbirgt, habe ich aus meiner SPIEGEL-Papierausgabe eine PDF-Datei erstellt, die von jedermann heruntergeladen werden kann.

 

Bildquelle: DR SPIEGEL Nr. 1/2.1.2021

Das ist nichts Neues, sondern nur ein anderer Personenkreis ist betroffen.

Früher waren Kommunistinnen und Kommunisten betroffen. Das müssen nicht unbedingt welche aus der DKP gewesen sein. Ja, wer die DKP kritisiert hatte, bzw. immer noch kritisiert, ist noch eher betroffen.

Jede und jeder, der oder die mit der DDR sympathisiert hatte, hatte aus unerklärlichen Gründen den Job verloren, wurde nach der Probezeit gekündigt oder hatte erst keinen Job gefunden.

Der Betroffene im geschilderten Fall ist zumindest an einen Beweis herangekommen, auch wenn dies schwierig war. Kommunistinnen und Kommunisten konnten das nicht und selbst im Nachhinein, wo sie Verliererinnen und Verlierer der Geschichte sind, können sie das nicht. Er werden nur die Akten aus der vergangenen DDR offengelegt, aber nicht aus der fortbestehenden und vergrößerten BRD. Da die Kommunistinnen und Kommunisten und parteilose Sympathisantinnen und Sympathisanten der DDR Gründe für unerklärliche Jobverluste und unerklärliche Ablehnungen von Bewerbungen nur vermuten konnten, bzw. können, aber keinen Zugang zu Beweisen hatten, bzw. haben, sind sie als Faulenzerinnen und Faulenzer gebrandmarkt worden, die sich in der „sozialen Hängematte“ ausruhen würden.

Auch heute kann es für die Verliererinnen und Verlierer der Geschichte Konsequenzen haben, wenn sie links von der nun etablierten Partei DIE LINKE stehen.

So können sie unter fadenscheinigen Gründen von einem Strafverfahren betroffen sein. Auch wenn ein solches Verfahren mit Freispruch endet, so kann das nächste Verfahren folgen. Auch wenn ein Wichtigtuer Anzeige erstattet und das als Druckmittel in seiner Art des Mobbings benutzt, so ist es doch verwunderlich, dass solche Anzeigen ernst genommen und das Strafverfahren seinen Lauf nimmt.

Gut, sowas ist keine Story für den SPIEGEL. Aber die Parallelen aus der vorliegenden Story sind doch offensichtlich.

 

Original-Beitrag aus DER SPIEGEL Nr.1 /2.1.2021

„Unsichtbarer Feind“

Naturfreundehaus in Bad Kreuznach abgerissen

Hier mal was aus meiner Heimat, das den derzeitigien Zeitgeist widerspiegelt.

Das Naturfreundehaus ist für mich mit vielen Erinnerungen verknüpft. In der BRD hatten die Naturfreundehäuser eine wichtige soziale Funktion.

Näheres zu den Naturfreundehäusern siehe Wikipedia.

In Bad Kreuznach war es ein ehrenamtlich geführtes Haus mit Übernachtungsmöglichkeiten und einer Bewirtschaftung zu kleinen Preisen am Wochenende. Wie überall, ist heutzutage niemand mehr bereit die umfangreiche ehrenamtliche Arbeit zu leisten. Es ist  bei der heutigen beruflichen Belastung niemanden zumutbar an den Wochenenden diese Arbeit zu leisten. Es war mal u.a. Treffpunkt von Linken jeglicher Coleur und auch die SPD nutzte dieses Haus für ihre Sommerfeste. Es war schön dort, im Wald gelegen, zu kleinen Preisen Kaffee und selbstgebackenen Kuchen zu verzehren und oder auch sonstige Getränke und kleine Speisen zu sich zu nehmen.

Das Haus war ideal für Seminare und Gruppenübernachtungen.

Dann stand das Haus lange leer. 

Petra Reichel

Der Bagger reißt das Naturfreundehaus nieder. Das erscheint seltsam eilig, nachdem eine Gruppe Kreuznacher Bürger Ideen für eine Nachnutzung entwickelt hatten. Foto: Josef Nürnberg
Bild entnommen aus „Oeffentlicher Anzeiger“ vom14.12.2020

Offenbar gibt es Interessen die schönen Erinnerungen an das Naturfreundehaus zu tilgen

Es hat sich eine engagierte Frau für eine sinnvolle Nachnutzung bereit gefunden. Doch sie und ihre Gruppe sind einfach „abgebügelt“ und vor vollendete Tatsachen gestellt worden.

Hat mal jemand eine gute Idee und tut was, läuft das ins Leere. Kein Wunder, dass es heutzutage so wenig Engament gibt. Wer will unter solchen Bedingungen noch was sinnvolles tun? Dann brauchen wir uns ja nicht mehr über die Konsumgesellschaft und das allgemeine Desinteresse der Bevölkerung zu beklagen. Es ist ja von den derzeit politisch Herrschenden nichts anderes erwünscht.

Zeitungsartikel

„Oeffentlicher Anzeiger“ vom 14.12.2020

 

Lesbar im nachfolgenden Text

Zeitungstext

Montag, 14. Dezember 2020, Oeffentlicher Anzeiger Bad Kreuznach, Seite 18

War der Abriss wirklich nötig?

Von unserem Reporter Josef Nürnberg

Engagierte Bürger wollten Naturfreundehaus erhalten – Bauaufsicht ignorierte Bemühungen

Bad Kreuznach. Dass die Kreisstadt mit ihrer historischen Bausubstanz nicht immer pfleglich umgeht, ist kein Geheimnis. Nun ist das Naturfreundehaus am Lohrer Köpfchen in Bad Kreuznach, das zurzeit abgerissen wird, wahrlich kein historisches Bauwerk. Gleichwohl ist das Haus aus den 1950er-Jahren ein Haus mit Geschichte. Eine Gruppe um Sybille Kunkler aus Bad Kreuznach wollte es erwerben und einer sinnvollen Nutzung zuführen. Doch die Bauverwaltung winkte ab. Eine Nachnutzung sei nicht möglich. Man zahlt jetzt lieber 39 000 Euro für den Abriss, da von dem seit 2012 leerstehenden Gebäude eine Gefahr ausgehen soll.

„Mein Ärger bezieht sich darauf, dass der Auftrag zum Abriss zum Zeitpunkt meiner Anfrage noch nicht vergeben war. Die Möglichkeit einer sinnvollen Nutzung und sogar unser Bekunden, selbst zu investieren, wurden nicht gehört“, schreibt Sybille Kunkler an den „Oeffentlichen“. Ab dem 10. November habe sie mehrfach versucht, von der Stadt weitere Information über das Gebäude zu bekommen und einen minimalen Aufschub des Abrisses zu erreichen. Zudem sei ihr Nutzungsinteresse weder an die Bauaufsicht kommuniziert noch angefragt worden.

