Hungersnot in der Ukraine 1932/1933

Facebook-Beitrag von Alexander Breuß aus dem Jahre 2015

 

Vor einem Monat, am 19. Oktober, stellte die Ukraine an die UNO den Antrag, die Hungersnot, die vor 75 Jahren (1932/1933) in der damaligen Teilrepublik der Sowjetunion herrschte, nachträglich als „Völkermord Stalins“ zu deklarieren. Bereits am 29. 11. 2006 hatte das ukrainische Parlament ein Gesetz über die Hungersnot erlassen. § 1 lautet: „Der Golodomor (Hungerterror – Anm. der Red.) ist ein Genozid am ukrainischen Volk.“ Und § 2: „Die öffentliche Leugnung des Golodomor ist illegal.“ In der Ukraine erinnern sich noch viele an den Hungerwinter, meist aus den Erzählungen ihrer Eltern und Großeltern. Eines der am meisten betroffenen Gebiete war das von Charkow. Hier findet wie fast überall im Land eine Ausstellung zur Hungersnot statt. Doch weigert sich der Stadtrat, von „Genozid“ zu sprechen. „Im Gegenteil“, schreiben die Abgeordneten, „der Staat hat den Hungernden geholfen.“ Was steckt hinter dem Eifer des ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko, mit dem er die Deklarierung der Hungersnot als „Genozid“ betreibt, und warum kam es in der damals sozialistischen Sowjetunion zu einer Hungersnot?

Die Sowjetunion begann Ende der 1920er Jahre mit dem ersten Fünfjahrplan einen industriellen Aufbau ohnegleichen. Im ganzen Land entstanden Kraftwerke, Berg- und Stahlwerke, Textil- und Maschinenfabriken. Allein von 1928 bis 1933 verdoppelte sich die Zahl der Arbeiter und Angestellten in der Großindustrie. Ungeheuer schnell wuchs die Bevölkerung der Städte. Es gab keine Arbeitslosen mehr. Die Landwirtschaft aber war nach 1918 großteils zu einer Parzellenwirtschaft zurückgefallen, mit der die Familien sich selbst kaum ernähren konnten. Millionen Kleinstbauern waren gezwungen, bei den Kulaken (Großbauern) wie Fronbauern zu Hungerlöhnen zu arbeiten. Die Getreideproduktion erreichte 1926 nur 91 Prozent des Vorkriegsniveaus. Durch den prozentual hohen Eigenverbrauch der Kleinstbauern standen für die Versorgung der Städte sogar nur 37 Prozent des Getreides der Vorkriegszeit (vor 1914) zur Verfügung.                                                                                                                                   Mit der Kleinwirtschaft kann man aus der Not nicht herauskommen“, hatte Lenin bereits 1918 erklärt („Geschichte der KPdSU (B)“, S, 348). „Der Ausweg liegt darin, die bäuerlichen Klein- und Zwergwirtschaften allmählich, aber unentwegt, nicht durch Zwang, sondern durch Beispiel und Überzeugung zu Großwirtschaften zusammenzuschließen auf der Grundlage der gesellschaftlichen, gemeinschaftlichen, kollektiven Bodenbestellung, unter Anwendung landwirtschaftlicher Maschinen und Traktoren, unter Anwendung wissenschaftlicher Methoden zur Intensivierung der Landwirtschaft. Einen anderen Ausweg gibt es nicht.“ (Stalin, Rede auf dem XV. Parteitag der KPdSU (B), (1927) ebenda, S. 349) Die Kollektivierung der Landwirtschaft, d. h. der Übergang zu einer kollektiven Großwirtschaft (Kolchosen) auf dem Land war das entscheidende Mittel, um die Bevölkerung versorgen zu können. Deswegen fasste der XV. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki) [KPdSU (B)] den Beschluss zur Kollektivierung der Landwirtschaft.

