Heute wäre Erich Mielke 110 Jahre alt geworden

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Erich Mielke(1976)

 

Heute wäre Erich Mielke 100 Jahre alt geworden. Die Personenbeschreibung befindet sich auf dem Schwesterblog DIE TROMMLER-ARCHIV.

 

 

 

100. Jahrestag der Oktoberrevolution: Wie geht eine bürgerliche Zeitung damit um?

Als ich meine Heimatzeitung,Titel Öffentlicher

die eine Regionalausgabe der Schriftzug Rhein-Zeitung ist, aus dem Briefkasten holte, war ich zunächst erfreut. Der 100. Jahrestag der Oktoberrevolution wird auch in einem bürgerlichen Blatt gewürdigt?

Oktoberrevolution RZ 1

Liest man sich den Text durch, merkt man schnell, dass von Würdigung keine Rede sein kann.

 

Hier findet man den ganzen Text. In der Zeitung auf Seite 2. Letztendlich bleibt das antikommunistische Gesülze übrig, wie wir es seit Jahr und Tag kennen. Insbesondere in den Alt-Bundesländern Deutschlands u.a. westlichen Ländern kennen wir ja das noch länger.

RZ Oktoberrevolution 2

Der besseren Lesbarkeit halber hier nochmal der Text aus obigem Artikel:

Warum Putin mit Lenin hadert

Oktoberrevolution Vor 100 Jahren erschüttern die Russen die Weltordnung – Millionen Opfer

Von Friedemann Kohler

St. Petersburg. Die Revolution siegt wieder im Winterpalast von St. Petersburg. Eine weiße Marmortreppe, über die einst die russischen Zaren schritten, wird überragt von einem riesigen Arbeiter. Drohend schwingt er den Hammer. Rote Banner überstrahlen die kostbaren französischen Wandteppiche in dem Palast, der heute das weltbekannte Museum Eremitage beherbergt. Vor 100 Jahren vollzog sich in diesen langen Korridoren Geschichte. Am 25. Oktober 1917 (7. November 1917 nach neuem Kalender) besetzten kommunistische Soldaten und Matrosen Brücken und andere wichtige Punkte im damaligen Petrograd. Eine Nacht später drangen sie in den Winterpalast ein. Dort saß seit der Februarrevolution acht Monate vorher schon nicht mehr Zar Nikolaus II., sondern nur noch eine schwache Übergangsregierung.

Radikale Linke übernahm die Macht in Russland

In einem Handstreich, verklärt zur „Großen Sozialistischen Oktoberrevolution“, übernahm der radikalste Flügel der russischen Linken die Macht: die Partei der Bolschewiki unter Wladimir Iljitsch Lenin (1870–1924). Eine welthistorische Zäsur: Der erste sozialistische Staat entstand. Aus Russland wurde 1922 die Sowjetunion. Der Beginn eines jahrzehntelangen Wettbewerbs der Systeme. Doch die Sowjetunion zerfiel 1991, und im heutigen Russland ist die Ausstellung „1917“ der Eremitage die wohl eindrücklichste Erinnerung an den Roten Oktober. Zum Jahrestag wurde der Palast zur Kulisse eines großen Lichtschau. Ansonsten tut sich das Land schwer mit 1917. Einerseits kostete die kommunistische Herrschaft Millionen Menschen das Leben, vor allem unter dem Diktator Josef Stalin (1878–1953). Andererseits trauern immer noch viele Russen bis hinauf zu Präsident Wladimir Putin der verlorenen Größe der Sowjetunion nach.

Die Stätten der Oktoberrevolution lassen sich in St. Petersburg zu Fuß erlaufen. Vor dem Smolny-Institut steht immer noch ein berühmtes Lenin-Denkmal. Gebieterisch weist der Revolutionsführer in die Ferne: In eine lichte Zukunft? Oder zum Winterpalast?

Im Smolny hatten der Petrograder Rat der Arbeiter und Soldaten und das militärrevolutionäre Komitee ihren Sitz. Von hier steuerte Lenin seine Machtübernahme. Im russischen Doppelrevolutionsjahr 1917 agierte er von allen Politikern am entschlossensten. Im Februar war der Zar gestürzt worden, doch die folgende provisorische Regierung war zerstritten. Vor allem beendete sie nicht den Krieg gegen das deutsche Kaiserreich. Lenin versprach den Arbeitern Brot, den Bauern Land und allen zusammen Frieden. Historiker sind sich einig, dass weniger der Umsturz von 1917, sondern die Festigung der Macht im blutigen Bürgerkrieg bis 1922 der eigentliche Erfolg der Bolschewiki war. An dem militärischen Sieg hatte Kriegskommissar Leo Trotzki (1879–1940) großen Anteil.