„Insofern kann von einer anderweitigen Nutzung gar nicht die Rede sein“, ärgert sich Kunkler über die Darstellung in der Presseinformation der Bauaufsicht. „Am vergangenen Wochenende, am 6. Dezember, habe ich dann die Oberbürgermeisterin angeschrieben, da ich über den offiziellen Weg mit dem Bauamt nicht weiter kam“, schreibt Kunkler. Zu spät. Heike Kaster-Meurer konnte nur noch mitteilen, dass die Bauaufsicht bereits den Abriss beschlossen hatte.

Verwunderlich ist es, dass die Bauaufsicht bezüglich der Pläne der Gruppe um Sybille Kunkler, zu der unter anderem auch Christine Zillger, Agrarwissenschaftlerin bei der Landwirtschaftskammer, und Bildhauer Rüdiger Steiner gehören, für die künftige Nutzung des Gebäudes von einer Nutzungsänderung spricht, die mit der Lage des Gebäudes im Außenbereich nicht vereinbar sei. Dabei sind die Pläne der Gruppe nicht weit von denen der Naturfreunde entfernt.

In ihrem Schreiben vom 6. Dezember geht Kunkler auf die Lage des Gebäudes im Außenbereich ein, das strengen Nutzungsregelungen unterliegt. „Diese würden wir gerne mit ihnen erörtern und unsere ersten Projektideen dazu beschreiben“, so Kunkler. Mit „Zentrum für Natur und Kultur“ gab es bereits einen Arbeitstitel. Eine Idee war die Schaffung einer Naturbegegnungsstätte. Zu regelmäßigen Terminen sollten sich Menschen jeden Alters, jeder Herkunft und sozialen Schicht zusammenfinden, um gemeinsam in der Natur zu sein. Es wäre keine angeleitete Führung, sondern ein Begegnen und gemeinsames Wandern. Im Anschluss böte das Gebäude Raum für ein gemeinsames Kaffeetrinken für kleines Geld.

Weitere niedrigschwellige Aktionen sollten entwickelt und für verschiedene Zielgruppen angeboten werden. Der große Raum hätte als Kulturstätte für Tanz, Musik und Projektideen genutzt werden sollen. Dabei wäre es den Initiatoren wichtig gewesen, auch eine Verbindung zur Natur herzustellen. Durch professionelle Anleitung von Tanz-, Kunst- und Naturpädagogen sowie -therapeuten entstünde ein abwechslungsreiches Programm. Die kleineren Räume könnten Künstlern aus der Region zur Verfügung gestellt werden, um dort in naturnahe Arbeit einzutauchen.

Wegen Corona entscheiden sich immer mehr Menschen für den Urlaub vor der Haustür. Das Zentrum für Natur und Kultur hätte eine Anlaufstelle sein können. Zudem hätte es sich für naturnahe Ferienprojekte sowie für Kindergärten und Schulen als Anlaufstelle für Walderkundungen angeboten. Das Haus diente ursprünglich als Seminarhaus. Ein naturnaher Seminartourismus hätte sich wieder entwickeln können.

Auch die Finanzierung wäre für die Stadt überschaubar gewesen. Die Initiatoren hätten sich vorstellen können, selbst in die Renovierung zu investieren und je nach Investitionshöhe dafür eine mietfreie Nutzung des Objektes zu erhalten. Auch eine Überschreibung des Objektes wäre denkbar gewesen. In allen Fällen würden der Stadt geringe oder sogar keine Kosten entstehen. Eine Begehung mit einem Architekten, um den Instandsetzungsaufwand abzuschätzen, hätten die Initiatoren gern zeitnah gemacht. Dazu kommt es nun nicht mehr. Denn der Bagger schafft vollendete Tatsachen.

Volksverdummung in der Schule im November 2020

Ahh, ein Zeitzeuge ist aufgetreten, der den heutigen Schülerinnen und Schülern was von der DDR erzählt. 

https://www.aufnahmeheimroentgental.net

Zur besseren Lesbarkeit, nachfolgend die Wiedergabe des Textes von Thomas Malke:

Historiker sind Leute, die viel erzählen. Allerdings erzählt jemand auch viel Mist, wenn er viel erzählt. Außerdem ist der gefährlichste Feind des Historikers der Zeitzeuge, er kann das so sorgsam aufgebaute Trugbild nämlich mit einmal zerstören. Darum werden auch manche „Zeitzeugen“, nämlich die, die das verordnete Bild unterstützen, immer wieder zitiert, die anderen als DDR-Spinner, Nostalgiker, Ewiggestrige oder gar Stasispitzel bezeichnet. Keine Angst, das hat alles System und der Historiker ist jedes Mal das Werkzeug dafür: Wessen Brot ich ess‘, dessen Lied ich sing.

Thomas Malke


Dietmar von der Weiden berichtete den Geschichts- und Sozialkundeschülern der Integrierten Gesamtschule von seinem Leben in der einstigen Deutschen Demokratischen Republik. Foto: Jens Fink
Bildquelle: „Öffentlicher Anzeiger“ vom 14.11.2020 Fotograf: Jens Fink

Natürlich geht es nicht ohne die Behauptung, dass die DDR ein totalitärer Staat gewesen sei. Die Totalitarismus-Theorie  setzt Sozialismus und Faschismus gleich.(Opfer=Täter-Theorie) Somit wird der Faschismus verharmlost. Gerade das kann bei den heutigen Rechtstendenzen fatale Auswirkungen haben. Es ist doch geboten die Schülerinnen und Schüler über den Faschismus aufzuklären. Übrigens wurde das in der DDR gemacht. Anscheinend hat das der Zeitzeuge verschlafen.

Wer ist mit 14 Jahren politisch reif? Der Zeitzeuge behauptet zumindest, dass er seit er 14 war gegen die DDR opponiert hatte. Rückblickend muss man sehen, dass es zumindest in den 1980er Jahren der Politik und den zuständigen Institutionen der DDR nicht gelungen ist irregeleitete Jugendliche auf den rechten Weg zurückzubringen. Allein dies mit Repressalien zu versuchen, war der falsche Weg. So gewannen die Konterrevolutionäre diese ursprünglich unreifen Jugendlichen als Nachwuchs. 

Die Behauptung aus politischen Gründen nicht studieren zu dürfen ist für die derzeitige Propaganda immernoch ein „Verkaufsschlager“. Spätestens seit Angela Merkel Bundeskanzlerin ist, muss doch jeder und jedem aufgefallen sein, dass diese Behauptung nicht stimmt. Übrigens mussten Studierende in der DDR nicht nebenbei arbeiten oder reiche Eltern haben. Die Existenz war gesichert und die Studierenden konnten sich vollständig auf ihr Studium konzentrieren. Das hatte der Staat DDR ihnen ermöglicht. Was gab es zum Dank von vielen, die in der DDR kostenlose Bildung genießen durften? – Symbolisch ausgedrückt: Einen Tritt in den Hintern. Die führenden Köpfe der Konterrevolution waren gebildete Leute. Da braucht niemand mit der Behauptung kommen, dass irgendjemanden aus politischen Gründen die Bildung verweigert worden wäre. 