Große Erfolge der Kollektivierung

Im Januar 1933, vier Jahre nach dem Beschluss zur Kollektivierung, gab es 200.000 Kollektivwirtschaften und 5.000 Sowjetwirtschaften für Getreideanbau und Viehzucht in der Sowjetunion. Die Kollektivwirtschaften umfassten 70 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche. Statt 500 bis 600 Millionen Pud Warengetreide (Getreide über den Eigenverbrauch hinaus) standen jetzt 1.200 bis 1.400 Millionen Pud zur Verfügung. Der Widerstand der Kulaken und ihre wirtschaftliche Grundlage, die Ausbeutung der Kleinstbauern, waren zerschlagen. Denn die Kleinstbauern hatten jetzt eine Alternative. Viele Kulaken waren selbst in die Kolchosen hineingegangen. 21 Millionen Hektar zusätzliche Anbaufläche wurden bestellt. Die UdSSR war zum Land der größten Landwirtschaftsbetriebe der Welt geworden.

Ursachen der Hungersnot 1932/33:

Verschiedene Faktoren kamen zusammen:

In der Ukraine waren im Sommer 1932 die Witterungsumstände besonders ungünstig. Aber das war nicht die Hauptursache. Diese lag in der Unterschätzung des Widerstands der Kulaken und der notwendigen Erziehungsarbeit unter den Klein- und Mittelbauern. Statt den freiwilligen Zusammenschluss zu fördern, hatten Kader der Partei Zwang angewendet. Das war Wasser auf die Mühlen der Kulaken, die gegen die Kollektivierung hetzten. Ende der 1920er Jahre gab es in der Westukraine Aufstände gegen die Kollektivierung.                                                                                                                               Stalin antwortete mit seiner berühmten Rede: „Vor Erfolgen von Schwindel befallen“, in der er Zwangsmaßnahmen und Überstülpen der Kollektivierung scharf verurteilte: „Man kann nicht mit Gewalt Kolchosen schaffen. Das wäre dumm und reaktionär. Die Kolchosen-Bewegung muss sich auf die aktive Unterstützung der Hauptmassen der Bauernschaft stützen.“ (Stalin, Werke, Bd. 12, S. 170)                                                               Die Kollektivierung hatte große Anziehungskraft auf die Bauern, da sie das einzige war, was einen Ausweg aus dem Ruin bot. Kulaken und auch Popen hetzten die Bauern auf, ihr Vieh zu töten, bevor sie in die Kolchose gingen, da es ihnen sowieso weggenommen würde. Das stimmte nicht. Aber viel Vieh ging verloren und fehlte sowohl als Nahrungsmittel als auch als Zugvieh für die Arbeit. Kulaken und Popen riefen auf, nur das zu ernten, was persönlich und für die Saat gebraucht wurde. Das Korn blieb ungeerntet. Schließlich gingen viele Kulaken selbst in die Kolchosen, übernahmen leitende Posten und widersetzten sich der Getreideabgabe, die der Ernährung der Stadtbevölkerung diente. Der Staat griff zu Zwangseinsammlungen. Bei dieser Sachlage von einem geplanten Genozid gegen das ukrainische Volk zu reden, ist eine vollkommene Verdrehung der Tatsachen. Diese Geschichtsfälschung ist selbst ein Verbrechen. Soll sie doch nicht nur den Kommunismus kriminalisieren, sondern auch den Weg der Befreiung für Millionen Bauern aus Kleinstwirtschaft, Mangelproduktion und Unterernährung diskriminieren.

 

Hilfe für die Bauern durch den sowjetischen Staat

„Unsere nächste Aufgabe – alle Kollektivbauern wohlhabend machen“, darüber sprach Stalin 1933 auf dem ersten Unionskongress der Stoßarbeiter der Kolchosen. Als eine Ursache der zu geringen Getreideproduktion hatte die KPdSU die fehlende Ausbildung der Bauern herausgestellt. Kleinstbauern sollten Kolchosen, die ganze Dörfer umfassten, führen, den Maschinenpark in Ordnung halten und nicht zuletzt lernen, das Kollektiv und die ganze Gesellschaft an die erste Stelle zu setzen, sich dem kleinbäuerlichen Eigennutzdenken entgegenzustellen. Das erforderte vor allem Ausbildung. Die Partei entsandte 17.000 Parteiarbeiter 1933 zu diesem Zweck in die Kolchosen der Sowjetunion. Das brachte eine qualitative Steigerung der Produktivität der Kollektivwirtschaften und stärkte das Bündnis von Arbeitern und Bauern.