Als Motto für das Gedenkjahr 2017 hat der Kreml die nationale Einheit ausgegeben, die Versöhnung zwischen den einstigen Bürgerkriegsgegnern, zwischen Roten und Weißen. Für Wladimir Putin ist Lenin einer der großen Zerstörer in der russischen Geschichte. „Lenin hat eine Atombombe unter das Gebäude gelegt, das Russland heißt, und die ist dann explodiert“, sagte er 2016. Gemeint war die Aufteilung der Sowjetunion in Republiken wie die Ukraine oder Weißrussland, die beim Zerfall des Riesenreichs eigenständige Staaten wurden. „Hätte man sich nicht ohne Revolution, sondern auf evolutionärem Weg weiterentwickeln können?“, fragte er klagend.

Kremlchef Putin fürchtet sich vor einer Revolte

Putin tut sich leichter mit Stalin, dem Sieger im Zweiten Weltkrieg, der die sowjetische Macht erweiterte, meint der Historiker Ilja Kalinin. Zudem sei dem Kremlchef jede Art von Umsturz, von Revolution verdächtig, sagte der Professor der Universität St. Petersburg. „Schon die Idee einer Revolution wird als Nationalverrat gebrandmarkt.“ Der Langzeitpräsident fürchte, dass sich der Volkszorn irgendwann auch gegen seine Herrschaft richten könnte. Dabei sei die Botschaft der russischen Doppelrevolution, dass Menschen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen.

Zu den revolutionären Stätten in Russlands nördlicher Hauptstadt gehört unabänderlich auch die „Aurora“. Der alte Panzerkreuzer liegt als Museumsschiff am nördlichen Ufer des Flusses Newa. Zwei Matrosen aus der nahe gelegenen Kadettenakademie schieben an einem trüben Herbsttag Wache auf Deck. Ein Schuss aus der Bugkanone der „Aurora“ gab am Abend des 25. Oktober das Signal für die Besetzung des Winterpalasts.

Die Revolutionäre drangen in den Prunkbau ein. Im Kleinen Speisesaal nahmen sie die Minister der provisorischen Regierung fest. Ministerpräsident Alexander Kerenski war da schon geflohen. Die Uhr auf dem Kaminsims des Speisesaals soll damals stehen geblieben sein. Ein Jahrhundert standen die Zeiger auf 2.10 Uhr, bis Eremitage-Direktor Michail Piotrowski eine revolutionäre Tat beging: Er setzte das Uhrwerk wieder in Gang.

entnommen aus der „Rhein-Zeitung“ vom 07.11.2017

Ich verweise nun auf Beiträge im Schwesterblog DIE TROMMLER-ARCHIV.

Titelbild Kopie

Logo: DIE TROMMLER

Sieh auch Beiträge aus dem befreundeten Blog „Sascha´s Welt“.

Sascha´s Welt

Logo: „Sascha´s Welt“

Fundstück: DER SPIEGEL 25/1990zum Ostbüro der SPD

DIE TROMMLER hat sich in der Ausgabe vom Mai 2016 mit den Ostbüros der Parteien und des DGB beschäftigt.

DER SPIEGEL 29/1966 hat dazu einen zwar verschwurbelt geschriebenen, aber ehrlichen Artikel veröffentlicht. Damit hat sich auch DIE TROMMLER beschäftigt.

Im Jahre 1990 hat DER SPIEGEL 25/1990 sich erneut mit dem Ostbüro der SPD beschäftigt. Wieder verschwurbelt geschrieben. Aber doch werden die Fakten ehrlich benannt.

Hier nun die Aussagen des Artikels in bearbeiteter und ausgewerteter Form.

 

 

SPIEGEL-Titel 25:1990

SPIEGEL-Titel 25/1990

 

 

Kurz vor dem erfolgreichen Ende der Konterrevolution, die DDR wurde bekanntlich am 03.10.1990 annektiert, hat sich DER SPIEGEL vom 18.06.1990 nochmal mit dem Ostbüro der SPD befasst.

Zunächst wird die damalige Agentendrehscheibe Berlin beschrieben, wo sich Agenten aus aller Herren Länder tummelten. Dann erfolgt ein Rückblick auf das Ostbüro der SPD, das ja nichts anderes, als eine Agentenzentrale war. Doch ist es eine Besonderheit, dass neben anderen Parteien und des DGB, hier nun die SPD Geheimdienstaufgaben wahrnahm.

Offiziell(durch einen Vorstandsbeschluss) ist das Ostbüro der SPD nie definiert worden. So ranken sich Jahre nach Gründung und Auflösung allerlei Gerüchte darum.

Westliche Geheimdienstler verspotteten das Ostbüro der SPD, während die SED in der DDR diese Agentenzentrale als ernsthaften Gegner einstufte.