Ganz schön von „oben herab“ ist der Zeitzeuge. Warum reichte es ihm nicht aus Handwerker zu werden? Ohne Handwerker geht es nirgends. Es ist ein Unding diesen Berufsstand, bzw. Berufe, wo man sich dreckig macht zu verachten. Heute wollen Viele auch nur Büroarbeit machen, bzw. studieren. Praktische Arbeit wird verachtet. Hier und  heute herrscht auch Mangel an Handwerkern. Der Zeitzeuge ist nach seiner Übersiedlung in die BRD Architekt geworden.Hat er darüber nachgedacht, dass es die Handwerker und Bauarbeiter sind, die die Pläne der Architekten in die Tat umsetzen?

Nun ja, über Heirat hat er es schließlich in die BRD geschafft. Ausreiseanträge aus persönlichen Gründen waren unproblematisch. Bei politischen Gründen war das schwieriger. Rückblickend muss man sagen, dass man die Leute hätte ziehen lassen sollen, soweit sie keine Geheimnisträger waren oder strafrechtliche Gründe gegen eine ständige Ausreise sprachen.

Petra Reichel


Original-Artikel aus der örtlichen Tageszeitung „Öffentlicher Anzeiger“

Keine Angst, falls der Artikel auf der bildlichen Darstellung nicht lesbar ist.   Der folgende Text ist die Wiedergabe des Original-Artikels.

Samstag, 14. November 2020, Oeffentlicher Anzeiger Bad Kreuznach, Seite 14

Leben in einem totalitären Staat

Zeitzeuge schildert IGS-Schülern, wie kritische Köpfe in der DDR behandelt wurden.

Stromberg.                                                                                                                     Der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 läutete das Ende der DDR und damit letztlich die deutsche Einheit ein. Für junge Leute ist die Zeit des Kalten Kriegs und der deutschen Teilung heute kaum noch präsent. Daher freuten sich die Verantwortlichen der Integrierten Gesamtschule (IGS), mit Dietmar von der Weiden einen Zeitzeugen zu Gast zu haben, der den Schülern von seinen Erfahrungen aus der ehemaligen DDR berichten konnte.

Seine Erlebnisse in einem totalitär ausgerichteten System ersetzten in der Corona-Krise das sonst übliche „politische Gespräch“ mit Politikern aus der Region, das an der IGS traditionell um den 9. November herum durchgeführt wird. Der 57-jährige von der Weiden hatte den Schülern der Leistungs- und Grundkurse Geschichte sowie der Sozialkunde der 13. Jahrgangsstufe viel Interessantes über die Jahre vor dem Mauerfall zu erzählen. Für Personen, die einen eigenen, von den Richtlinien des Staates abweichenden Weg gehen wollten, sei das Leben im sozialistischen Staat nicht immer leicht gewesen, berichtete von der Weiden. Etwa seit seinem 14. Lebensjahr hätte er seinen eigenen Kopf gehabt und sich in einem langsamen Prozess von der vorgegebenen Linie immer mehr abgenabelt. Schon in seiner Funktion als sogenannter Agitator der Klasse, vergleichbar mit einem Klassensprecher, sei er den Staatsvertretern durch kritisches Denken negativ aufgefallen. So habe er unter anderem die Rolle der Sowjetunion in deren Krieg in Afghanistan kritisch hinterfragt. „Das wurde von den Lehrern nicht so gern gesehen“, sagte von der Weiden.

Er sei immer wieder angeeckt und habe erkannt, dass er mit seiner Einstellung nicht studieren konnte. „Bestenfalls hätte ich Handwerker werden können. Aber das reichte mir nicht“, betonte von der Weiden, der heute als Architekt arbeitet. Erschwerend sei hinzugekommen, dass er sich in der damaligen Skinhead-Szene bewegte. „Allein schon mit unserem kurz geschorenen Haarschnitt war unsere Opposition erkennbar“, berichtete von der Weiden.

Der Wunsch, in die damalige BRD überzusiedeln, sei schon während der Schulzeit immer stärker geworden. Mit 18 Jahren seien dann seine Pläne, den Staat zu verlassen, offenbar geworden. Da er als „Rädelsführer“ angeblich auch andere Personen zu Fluchtgedanken verführte, wurde er im Jahr 1981 wegen „Vorbereitung zur Republikflucht“ zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

Dann kam ein weiterer Faktor hinzu, der ihn veranlasste, schließlich seine Ausreise aus der DDR zu beantragen. So lernte er 1984 in Prag seine spätere Frau aus Westdeutschland kennen. Nach Schikanen und Schwierigkeiten konnte das Paar 1986 heiraten, und Dietmar von der Weiden wurde letztlich die Ausreise aus der DDR gestattet.

Im Westen angekommen, zog er mit seiner Frau nach Bingen. Nach seinem Studium in Mainz erfüllte er sich seinen Traum und wurde Architekt. Als dann die innerdeutsche Grenze tatsächlich 1989 gegen alle Erwartungen aufging, habe ihn das sehr überrascht. „Nie habe ich mir vorstellen können, dass die Mauer mal fällt. Ich war fassungslos und konnte es nicht glauben“, bekannte von der Weiden.

Jens Fink



Auswertung der „Cottbusser Erklärung“

Am 11. Bis 13.September 2020 fand von Verbänden der DDR-Gegnerschaft eine Tagung zum Thema „Zwangsarbeit in politischer DDR-Haft“ statt.

Bildquelle: Website „Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)“

Eine international besetzte Jury, darunter auch zwei Abgeordnete von CDU/CSU und FDP des Deutschen Bundestages hatten sich in den letzten zwei Tagen der Tagung sogenannte Fachvorträge angehört und als Ergebnis die „Cottbusser Erklärung“ präsentiert.

Die zur DDR-Gegnerschaft gehörende Klientel behauptet stets allein aus politischen Gründen in der DDR im Knast gesessen zu haben. In Wahrheit verhält es sich so, dass die Wenigsten aus rein politischen Gründen im Knast saßen. Die Mehrheit der angeblich politisch Verfolgten saß allenfalls wegen Allerweltsstraftaten im Knast, die mit Sonderstraftatssbeständen der DDR, die man heute als politisch einstufen kann, kombiniert waren.

Da die BRD die Staatsbürgerschaft der DDR nicht anerkannt hatte, wurden die Bürgerinnen und Bürger der DDR als Deutsche im Sinne des Grundgesetzes behandelt. So konnten sich Kriminelle aus der DDR der Verantwortung entziehen, indem sie illegal die DDR verließen. In der BRD waren sie auf jeden Fall aufgenommen worden.