 

Der Kampf gegen die Sabotage der Kulaken

Von Anfang an hatte die KPdSU mit der Kollektivierung nicht zuletzt auch das Ziel verfolgt, mit der Ausbeutung der Landarbeiter und Kleinbauern durch die Kulaken Schluss zu machen. Dafür stand der Begriff „Liquidierung der Kulaken als Klasse“. Die Kulaken waren zahlenmäßig die größte Gruppe der Ausbeuter in Russland. Tagelöhner und verarmte Bauern mussten sich massenhaft oft zu schlimmen Bedingungen bei ihnen verdingen.                                                                                                                                             In ihrer überwiegenden Mehrheit standen diese reaktionären Großbauern dem Aufbau des Sozialismus feindlich gegenüber. Wo immer sie sich eine Chance ausrechneten, gingen sie von einem organisierten hinhaltenden Widerstand der massenhaften Sabotage der Ernte und Lebensmittelversorgung zum offenen Widerstand mit Aufhetzungen und Aufständen über. Die Verhungerten und Ermordeten, die auf ihr Konto gingen, werden heute zu den Opfern des „Stalinismus“ gezählt.                                  Das spitzte sich vor allem im Vorfeld des II. Weltkriegs mit der zu erwartenden militärischen Aggression des Hitlerfaschismus und seiner Verbündeten gegen die Sowjetunion zu. Die Kulaken verbündeten sich mit kriminellen Elementen. Das kapitalistische Ausland sah in ihnen Verbündete, die im Landesinneren ihr Zersetzungswerk verrichten sollten. Für die sozialistische UdSSR, ein Land mit damals noch überwiegender Bauernbevölkerung, war das ein Kampf auf Leben und Tod.             Im Interesse der Verteidigung des Sozialismus musste mit Recht hart durchgegriffen werden und es wurde auch, vor allem Ende der 1920er Jahre, sehr hart durchgegriffen. Trotzdem muss auch kritisiert werden, dass bürokratisches Vorgehen bei der Säuberung der Sowjetunion von einer fünften Kolonne – den Teilen der Bevölkerung, von denen man befürchtete, sie würden bei einem kriegerischen Überfall mit den Faschisten kollaborieren – zu übertriebenen Massenverhaftungen und zum Anschwellen der Zahl der Häftlinge führte. Die Festnahmen erfolgten vielfach nach Listen, nach pauschalen Kriterien der sozialen Herkunft aus Ausbeuterklassen oder früherer Parteizugehörigkeit erstellt. Auch aus diesen Fehlern muss die internationale marxistisch-leninistische und Arbeiterbewegung lernen.

10 Millionen Tote?

Die Ukraine weist in ihrem Antrag an die UNO auf „7 bis 10 Millionen Tote“ hin, die die Hungersnot 1932/33 „als Folge des totalitären Regimes“ gefordert habe. Auffällig ist, dass in einschlägigen Geschichtsbüchern aus früherer Zeit solche Zahlen fehlen. So in der „Geschichte Russlands“ von Günther Stökl, Stuttgart 1962, obwohl sie durchgehend antikommunistisch ausgerichtet ist. Oder im dtv-Lexikon von 1975.                                      Der Bezirk Charkow war der am meisten von der Hungersnot betroffene Bezirk. In ihm gab es, so Wikipedia, 45.000 Hungertote. Das ist eine ungeheure Zahl, die für furchtbares Leiden, das Ende für ganze Familien und Höfe steht. Aber wenn man diese Zahl hochrechnet, kommt man auf maximal zirka 500.000 Tote in der Ukraine. 1926 lebten in der Ukraine 23,2 Millionen Ukrainer. 1937 waren es 22,2 Millionen. Wenn die Horrorzahl von 7 bis 10 Millionen Hungertoten 1932/33 stimmen würde, hätte das einen Bevölkerungszuwachs von 70 Prozent in nur 10 Jahren erfordert! Dabei gingen gleichzeitig tausende Männer, Frauen, Jugendliche, die in der Landwirtschaft nicht mehr gebraucht wurden, zum Aufbau in andere Regionen der Sowjetunion. Die 7 bis 10 Millionen Toten sind eine Phantasiezahl!