An der Aufklärung der Aktivitäten des Ostbüros war man in der SPD nicht interessiert. In Parteidarstellungen fehlt die Beschreibung des Ostbüros. So bei der „Sozialistischen Konferenz in Kopenhagen“ 1950, mit den SPD-Delegationsmitgliedern Herbert Werner, Erich Ollenhauer und Karl Mietmann. In der „Chronik der Deutschen Sozialdemokratie“ fehlt ebenso die das Ostbüro der SPD. Es sind ohnehin kaum Quellen vorhanden. Die Archivbestände sind teilweise gesperrt, vernichtet oder verbrannt.

Der Bochumer Politikwissenschaftler Wilhelm Bleek ist ehrlich. Laut seinem Urteil hat die SPD diesen Teil ihrer Geschichte verdrängt. Auch der Historiker Dietmar Petzina ist ehrlich. Er schreibt, dass die Sozialdemokraten dieses Stück Vergangenheit „verdrängt“ hätten und dass es aus dem „kollektiven Gedächtnis der Sozialdemokratie weitgehend verschwunden“ sei. Dabei wird auf die Zeit der „Entspannungspolitik“ bezog genommen und dieses Stück Antikommunismus als peinlich vermutet. Nun ja, es ist wohl eher eine Frage der Strategie. Dann als Konfrontation nichts mehr brachte, ging man zur indirekten Strategie über, die schließlich zum Erfolg führte.

Erst 1990 ist an der Ruhr-Universität Bochum die erste wissenschaftliche Arbeit zu diesem Thema erschienen. Die Dissertation des Autors Wolfgang Buschfort ist widersprüchlich. Einerseits hält er viele Sabotage- und Spionagevorwürfe für „eindeutig unbegründet“, andererseits gibt er zu, dass die SPD, aus ihrem Interesse her gesehen, keinen Grund hat, ihre Geheimhaltung aufzugeben. In seiner 591-Seiten-Arbeit kommt er zu folgendem Befund:

So, dass das Ostbüro der SPD mit westlichen Geheimdiensten zusammenarbeitete, im Rahmen seiner „Inlandsaufklärung“ „politische Extremistengruppen“(gemeint sind Kommunisten u.a. Linke) infiltrierte und Informationen über Millionen von DDR-Bürgern sammelte, um nach dem Ende der DDR(dass ja seitens der BRD schon immer zu Disposition gestanden hat) ein „besseres Nürnberg“(Bei den Nürnberger Prozessen haben Nazis und Kriegsverbrecher vor Gericht gestanden. Es ist eine Verhöhnung der Opfer des Faschismus hier die DDR und deren politisch Verantwortlichen mit den Nazi-Tätern gleichzustellen.)
zu ermöglichen, um die politisch Verantwortlichen der DDR, hier als „stalinistische Helfer“ bezeichnet, einer „radikalen Bestrafung“ zuzuführen. Dann wird noch erwähnt, dass Kuriere und V-Leute in den illegalen „Propagandakampf gegen das Ulbricht-Regime“ geschickt wurden und Hunderte gefasst und zu hohen Haftstrafen verurteilt wurden.

Nach der Vereinigung von SPD und KPD 1946, die in der alten BRD, sowie heute von der offiziellen Geschichtsschreibung als „Zwangsvereinigung“ dargestellt wird, wollte Kurt Schumacher(Rechter Sozialdemokrat der alten BRD) das nicht auf sich beruhen lassen. Er ging davon aus, dass die deutsche Teilung eine Frage der Zeit sei. Allerdings hat er letztendlich Recht behalten, aber mit seinen Methoden hatte er keinen Erfolg. Schuhmacher entwickelte die „Magnettheorie“. Je attraktiver die „freiheitlich-soziale Entwicklung“ im Westen, desto stärker der Druck der Bürger im Osten auf die russische Besatzungsmacht mit der Folge des baldigen Anschlusses.
Um die „politischen und ökonomischen Überzeugungen des demokratischen Sozialismus(der Sozialdemokratie P.R.) an den Mann bringen zu können, schuf der Ober-Sozi im Jahr der Zwangsvereinigung ein neues Parteiinstrument. Zu den Aufgaben der Stabsstelle gehörte es auch, sich um Zonenflüchtlinge zu kümmern und deren Wissen abzuschöpfen. Deshalb hieß es leicht irreführend, „Flüchtlingsbetreungsstelle Ost“.“ , so verschwurbelt der Wissenschaftler Buschfort. (siehe dazu DIE TROMMLER)

Aus der englischen Emigration heimgekehrte Sozialdemokraten hatten ihrem damaligen Parteichef den ehemaligen Lagersprecher des Antifaschisten-Camps Ascot, Stephan Grzeskowiak, empfohlen. Schumacher fand Gefallen an dieser Person. Grzeskowiak begann am 01.07.1947 als zweiter Mann, im Herbst 1948 wurde er Büroleiter. Er gab sich den Tarnnamen „Thomas“. Nachdem sein Pseudonym gelüftet wurde, gab er seinen alten Namen auf und nun war sein offizieller Name Stephan G. Thomas.