Bildquelle: Website „Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)“

Was als Zwangsarbeit bezeichnet wird, ist eine normale berufliche Tätigkeit, welche die Gefangen ausübten. Für Freie und Gefangene bestand in der DDR Arbeitspflicht. Kindsunterhalte und die Unterbringung im Knast (um den Steuerzahlenden nicht zur Last zu fallen) wurden aus dieser beruflichen Tätigkeit finanziert. Die Häftlinge sind mit dem Bus zu den jeweiligen Firmen hin und zurück gefahren worden, wo sie arbeiteten. Wenn dort hergestellte Produkte in den Export gingen, so hatten Freie und Gefangene daran gearbeitet. Wenn z.B. IKEA meint Reue zeigen zu müssen, dient das dem Firmenimage, welches IKEA nun ramponiert sieht. Das hat nichts mit den Sachverhalten zu tun. Natürlich waren das keine begehrten Arbeitsplätze, die mit Gefangen besetzt wurden. Die Freien hatten ja in der DDR ja beruflich viele Möglichkeiten. Für die miesen Jobs fanden sich schwerlich Freie und mussten letztendlich durch Gefangene besetzt werden.

Bildquelle: Website „Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)“ 
Bild: Ralf Steeg

 

Die Gefangenen waren nicht von den Arbeitsschutzbestimmungen ausgeschlossen, wie vielfach behauptet wird. Schichtarbeit ist weltweit alltäglich. Warum beschweren sich die ehemaligen Gefangen darüber?  Verletzte wurden natürlich medizinisch versorgt, selbstverständlich auch nach Arbeitsunfällen. Andere Behaupten sind schlichtweg falsch.

Die Gefangenen hatten eine gute Kantinenverpflegung. Für die Nachtschicht gab es nochmal eine extra gute Verpflegung.

Für diejenigen, die die Arbeit verweigerten oder die Normen nicht erfüllten, gab es die Absonderung. Übrigens müssen auch Freie die Norm, bzw. den Akkord erfüllen und das auch in der heutigen Zeit und weltweit.   Mit den Horrormeldungen, die ständig über die DDR-Knäste kursieren, haben die Maßnahmen nichts zu tun. Arrestzellen gibt es überall auf der Welt. Natürlich sind diese nicht schön. Irgendwie müssen die Gefangenen Disziplin lernen.

Es wird behauptet, dass die DDR gegen internationale Vereinbarungen verstoßen hätte. Nicht mal die Mindestgrundsätze der Vereinten Nationen wären eingehalten worden. Allerdings hatte die UNO damals nicht eingegriffen. Wenn die Behauptungen wahr wären, hätte die UNO das gewiss getan.

Die Klientel der DDR-Gegnerschaft behauptet nicht angemessen entschädigt worden zu sein. Diese Leute beklagen auch gesundheitliche Folgeschäden ihrer Haft.  Es ist fraglich, ob dem in jedem Fall so ist. Die DDR-Gegnerschaft fordert eine Abänderung des Verfahrens, um auch in diesem Bereich leichter Entschädigung zu erhalten.

 

Entnommen aus der Website „Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)“

Ausgewertet von Petra Reichel


Persönliche Zusatzanmerkung von Petra Reichel:

 

Mein zwischenzeitlich verstorbener Mann, der aus der DDR stammte, hatte auf einer Baustelle gearbeitet. Konkret als Gleisbauer für die Straßenbahngleise. Gefangene und Freie arbeiten gemeinsam dort. Es war ein heißer Sommertag. Der Arzt für die Gefangenen tauchte auf und gab die Anweisung, dass die Gefangen sofort aufhören müssten zu arbeiten. Laut des damaligen Arztes war die Arbeit für die Gefangenen bei dieser Hitze unzumutbar. Die Gefangenen saßen daraufhin im Schatten und sahen den Freien zu, die weiterarbeiten mussten.

 

Eine Heldin ist geboren

Ahh, eine Heldin ist geboren, denn „unser“ Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Elke Schlegel für den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland auserkoren. Womit hat diese Frau den Orden verdient?

Nein, das Medikament oder den Impfstoff gegen das Corona-Virus hat sie nicht erfunden. Sie hat auch an keiner spektakulären Rettungsaktion teilgenommen. Wofür der Orden? Ach dazu braucht es nicht viel. Sie macht Kampagnen gegen die DDR. Dazu darf auch mal übertrieben, dick aufgetragen und auch vollständig gelogen werden. Zum 30. Jahrestag der Annexion der DDR infolge des Sieges der Konterrevolution, haben solche Kampagnen Hochkonjunktur. So erhält sie einen Orden –  für Nichts.

„Die Tafeln sind vor zwei Jahren aufgestellt worden. Viele Passanten bleiben stehen und lesen die Berichte der Opfer der Teilung.“

Bild entnommen aus der „Rhein-Zeitung“ vom 29.09.2020 Bildunterschrift zitiert aus der“Rhein-Zeitung“ vom 29.09.2020

 

Ach sie spricht vor Schulklassen. Reicht es nicht, dass die Kinder mit der offiziellen Geschichtsschreibung zugemüllt werden? Wer erzählt den nachfolgenden Generationen die Wahrheit über die DDR? Irgendwann leben die Zeitzeugen nicht mehr, die ohnehin kaum Gehör finden. 

Ach den Russichunterricht (war in der DDR die 1. Fremdsprache) hat sie geschwänzt. Gut, ob das an den Pranger stellen richtig war, sei dahingestellt. Aber hier und heute kann man auch nicht den Englischunterricht schwänzen.

Ach ihren Wunschberuf Dekorateurin konnte sie nicht erlernen. Äh, was – der sozialistische Plan war schuld. Hier und heute  im Kapitalismus kriegt man womöglich gar keine Lehrstelle, in der DDR konnte jede Schulabgängerin, jeder Schulabgänger einen Beruf erlernen, auch wenn es nicht immer der Wunschberuf war. Außerdem werden heutzutage noch weniger Dekorateure gebraucht, weil es heute weniger Schaufenster als früher gibt. 

Ach wieder die Mär, dass man wegen einem Ausreiseantrag verhaftet wurde. So ein Quatsch. Nun ja, sie hat ungenehmigt demonstriert. Aber ob das gleich so eine hohe Strafe mit sich bringt, ist zweifelhaft. Da war gewiss noch was anderes im Spiel.

Nun folgt eine Gruselstory über Hoheneck, ein bekannter Frauenknast in der DDR. Übrigens haben die heutigen Knäste auch das Problem der Überbelegung, was sie unter anderem anprangert. Was will die denn?