Ursprung der „Genozid“-Behauptung – im Kongress der USA

1993 berief der Kongress der USA eine „Kommission zur Untersuchung des Golodomor 1932/33“ ein. Noch im selben Jahr kam die Kommission, ohne irgendwelches Archivmaterial eingesehen zu haben, zu dem Schluss vom „Völkermord Stalins gegen das ukrainische Volk“. Mit der Wirklichkeit hat diese Behauptung nichts zu tun. Aber sie ist ein Bestandteil der antikommunistischen Kampagne zur Kriminalisierung des Kommunismus.                                                                                                                                 Der vor einem Jahr gestorbene Professor Alexander Sinowjew, selbst Sohn von Kleinbauern in Russland, entlarvte 1991 in einem Gespräch mit der „Roten Fahne“ die Motive für solche Lügen: „Der Staat hat genug Brot bekommen. Ohne Kolchosen wäre das unmöglich … Warum hassen so viele Menschen Stalin und Sowjetunion überhaupt? Weil die Entwicklung dieses Landes ungeheuer schnell, unvergleichbar schnell war. Alle kapitalistischen Länder hatten Angst. Sie waren überzeugt, dass dieses System überall erkämpft werden könnte.“

 

Alexander Breuß

Facebook, 27.04.2015

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GRH zum Prozess von Petra Reichel

Als einzigste Organisation hat sich die GRH mit dem Prozess von Petra Reichel befasst und in ihren Informationen veröffentlicht.

GRH-Info-Grenzertreffen-Seite-1

 

Aus der Rede von Hans Bauer:

 

aus der Rede von Hans Bauer Prozess in KH

 



 

GRH Info..Seite 2

 

GRH Info ..Seite 3GRH Info ..Seite 4GRH Info..Seite 5GRH Info ..Seite 6

 

Nochmal als PDF-Datei:

GRH und Prozess in KH wg. Äußerungen zur DDR-Staatsgrenze

 

Gelbwesten machen weiter

Die Gelbwesten haben sich nicht entmutigen lassen. Sie machen weiter. Es heißt, dass am Samstag, den 15.12.2018 weniger protestiert hätten. Andererseits hat man in den „sozialen Netzwerken“ gelesen, dass die Polizei die Zufahrten nach Paris blockiert hätte. Logischerweise ergibt das weniger Demonstrierende.

Es ist gut, dass der schreckliche Terroranschlag in Straßburg die Gelbwesten nicht stoppen konnte.

Gelbwesten lassen sich nicht entmutigen
Bildquelle: Absatzplus https://www.absatzplus.com/warnweste-fuer-erwachsene-irma-53934-53934.html

Weiterhin viel Erfolg, Gelbwesten.

Siehe auch Beitrag „Gelbwesten in Frankreich“

Gelbwesten in Frankreich

Bildquelle: Absatzplus https://www.absatzplus.com/warnweste-fuer-erwachsene-irma-53934-53934.html

Die Franzosen lassen sich nicht alles gefallen. Sie protestieren gegen Neoliberalismus, bzw. Sozialabbau. Ihr Erkennungszeichen ist eine gelbe Warnweste, wie man sie überall  kaufen kann. Darum nennt man die Leute, die in Frankreich demonstrieren „Gelbwesten“.

Das ist ein echtes Aufstehen, während das „Aufstehen“ in Deutschland ein künstliches Gebilde ist, wo sich einige profilieren wollen, aber für die Bevölkerung  nichts bringt.