Bei der von der SPD verrichteten Geheimdienstarbeit ging man unprofessionell vor. Knapp zwei Jahre nach Thomas´Berufung wurden viele der Agenten enttarnt, verhaftet und zu hohen Strafen verurteilt. Buschfort lamentiert über die damaligen Knastbedingungen. Ob diese zu jener Zeit in der BRD, Westberlin und anderen Ländern besser waren, ist zu bezweifeln. Es gab Wichtigeres aufzubauen, als moderne Knäste.

Der Artikel beschreibt weiter geheimdienstliche Aktionen des SPD-Ostbüros. DER SPIEGEL gibt offen zu, dass das Ostbüro der SPD als Hilfstrupp des BND agierte. Auch Sozialdemokraten aus anderen Ländern erhalten Informationen seitens des Ostbüros der SPD. Bei Dänemark war dies besonders erfolgreich, denn Alfred Weber(Deckname „Wandel“), der erste Chef der SPD-Ostbüro-Außenstelle, hatte zuvor für den dänischen Geheimdienst gearbeitet.

Um SPD-Mitglieder etwa unter den Teilnehmern aus der BRD der Weltjugendspiele 1955 in Warschau aufzuspüren, setzte sich auf Weisung des SPD-Ostbüros ein DDR-Bürger in Marsch, Auftrag: Fotos der Teilnehmer zu besorgen, zwecks Identifizierung. Gegen erkannte SPD-Mitglieder wurden Parteiordnungsverfahren eingeleitet.

Was auf diese Weise zu ermitteln war, gab die Parteispitze nicht selten ebenfalls weiter. Ostbüro-Erkenntnisse gingen an das Bundesamt für Verfassungsschutz, ans Düsseldorfer Landeskriminalamt oder ans 14. Kommissariat der Bonner Polizei, die Abteilung für politische Delikte. Solche Kooperation, urteilt Autor Buschfort, belege die„halbstaatliche Stellung des Ostbüros“. Buschfort erkennt nun wissenschaftlich die Tatsache, dass das SPD-Ostbüro ein Hilfsorgan der obergenannten Institutionen war.

Das Ostbüro der SPD wurde aus Steuergeldern finanziert.1956 erhielt die SPD-Abteilung – ähnlich wie die vergleichsweise unbedeutenden Ostbüros der CDU und der FDP – aus dem Bonner Etat etwa 300 000 Mark; über die Vergabe von weiteren Bundesmitteln – Höhe unbekannt – entschied statt des Haushaltsausschusses in geheimer Sitzung ein parlamentarischer Fünferausschuss. Grund: Die Geldwege des Ostbüros galten als „Geheimsache“.

Zehn Jahre später, 1966, wurde das Büro aufgelöst. die Errichtung des Antifaschistischen Schutzwalls hat die weitere geheimdienstliche Tätigkeit des SPD-Ostbüros unmöglich gemacht und somit beendet. Herbert Wehner, einer der Wegbereiter der „Entspannung“, also der neuen Strategie, sprach nun verächtlich vom „Agentenschuppen“.

Mehrere Agenten des SPD-Ostbüros, die in der DDR im Knast saßen, verklagten die Partei auf Schadensersatz und Verdienstausfall. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe entschied, „derjenige, der einen solchen politischen Widerstandskampf führt“, handele „erkennbar auf eigenes Risiko“.

Einige der Verantwortlichen des SPD-Ostbüros machten später Karriere. Thomas wurde, nach einem Zwischenspiel bei der Friedrich-Ebert-Stiftung, in Köln Chefredakteur des Deutschlandfunks, Richard Lehners (Deckname: „Hein“) Innenminister in Niedersachsen. Eberhard Zachmann („Müller“) übernahm die Leitung des Berliner Verfassungsschutzes, der Ex-Kurier Winfried Busch den gleichen Posten in Hannover. Zwei gingen zum BND.

Auch Helmut Bärwald, Nachfolger von Thomas und letzter Leiter des in „Referat Wiedervereinigung“ umbenannten SPD-Ostbüros, arbeitete später für die den BND. Er belieferte den Geheimdienst mit Interna aus der SPD – als „Sonderverbindung SV 55202“.

 

entnommen aus DER SPIEGEL 25/1990, bearbeitet und ausgewertet von Petra Reichel

Der Orignal-Artikel ist als PDF-Dokument zum Runterladen verfügbar. Bitte Link klicken.

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