Was die Arbeit betrifft, kann ich aus meiner Erfahrung sprechen, dass man für Akkordarbeit eine gewisse Einarbeitungszeit braucht, um das Pensum schaffen zu können. Ist man mal in Übung, geht es. Ich weis nicht, ob es in der DDR, sei es draußen oder im Knast, diese Einarbeitungszeit gab. Wenn nicht, hätte sie sich trotzdem lieber auf die Arbeit konzentrieren sollen. Ich weis gar nicht, was stets gemeckert wird. Die Leute wollten doch so unbedingt im Kapitalismus leben und nahmen jedes Risiko dafür in Kauf. Warum waren sie nicht so schlau, die Arbeit im Knast als Übung zu sehen, um sich später, nach der Ausreise in die BRD, voll und ganz in der kapitalistischen Arbeitswelt einzubringen?

Dann folgt ein Abschnitt über das neue Leben in Koblenz. Ahh, hier steht jetzt, dass sie in der DDR Hotelfachfrau gelernt hat, wo es doch mit der Dekorateurin nicht geklappt hat. Nun ja, die Pizzeria, wo sie in Koblenz arbeitete brannte ab. Wie lange sie dann arbeitslos war, steht da nicht. Erstaunlicherweise hatte sie eine Umschulung bekommen, während andere Leute nie die Chance auf eine Umschulung haben. Frau Schlegel lernte dann Automobilkauffrau. 

Natürlich muss ein Selbstmordversuch mit in die Geschichte, als ein zufälliges Zusammentreffen mit einer damaligen Wärterin des Knastes Hoheneck stattgefunden hatte.  

Die Tränendrüse der Leserinnen und Leser soll gedrückt und Hass auf die DDR erzeugt werden. 

Nach einem Nervenzusammenbruch und Reha gilt sie nun als erwerbsunfähig. Andere bekommen die Erwerbsminderungsrente grundsätzlich abgelehnt, aber eine solche „Heldin“ doch nicht.

Ah sie hat dafür gekämpft, dass Reste des antifaschistischen Schutzwalls in Koblenz  aufgestellt worden sind. Mit entsprechenden Tafeln versehen, wo natürlich propagandistischer Stuss draufsteht. Dazu hat ihr Nervenkostüm gereicht.

 

„In der Nähe des deutschen Ecks in Koblenz stehen die Teile der Berliner Mauer und erinnern an die Opfer der Teilung. Lange hat Elke Schlegel dafür gekämpft, dass Erklärtafeln daneben aufgestellt werden, die die Schicksale der benennen, die nicht in der großen Politik auftauchen. Viele, die sich für Freiheit und Demokratie einsetzten, wurden inhaftiert. Oft wurden ihnen auch die Kinder weggenommen.“

Bild entnommen aus der „Rhein-Zeitung“ vom 29.09.2020. Bildunterschrift zitiert aus der „Rhein-Zeitung“ vom29.09.2020

 

Ein Buch hat sie auch geschrieben. Auch dazu hat sie genug Energie.

Ahh an der Tagung der DDR-Gegnerschaft in Cottbus hat sie auch teilgenommen. 

Petra Reichel

 

Original-Artikel aus der „Rhein-Zeitung“ vom 29.09.2020

Der Lesbarkeit halber nochmal der Original-Text des Artikels aus der „Rhein-Zeitung“ vom 29.09.2020

Dienstag, 29. September 2020, Oeffentlicher Anzeiger Bad Kreuznach, Seite 3

Wenn nur die Gedanken frei sind

Die Koblenzerin Elke Schlegel hat in der DDR demonstriert und saß dann im Gefängnis – Jetzt erhält sie eine Auszeichnung

Von unserer Redakteurin Doris Schneider

Koblenz. In ihren Träumen rasseln noch immer die dicken Schlüsselbunde. Die schweren Türen fallen hinter ihr zu. Sie ist eingesperrt. Wenn sie träumt, dann ist Elke Schlegel wieder in der Zelle im Frauengefängnis Hoheneck, in der sie fünf Monate und 24 Tage verbracht hat. Eingesperrt, weil sie mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn aus der DDR in die Bundesrepublik ausreisen wollte und dafür demonstrierte.

Seit 1985 lebt sie in Koblenz, doch diese Zeit im Gefängnis wird immer Teil ihrer eigenen Geschichte sein. Und der Geschichte der Deutschen. Dass dies in Erinnerung bleibt, dazu trägt Elke Schlegel bei. Am kommenden Donnerstag wird sie dafür in Berlin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik ausgezeichnet. „Warum ich? Andere haben viel mehr geleistet!“, sagt sie. Aber sie freut sich.

Ihr zweiter Geburtstag ist für die heute 62-Jährige am 20. September, erzählt sie beim Treffen mit unserer Zeitung an den Mauerstücken in unmittelbarer Nähe des Deutschen Ecks. An diesem Tag im Jahr 1984 wird sie von der Bundesrepublik freigekauft. Bis heute berichtet Schlegel als Zeitzeugin vor Schulklassen und anderen Gruppen aus ihrer zunächst glücklichen Kindheit in Jena, die zunehmend Zwängen ausgesetzt war. Von Strafappellen vor 800 Mitschülern, weil sie den Russisch-Unterricht geschwänzt und stattdessen lieber gehäkelt hat. Von der angestrebten Ausbildung zur Dekorateurin, die sie nicht machen kann, weil der sozialistische Plan in diesem Jahrgang keine Dekorateurin braucht. Von der Freiheitsbewegung, der sie und ihr Freund Thomas Schmidt sich Anfang der 80er-Jahre anschließen und immer wieder zu stummen Protesten mit Kerzen auf die Straße gehen. Von dem Ausreiseantrag, den die Familie stellt, zu der nun auch der kleine Tony gehört. „Wir waren so naiv, wir haben gedacht, die lassen uns gehen“, erinnert sich Elke Schlegel. Stattdessen werden beide verhaftet. Immerhin: Tony darf bei seiner Oma bleiben. In vielen anderen Fällen kommen die Kinder ins Heim.

Berüchtigtes Frauengefängnis

Hoheneck. Das Frauengefängnis ist berüchtigt. Mit 41 Gefangenen teilt sich Elke Schlegel eine Zelle. Fünf unter ihnen sind politische Gefangene, die anderen Kriminelle. Keine Sekunde Privatsphäre, auch nicht auf der Toilette, die in der Zelle steht. Die Häftlinge müssen arbeiten, unter mörderischem Druck. Elke Schlegel bearbeitet im Akkord Strümpfe mit einem Heizformer. 2400 Strümpfe soll sie in acht Stunden fertigen, in Früh-, Spät- und Nachtschicht. Es ist nicht zu schaffen – und bedeutet, dass sie keine Briefe schreiben und bekommen darf, weil sie das Soll nicht erfüllt. Ihr Mann muss Kamerateile in Lösungen tauchen, die giftige Dämpfe freisetzen. Wie es ihm geht, erfährt Elke Schlegel nicht.