Die Deutschen tun sich ohnehin schwer mit echtem Protest.  Wie heißt es  schön? Wenn die Deutschen einen Bahnhof erstürmen wollen, kaufen sie erst mal eine Bahnsteigkarte.

Einen kleinen Erfolg haben die Gelbwesten in Frankreich schon erreicht.  Doch das sind einige Krumen, die man ihnen hinwirft. Da müssen die Gelbwesten aufpassen, dass sie sich nicht einlullen lassen und zu früh aufgeben.

Allerdings fehlt in Frankreich eine revolutionäre Partei oder Organisation an der Spitze der Protestbewegung der Gelbwesten. Die einstmals große französische kommunistische Partei liegt danieder.

Nun kommt hat es den furchtbaren Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt  in Straßburg gegeben.  Aus einem gewöhnlichen Kriminellen ist nun ein religiös Verblendeter geworden.  Der Anschlag hätte verhindert werden können, wenn man den Täter bereits im Vorfeld geschnappt hätte. Dieser war polizeibekannt und die Verhaftung stand an. Sie konnte aber nicht stattfinden, da der Täter nicht zu Hause war. Eigenartige Logik und schwache Leistung der Strafverfolgungsbehörden

Mit dem Terroranschlag hat sich nun das Thema Gelbwesten erledigt.  Sie verschwinden aus den Medien, wo ohnehin nur kurz und tendenziös über sie berichtet wurde. Dann kommen wieder Sprüche, dass das ganze Land zusammenstehen muss, um die Demokratie gegen Terroristen zu verteidigen usw. Wie praktisch für den Neoliberalismus.

Siehe auch Beitrag „Gelbwesten machen weiter“

Diagnose: Psychisch krank Einzige Therapie: Wegsperren

Gastbeitrag von Marcel Schmidt

Das, meine lieben Leser und Leserinnen, Genossinnen und Genossen ist nicht meine persönliche Meinung, sondern die Feststellung, zu der immer wieder DDR-Gegner kommen. Ausgeschmückt wird das meist auch durch eigene Erfahrungen oder was man halt mal von nen Cousin vierten Grades gehört hat.

Heute gibt es ja Möglichkeiten durch spezielle Berufsbildungswerke, die im ganzen Land zu finden sind wie Sand am Meer. Da wird den Leuten auch psychologisch mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Da, wo man in der DDR angeblich in die „Klapper“ gesperrt wurde.

Tja, was soll man dazu sagen?

Vielleicht komme ich zu der Diagnose: Blödheit im Endstadium, Ursache: Fehlinformation durch Medien, DDR-Gegner und sonstige Parasiten mit gefährlicher kapitalistischer Nachwirkung

Denn klar sind folgende Dinge:

Ja, es gab, wie in jedem Land der Welt, freilich auch in der DDR psysisch kranke und Labile Menschen, ohne Frage. Die einen mehr, die anderen weniger. Deswegen gab es auch solche Einrichtungen wo die einen länger und die anderen weniger länger behandelt wurden. Aber gemessen an der Zahl heute waren es in der DDR doch erstaunlich wenig. Dafür gibt es Gründe, die ich erläutere:

Die Ursachen für psychische Krankheiten heute sind in erster Linie Druck im Beruf, Druck vom Amt, Existenzängste, Hilflosigkeit. Das alles gab es in der DDR in den Dimensionen nicht. Da lasse ich auch nicht mit mir streiten.

Natürlich kann auch der Verlust eines geliebten Menschen oder persönliche Erlebnisse wie Missbrauch dazu führen, dass man seelisch von einem Tag auf den anderen aus der Bahn gerät. Mit Kussmund werden die Leute aber auch heute fallen gelassen, wie eine heiße Kartoffel. In der DDR hat man sich um solche Leute gekümmert. Außerdem war da der Zusammenhalt stärker und nicht das Gegeneinander, was einen ja auch zusetzen kann.

Dazu kommt noch, dass heute Diagnosen als Krankheit gestellt werden, was in der DDR nicht der Rede wert war. So wird aus einem „lebhaften“ Kind ein „krankhaft hyperaktives“. Grüße von der Pharmaindustrie.

Freilich wurde sich medizinisch um die schweren Fälle gekümmert. Ich bin kein schwerer Fall, war aber auch zu DDR-Zeiten in der Kinderpsychologischen Klinik in Jena. War aber eine offene Einrichtung. Und in der Nähe meiner Schule war eine geschützte Werkstatt. Da waren Behinderte auf Arbeit. Und fand ich auch gut so.

Die heutigen Ausbildungseinrichtungen wie der IB oder das Berufsbildungswerk (BBW) sorgen vielleicht dafür, dass Du leichter Deine Lehre machen kannst, aber ne gute Arbeitsstelle danach aufm ersten Arbeitsmarkt finden nur die wenigsten.

Da ist es doch besser gewesen, dass solche Leute in der DDR normal gelernt haben, begleitend im Bedarfsfall zu nem Psychologen gegangen sind und danach eine ordentliche Arbeit gefunden haben. Auch sowas trug zweifellos dazu bei, dass es in der DDR weniger psychisch kranke gab als in der alten und neuen BRD.

In diesem Sinne in bester Gesundheit!

Das Wohnungsbauprogramm der DDR

Gastbeitrag von Ingo Imm

 

Modernisierung Wohnungen DDR

Bild entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1986

 

Das Wohnungsbauprogramm der DDR wurde vom Zentralkomitee der SED auf seiner 10. Tagung am 2. Oktober 1973 beschlossen. Das Wohnungsbauprogramm sollte die Wohnungsnot bis 1990 lösen. Daher beschloss der VIII. Parteitag 1971 ein umfangreiches sozialpolitisches Programm, das von der Regierung der DDR programmatisch übernommen wurde. Zu dessen Kernstück wurde ab 1972 ein sogenanntes Wohnungsbauprogramm. Im bisherigen Aufbauwerk nach dem Krieg wurden große Leistungen erbracht, aber es wurde auch deutlich, dass das bisherige Tempo nicht ausreichte, der Gesamtbevölkerung ein Zeitziel zu bieten, an dem für alle bessere Wohnverhältnisse geschaffen sein würden. Das neue Wohnungsbauprogramm sollte durch industrielle Technologien (z. B. die Plattenbauweise) die materiellen Voraussetzungen für eine entscheidend höhere Bauleistung schaffen und mit dem komplexen Wohnungsbau auch die ganze umgebende, soziale Infrastruktur (Schulen, Kindergärten, Sportstätten, Polikliniken, Einkaufsmöglichkeiten, Gaststätten, Kinos u. ä.) erfassen. (siehe auch Beitrag im Schwesterblog „Die Trommler-Archiv“)

Die Wohnverhältnisse von weit mehr als der Hälfte der DDR-Bürger sollten verbessert werden. Es war vorgesehen, bis zu 3 Millionen Wohnungen neu zu bauen oder zu modernisieren und dafür mehr als 200 Milliarden Mark der DDR des Nationaleinkommens aufzuwenden.

Dresden Straße der Befreiung

Bild entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1986

 

Nach: „Jedem eine Wohnung“ galt nun die Parole: „Jedem seine Wohnung“. Das Wohnungsbauprogramm wurde ernsthaft verfolgt und zeigte tatsächlich schnelle und anhaltende Erfolge. Im Jahr 1971 wurden 86.700 WE ( Wohnungseinheiten) erbaut. Am 6. Juli 1978 wurde die millionste Wohnung seit dem VIII. Parteitag 1971 den Mietern, Familie Großkopf, in Berlin-Marzahn, übergeben. Im Jahr 1979 wurden weitere 162.000 neue oder modernisierte Wohnungen geschaffen. Bis 1980 wurden 700.000 bis 800.000 Wohnungen errichtet oder modernisiert und bis 1990 insgesamt 3 Millionen Plattenbauwohnungen errichtet. Die dreimillionste Wohnung, die im Rahmen des Wohnungsbauprogramms seit 1970 gebaut wurde, wurde von Erich Honecker am 12. Oktober 1988 feierlich übergeben. Es entstanden in fast allen größeren Städten Neubausiedlungen, aber auch Neubaublöcke in vielen Dörfern, was dem ländlichen Charakter meist nicht entsprach. Der größte zusammenhängende Stadtneubau war Halle-Neustadt mit seinen mehr als 93.000 Einwohnern (Stand 1981) und eigenem Oberbürgermeister.