„Wir waren immer total fertig, kaum geschlafen mit 42 in einem Raum, und auch das Essen war schrecklich“, berichtet Elke Schlegel. Einmal schwimmen Maden oder Kakerlaken in der Suppe, da meutern die Gefangenen. „Wir Politischen haben das Lied ,Die Gedanken sind frei‘ angestimmt“, erzählt sie. Sie bezahlen es teuer: Die gefürchtete Wasserzelle ist die Strafe, ein gemauerter Kellerraum, in den immer neues kaltes Wasser eingelassen wird. Darin muss sie waten. „Manchmal träume ich davon, dann wache ich mit Wadenkrämpfen auf.“

Doch das sind nicht die schlimmsten Schmerzen. „Am schrecklichsten war Tonys Geburtstag und dass ich nicht bei ihm sein konnte.“ Ein einziges Mal darf ihre Mutter sie besuchen, der Junge muss im Gang warten. „Dann kam die Wärterin und sagte ganz süffisant zu mir: ,Was für ein süßer kleiner Junge, wie schade, dass seine Mutti ihn nicht sehen darf.‘ Wahrscheinlich hat die Frau selbst Kinder! Wie kann man so gemein sein?“

Ein neues Leben in Koblenz

18 Monate soll Elke Schlegel in Hoheneck bleiben, doch nach fünf Monaten und 24 Tagen darf sie am 20. September 1984 raus. Bis auf 38 Kilo ist sie abgemagert, die Bundesrepublik kauft sie frei. Zunächst ist sie ein paar Wochen im Aufnahmelager in Gießen, dort kommt am 24. Oktober ihr Mann Thomas Schmidt dazu. In der Nähe von Koblenz hat sie Verwandte, hier wollen sie neu anfangen. Im Januar 1985 zieht das Paar nach Koblenz, am 10. Februar dürfen sie ihren kleinen Sohn zu sich nehmen.

Und es geht bergauf. Elke Schlegel, die in der DDR Hotelfachfrau gelernt hat, arbeitet in einer Pizzeria. Dort wird sie herzlich aufgenommen, ein Freundeskreis bildet sich. Das Lokal brennt ein paar Jahre später ab, Schlegel macht eine Umschulung zur Automobilkauffrau, später eine Fortbildung und arbeitet bei der Debeka. Als 1989 die Grenzen öffnen, dürfen sie wieder Freunde und Verwandte in Jena besuchen. Nur das eine blöde Gefühl entsteht bei Elke Schlegel: „Nicht nur die Opfer kommen ja jetzt rüber. Auch die Täter.“

Und die Vergangenheit holt sie ein: An einem Tag ist sie mit einer Kollegin im Auto auf der Rückfahrt von einer Fortbildung. Beide haben DDR-Akzent, befragen sich, wo sie herkommen. Als Elke Schlegel erzählt, dass sie seit 1984 in der Bundesrepublik ist, fragt die andere nach: „Da war die Mauer doch noch!?“ Ja, erzählt Schlegel, sie war im Gefängnis und wurde freigekauft. „Wo?“, will die Kollegin wissen. „Hoheneck.“ Die Antwort der anderen: „Da war ich Aufseherin.“ Bei Tempo 100 reißt Schlegel die Autotür auf und will nur weg.

Ein Nervenzusammenbruch und zwei Jahre Reha folgen. Seitdem ist sie erwerbsunfähig. Und sie engagiert sich seitdem noch stärker dafür, dass die Geschichte nicht vergessen wird. Am Deutschen Eck stehen neben den Stücken der Berliner Mauer zwischen Biergarten und Deutschem Eck seit zwei Jahren Erklärtafeln, die an die Opfer der deutschen Teilung erinnern. Für diese Tafeln hat sie lange gekämpft.

Gerade war Schlegel bei einem Tribunal in Cottbus, bei dem zum 30. Jahrestag der deutschen Einheit die Zwangsarbeit der politischen Häftlinge in der DDR Thema war. Das ist ein brisantes Thema, auch finanziell, denn für die gesundheitlichen Folgen der Zwangsarbeit bekommen Elke Schlegel und ihr Mann keine Entschädigung, lediglich seit ein paar Jahren eine kleine Opferentschädigung.

Zusätzlich engagiert sich die Koblenzerin in der UOKG, der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft. Und sie berichtet als Zeitzeugin, wie sie die DDR erlebt hat. „Die jungen Leute heute wissen ja gar nicht mehr, dass Deutschland mal geteilt war!“ Damit es auch später noch Zeugnisse gibt, hat Elke Schlegel gerade ein Buch geschrieben. Darin erzählt sie ihre Geschichte – die eben auch ein Stück deutscher Geschichte ist.

Die Tafeln sind vor zwei Jahren aufgestellt worden. Viele Passanten bleiben stehen und lesen die Berichte über die Opfer der Teilung.

Elke Schlegel bekommt den Verdienstorden der Bundesrepublik

Als eine von 15 Menschen bundesweit wird die DDR-Freiheitsaktivistin Elke Schlegel aus Koblenz am 1. Oktober von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Die Ehrung zum Tag der Deutschen Einheit steht unter dem Motto „Vereint und füreinander da“. Unter den acht Frauen und sieben Männern sind auch der Virologe Christian Drosten, der Pianist Igor Levit und der frühere Profifußballer Thomas Hitzlsperger. Wer Elke Schlegel vorgeschlagen hat, weiß sie nicht. Nachdem sie die Einladung bekommen hat, konnte sie es erst gar nicht glauben: „Da passe ich doch gar nicht hin! Andere haben sich viel mehr engagiert!“ Aber nun freut sie sich. dos

Freispruch durch Richter Birnbaum

 

Rückblick auf einen politischen Prozess von Petra Reichel

Wegen meiner Betrachtungsweise der Geschichte außerhalb der offiziellen Geschichtsschreibung habe ich wegen folgender Äußerung zur Staatsgrenze der DDR auf der FB-Seite  des DDR-Museums Berlin im Jahre 2015, weswegen mich das Museum angeprangert hatte, im Jahre 2017 eine Vorladung zur Kriminalpolizei erhalten. Ich bin von einem Denunzianten angezeigt worden.

Der Tatvorwurf: „Billigung von Straftaten“

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Der Prozess dauerte insgesamt bis zum Jahr 2018.

Richter Birnbaum, der im folgenden Artikel vorgestellt wird, hat mich freigesprochen. Er hat festgestellt, dass meine Äußerung durch die Meinungsfreiheit gedeckt ist.

An dieser Stelle danke ich nochmal für die Unterstützung durch meinen Freundeskreis, darunter meines Anwaltes Alexej Dankwardt.

Im Artikel werden einige Fälle, über die Richter Birnbaum geurteilt hat, kurz vorgestellt. 