 

 

Bericht über westliche Reaktionen nach Errichtung des antifaschistischen Schutzwalls 1961

Dieses Dokument zeigt die Reaktionen aus dem Westen nach der Errichtung des antifaschistischen Schutzwalls im Jahre 1961.

 

Besser lesbar als PDF-Datei:

Bericht über westliche Reaktionen nach Errichtung des antifaschistischen Schutzwalls

 

Dokument entnommen aus der Mediathek der BStULogo FB-Seite BStU

Zusammenfassung des Inhalts

Interessant und traurig ist die Rolle des DGB der BRD.  Seine Aufgabe ist die Klasseninteressen der Arbeiterklasse zu vertreten. Stattdessen hat er darauf hingewirkt, dass die Arbeiterklasse ihre Klasseninteressen verrät, mit den Kapitalisten paktiert und Delegationen nach Westberlin schickt. Einerseits sollte eine  „Unterstützung der Westberliner Arbeiter“ präsentiert werden und andererseits versprach man sich nach der Rückkehr dieser Delegationen aus Westberlin auch eine Beeinflussung der Arbeiterklasse. Klassenbewusstsein sollte aus den Köpfen verschwinden. Das ist hervorragend gelungen. Heutzutage spielt die Arbeiterklasse politisch keine Rolle mehr.

Allerdings ist zu erwähnen, dass Teile der DGBGewerkschaften sehr wohl die Klasseninteressen der Arbeiterinnen und Arbeiter vertreten und  örtliche Funktionäre, seinen es hauptamtliche oder ehrenamtliche, rennen sich „den Herzbendel ab“, um den Menschen zu helfen. Diese Leute haben nichts mit obengenannten zu tun. Im Zweifelsfall wollen aber auch sie nichts  von der DDR wissen. Das gilt auch für die heutige Zeit, wo die DDR seit Jahrzehnten nicht mehr existiert.


 

Aus SPD-Kreisen wurde bekannt, dass es Pläne gab, unmittelbar an der Grenze auf Westberliner Seite Freilichtveranstaltungen durchzuführen. Insbesondere sollten Filme gezeigt werden, von denen man sich eine Beeinflussung der Bevölkerung der Hauptstadt der DDR(damals noch als demokratisches Berlin bezeichnet) und der Grenzposten versprach, z. B. sogenannte Reißer(damalige Bezeichnung, heute sagt man Thriller oder Block Buster) zur Ablenkung der Grenzposten.

Dann ist eine Flugblattaktion einer  Agentenorganisation der USA vermerkt worden. Die Presseagentur UPI aus den USA hatte die redaktionelle Spitze ihres Büros in Westberlin verdreifacht und u.a. zwei USA-Spitzenredakteure aus New York nach Westberlin geholt. Von den Angehörigen des Büros wurde dieser Schritt damit begründet, dann man jederzeit mit einem bewaffneten Zwischenfall rechne.

Der Westberliner Zoll notierte die Autonummern aller von Westberlin in das demokratische Berlin(Berlin/DDR) fahrenden Kraftfahrzeuge, ohne bei ihrer Rückkehr diese Notizen zu löschen.