Mein Fall ist für die Presse nicht relevant. (Weder damals, noch heute.)

Richter Birnmabum Öffentlicher 15.09.2020

„Öffentlicher Anzeiger“ vom 15.09.2020

Richter Birnbaum

Einblicke in die Urteilsfindung gab Straf- und Familienrichter Eugen Birnbaum. Foto: Josef Nürnberg

Bild entnommen aus „Öffentlicher Anzeiger“ vom 15.09.2020

 

Zur besseren Lesbarkeit des Zeitungsartikels wird nachfolgend der Text wiedergeben:

Dienstag, 15. September 2020, Oeffentlicher Anzeiger Bad Kreuznach 

Richter erzählt aus Berufsalltag

Von unserem Reporter Josef Nürnberg

Empathie sei die wichtigste Eigenschaft eines guten Richters, so Eugen Birnbaum

Durchroth. Zum vierten Duchrother Werkstattgespräch hatte „Kultur und Landschaft Duchroth“ (KuLD) den Strafrichter Eugen Birnbaum (Amtsgericht Bad Kreuznach) eingeladen. Er gewährte exklusive Einblicke darüber, wie er zu seinen Urteilen kommt. Dabei sind die Kriterien, die letztlich zur Entscheidung führen, vielschichtig. Wer Birnbaum zuhörte, dem war am Ende klar: In der Rechtsprechung gibt es nicht nur Schwarz oder Weiß.

Auf die Frage, was einen guten Richter ausmache, nannte Birnbaum die Empathie: „Ein guter Richter muss den Menschen verstehen, ihm zuhören und ihm sein Urteil erklären können.“ Das verwunderte doch manch einen unter den rund 20 Zuhörern. Sie fürchteten, dass durch Empathie die Neutralität des Richters verloren ginge. „Dass ein Richter durchaus Empathie haben darf, ist sogar vom Gesetzgeber gewollt“, unterstrich Birnbaum.

Dass es nicht immer einfach ist, auch für Täter Einfühlungsvermögen aufzubringen, weiß der Familienvater. „Es ist schwierig für einen Vater, sich in eine Person zu versetzen, die Kinderpornos besitzt“, gab er zu.„Man bleibt nicht neutral.“ Wie schwierig es manchmal mit der Neutralität ist, machte er an zwei Beispielen von Schüttelkindern deutlich. Es ist oft schwieriger, sich in einen alkoholisierten Vater einzufühlen, der sein Schreikind zu Tode schüttelt, weil er schlafen will, als in eine allein erziehende und überforderte Mutter.

Birnbaum, der auch als Richter den schlagzeilenträchtigen Jagdunfall in Dalberg zu beurteilen hatte, bei dem eine Seniorin ums Leben kam, erläuterte, wie er beide Seiten sah. Dabei erkannte er durchaus die Rolle des Jägers und die Anspannung während der Jagd an. „Man muss sich aber auch in die Situation der Angehörigen versetzen, die durch diesen Fall einen Menschen verloren haben“, erklärte er.

In diesem Zusammenhang kam auf Seiten der Zuhörer das Thema der Berufung auf. Teils herrschte die Meinung vor, dass die Berufungskammern zu milde Urteile fällen: die Berufungsgerichte seien „Gnadenkammern“. Dagegen konterte Birnbaum mit der Revisionsverhandlung, in der geprüft wird, ob das Urteil rechtlich einwandfrei zustande gekommen ist. Anders als in der Berufung ist eine erneute Beweisaufnahme in der Revision ausgeschlossen. Er erinnerte zudem daran, dass beim Schöffengericht immer zwei Schöffen und ein Richter über das Urteil entscheiden. Auch wenn der Richter von Haus aus Jurist ist, bedeutet dies nicht, dass die Schöffen ihn nicht überstimmen dürfen.

Birnbaum warnte auch vor Vorverurteilungen mutmaßlicher Täter. Zumeist sind der Öffentlichkeit wenige Details bekannt. Jeder Fall ist anders, und dabei ist auch die Verhältnismäßigkeit der Mittel zu beachten. Wenn ein Einbrecher von einem Hund gestellt und dabei gebissen wird, ist das etwas anderes, als wenn der Hauseigentümer wegschaut, während sein Hund den Einbrecher totbeißt. Er erinnerte an den „Kirschdieb-Fall“, in dem ein Jugendlicher auf einen Kirschbaum geklettert war und vom Eigentümer des Baums mit der Schrotflinte erschossen wurde.

„Jeder Fall ist anders, ich habe in sechs Jahren noch keinen gesehen, der dem anderen gleicht“, erzählte der Richter. Er muss es wissen, fällt er doch bis zu 30 Urteile in der Woche, darunter auch Scheidungen.

Der Artikel steht auch als PDF-Datei zur Verfügung:

DIE LINKE nähert sich der SPD an

Der Zeitungsbericht aus Bad Kreuznach zeigt, dass DIE LINKE sich nun der SPD annähert. Das war absehbar, denn DIE LINKE ist schon längst eine Systempartei geworden.

Die Linke KH Anpassung Artikel

„Öffentlicher Anzeiger“(„Rhein-Zeitung“) 04.09.2020

Zur besseren Lesbarkeit, der Artikel nochmal nachfolgend im Wortlaut.

Freitag, 04. September 2020, Oeffentlicher Anzeiger Bad Kreuznach, Seite 21

Fusion SPD und Linke im Bund? Langsam tasten sie sich ran …

Kreis Bad Kreuznach. Oskar war gestern, Wahlprognosen sind heute. Und die sehen die SPD bei um 16 und die Linke bei um 8 Prozent. Zum Vergleich: Die CDU liegt bei etwa 38 Prozent, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre.

Schon werden Schnittmengen gesucht und Kooperationen auch auf Bundesebene ausgelotet, ist gar von einer Fusion der beiden Parteien die Rede. Wir fragen die Kreisvorsitzenden Denis Alt (SPD mit circa 1800 Mitgliedern) und Bianca Steimle (Die Linke mit circa 50 Mitgliedern) zur Fusionsidee.

Denis Alt ist Koalitionen und Kooperationen nicht abgeneigt: „Eine wichtige Lehre aus dem ,unübersichtlicher‘ gewordenen politischen Spektrum besteht darin, nicht durch ,Ausschließeritis‘ die Bildung einer handlungsfähigen Regierungsmehrheit zu erschweren.“ Eine Ausnahme sei für ihn nur die AfD, die er in weiten Teilen nicht dem demokratischen Spektrum zuordnen könne. Hier seien Gespräche für die SPD „völlig ausgeschlossen“. Demokratische Parteien müssten koalitionsfähig sein, „sonst kann parlamentarische Demokratie nicht funktionieren“, schreibt Alt. Darüber hinaus sollte die SPD daran arbeiten, selbst eine Stärke zu erreichen, damit ohne sie keine Regierungsbildung möglich ist. „In Rheinland-Pfalz machen wir mit der Ampel-Koalition sehr gute Erfahrungen“, findet der Wissenschaftssekretär, „trotz oder gerade, weil die drei Parteien unterschiedliche Schwerpunkte und Kompetenzen mitbringen.“ Hier werde sehr vertrauensvoll zusammengearbeitet – die Grundlage für eine erfolgreiche Kooperation, mit der man die Menschen überzeugen und Vertrauen gewinnen könne.