Seit dem 29.08.1961 wurde besonders an den Übergängen Invalidenstraße, Sonnenallee und Chausseestraße von den westlichen Kontrollorganen verstärkt dazu übergegangen, alle Westberliner Bürger(und Bürgerinnen), besonders aber Ärzte und Spezialisten, die mit dem PKW ins demokratische Berlin(Berlin/DDR) fahren wollten, zu warnen und zurückzuhalten. U.a. wurde erklärt, dass sie aus dem demokratischen Berlin(Berlin/DDR) nicht wieder zurückgelassen würden. So wurden(Krankenhaus Weißensee), der (Name geschwärzt) im Städt. Krankenhaus Berlin-Kaulsdorf, (wieder eine Schwärzung), Facharzt(wieder eine Schwärzung) in Berlin-Lichtenberg u.a. zurückgewiesen. Z.B. waren auch im Krankenhaus Friedrichshain eine Anzahl Ärzte, darunter(geschwärzt), nicht zum Dienst erschienen.

In der gleichen Absicht erhielten im demokratischen Berlin(Berlin/DDR)beschäftigte Westberliner Ärzte in der Nacht vom 28. zum 29. 8.1961 Anrufe mit der Aufforderung, das demokratische Berlin(Berlin/DDR)nicht mehr zu betreten, weil sie von DDR-Seite aus nicht wieder zurückgelassen würden, u.a. weil im demokratischen Berlin(Berlin/DDR) im Gesundheitswesen der Notstand ausgerufen worden wäre.

Die Versuche in provokatorischer Form die Angehörigen der Sicherheitsorgane zu beeinflussen und Grenzsicherungsanlagen zu zerstören, hielten auch weiterhin an, aber ohne zuzunehmen.

Dann werden im Dokument Provokationen an der Grenze beschrieben.

Des Weiteren wird das Befahren des demokratischen Berlin(Berlin/DDR) und auch des Gebietes der DDR durch Militärfahrzeuge der Westalliierten vermerkt.

Dann werden Provokationen durch Militärangehörige der Westalliierten beschrieben.

Das SPD-Ostbüro hatte eine Hetz-Flugblattaktion gestartet. Es handelte sich um die Hetzschrift „Macht das Tor Auf“ und um den „Sozialdemokrat“. Exemplare dieser Hetzschriften wurden in den Bezirken Dresden, Halle, Karl-Marx-Stadt und Leipzig sichergestellt.

Es erfolgt dann eine Einschätzung der taktischen Handlungen der westlichen Besatzungsmächte.

Gegnerische Provokationen und Vorkommnisse im demokratischen Berlin(Berlin/DDR)traten nur vereinzelt auf.

In Berlin wurden in 3 Fällen Wahlplakate von unbekannten Tätern beschädigt. Heute ist das normal, damals war das eine staatsfeindliche  Handlung gegen die DDR.

In 3 Fällen erhielten SEDMitglieder anonyme Telefonanrufe provokatorischen und hetzerischen Inhalts.

Eine in Berlin-Pankow wohnende ehemalige Medizinstudentin an der „FU“ Westberlin, wurde von einer unbekannten männlichen Person in ihrer Wohnung aufgesucht und zum Verlassen des demokratischen Berlins(Berlin/DDR)aufgefordert.

Im Grenzabschnitt Gleimstraße und Eberswalder Straße fiel nach 0:00 Uhr die Grenzbeleuchtung aus. (Ursache konnte zum damaligen Zeitpunkt noch nicht ermittelt werden.)

Dann werden einige Grenzdurchbrüche und Desertionen aufgeführt.

Über negative Beeinflussung bewaffneter Kräfte und Unzufriedenheit in ihren Reihen wird berichtet.

Zuletzt wird über eine Morddrohung gegen Walter Ulbricht berichtet. Der anonyme Drohbrief aus Marburg(BRD)ging am 28.08.1961 bei der SED-Kreisleitung Hildburghausen/Suhl ein. Dieser hatte folgenden Inhalt:

„Euer Sklavenhalter Ulbricht wird die Rede zum 12. Jahrestag der Republik am 7.10.61 nicht mehr halten. Haltet Euch nach dem Attentat an Willi Stoph.“

 

Zusammenfassung erstellt von Petra Reichel