Bianca Steimle sieht eine Fusion noch in weiter Ferne, hat nicht erste Priorität: „Ich denke, das Ziel der Linken und SPD auf Bundesebene ist, den Wählerinnen und Wählern zu zeigen, dass der Weg für ein linksgerichtetes Bündnis offen steht und nicht mehr kategorisch ausgeschlossen wird.“ Diese gesprächsbereite Haltung stehe grundsätzlich erst einmal für Mut, Verantwortungsbewusstsein und Aufbruchstimmung, so Steimle.

„Für mich ist klar, dass es weniger um eine fusionäre Vorstellung, sondern vielmehr darum geht, das Profil der beiden Parteien jeweils parallel zueinander zu stärken.“ Im Kern sehe sie ein potenzielles Regierungsbündnis deutlich links der CDU, das sich die Wählerschaft wünsche: „Mit sozial gerechter und ökologisch ausgerichteter politischer Leitlinie.“ In ihrem Umfeld, das gewerkschaftlich, sozial und ökologisch, aber auch bürgerlich geprägt sei, höre sie viele Stimmen, die für ein Rot-Rot-Grünes-Bündnis offen sind. Sie räume dieser Konstellation reelle Chancen bei der Bundestagswahl (September 2021) ein, was sich auch Bundes-SPD und -Linke so ausrechneten. Was fehle, sei das öffentliche Bekenntnis der Grünen in Richtung „Aller guten Dinge sind drei“. Für sie sei trotz oder gerade aufgrund der Fusionsdebatte klar, so Steimle: Die Linke fokussiere sich in den nächsten Monaten auf die Wahlkämpfe in Land und Bund. Mit sozial-ökologischen und friedenspolitischen Profil ziele man auf ein doppelt gutes Stimmergebnis ab: „Einzug in den Landtag und zweistellig auf Bundesebene.“ mz

Auferstehung der FDJ?

Anmerkungen von Petra Reichel zu einem Artikel aus DER SPIEGEL Nr. 29/11.07.2020

 

DER SPIEGEL kann nicht ignorieren, dass die FDJ wieder marschiert. DER SPIEGEL, der sonst als der große Aufklärer auftritt und Empörung schürt, wenn es um Übel des Kapitalismus geht, erfüllt hier seine Funktion als antikommunistisches Propagandaorgan.  Der Artikel über die heutige FDJ ist im abwertenden Stil abgefasst.

Foto DER SPIEGEL Nr. 29:11.07.2020

Bildquelle: DER SPIEGEL Nr. 29/11.07.2020

 

Dass die FDJ in den heutigen Neu-Bundesländern auf Ablehnung stößt, kommt Steffen Winter, des Autoren des SPIEGEL-Artikels gerade recht.

Dass der FDJ-Demonstrationszug von Gegendemonstranten blockiert wird, nimmt der Autor des SPIEGEL-Artikels für selbstverständlich. Die heutige Polizei räumt natürlich nicht für die FDJ den Weg frei. Wäre es um eine rechte Gruppierung gegangen, wäre dieser natürlich der Weg freigeräumt worden. Der FDJ ist nichts anderes übriggeblieben, als einen Umweg zu nehmen.

Dass die FDJ von der LINKEN nicht gern gesehen, bzw. nicht ernst genommen wird, ist nicht verwunderlich. Die heutige LINKE ist ja in diesem System angekommen.

DER SPIEGEL, bzw. der Autor des Artikels Steffen Winter ist verwundert darüber, dass einige FDJ-Mitglieder aus den Alt-Bundesländern kommen und der nostalgische LKW, den die Gruppe mitführt, das Kennzeichen von Diepholz, einer Stadt aus dem Alt-Bundesland Niedersachsen trägt. Ach so, hier ist die deutsche Einheit wohl nicht gefragt. Natürlich wird der alte LKW abwertend und nicht als nostalgisch gesehen.

Nun ja, wenn auch nach dem Sieg des Kapitalismus keinesfalls eine revolutionäre Situation in Sicht ist, so sieht es DER SPIEGEL, bzw. dessen Autor und im weitesten Sinne der heutige deutsche Staat, doch eine Gefahr in der verbliebenen FDJ. Sonst würde man doch nicht solch einen Artikel veröffentlichen. Da DER SPIEGEL nicht zur Asphaltpresse zählt, wo man ja sowas erwartet, sondern aufklärerisch tut und doch gleiche Methoden der antikommunistischen Propaganda anwendet, macht es schwieriger die böse Absicht zu durchschauen.

 

Der SPIEGEL-Artikel steht als PDF-Datei im nachfolgenden Link zur Verfügung.

SPIEGEL-Nr. 29:11.07.2020 zur heutigen FDJ

 

Siehe Beitrag zur FDJ in DIE TROMMLER-ARCHIV

 

Wirbt W.I. Lenin wirklich für die MLPD?

Die MLPD dümpelt schon seit ewigen Zeiten vor sich hin. Trotz großer Gönner ist sie auf noch keinen „grünen Zweig“ gekommen.

maoistdazibao

Die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) hat einen beachtlichen PR-Erfolg in der bürgerlichen Presse eingefahren, mit der Aufstellung der ersten Lenin-Statue in Westdeutschland vor ihrer Parteizentrale in Gelsenkirchen-Horst. Wie diese „Marxisten-Leninisten“ W.I. Lenin und die anderen Klassiker des Marxismus-Leninismus „ehren“, wird klar, wenn man sich anhört, was „Stefan Engel, Leiter des theoretischen Organs der MLPD“ und langjähriger MLPD-Parteimonarch am vorhergehenden Samstag zur Aufstellung der Lenin-Statue absondert: „Wenn wir uns heute zum Marxismus-Leninismus bekennen, so wissen wir natürlich, dass die Texte, Bücher, Aufsätze und Schriften von Marx und Lenin schon über 100 Jahre alt sind, und in Zeiten geschrieben wurden, die mit den heutigen gesellschaftlichen Verhältnissen nicht mehr vergleichbar sind.“ (Rote Fahne der MLPD 14/2020, S. 26). Also heute laut MLPD heute keine marxistische Kapitalismusanalyse und keine leninistische Imperialismustheorie mehr. Veraltet, da alles seit über 100 Jahren alt ist; aber nun einmal wissenschaftlich – dialektisch-materialistisch – erforscht und bewiesen…

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