Hungersnot und Konterrevolution

Nach Kapitel 8, Seite 600 bis 615 des Buches „Fiasko einer Konterrevolution“ Autor David Golinkow ©Politsdat, Moskau 1975 ©Deutsche Übersetzung: Dietz Verlag Berlin 1982 Aus dem Russischen übersetzt von Irmgard Zeisler

Gekürzt wiedergegeben von Petra Reichel, April 2015

Im Sommer 1921 vernichtete eine Dürre im Wolgagebiet, im Uralvorland, im Kaukasus, auf der Krim und in einem Teil der Ukraine die Saat. In den Kornkammern des Landes gab es weder Getreide für die Versorgung der Bevölkerung noch Saatgut für eine neue Aussaat. Das Sowjetland hatte sich noch nicht vom wirtschaftlichen Verfall des imperialistischen Krieges und des Bürgerkrieges erholt. Nun wurde es von einer Hungersnot betroffen. Im Winter und Frühjahr 1922 litten über dreißig Millionen Menschen, ein Viertel der damaligen Bevölkerung, Hunger. Besonders stark betroffen war das Wolgagebiet, wo viele Menschen vor Hunger starben.

Die Sowjetregierung ergriff außerordentliche Maßnahmen, um den Auswirkungen der Katastrophe entgegenzuwirken. Millionen Werktätige, die selber kaum was hatten, gaben einen Teil ihres dürftigen Einkommens und ihrer Hungerrationen ab, um zu helfen. Aber die inneren Ressourcen waren vernichtet.  Das verwüstete Land brauchte Hilfe von Außen.

Lenin appellierte ans internationale Proletariat, Hilfe zu leisten. Maxim Gorki wandte sich an alle ehrlichen Menschen in Europa und Amerika mit der Bitte um Hilfe. Die Appelle Lenins und Gorkis fanden bei den Werktätigen im Ausland ein starkes Echo. Es gab aber auch Kräfte, welche  die Katastrophe  für ihre konterrevolutionären Ziele nutzten.

Gorki schlug im Juni 1921 vor, ein Gesamtrussisches Hilfskomitee zu bilden. Der Vorschlag wurde von ehemals „im öffentlichen Leben tätigen“ angenommen. (Kadetten unter dem Zaren, ein ehemaliger zaristischer Minister .. u.a.) Sie bildeten die Initiativgruppe für ein solches Komitee. Am 21. Juli fand eine Zusammenkunft mit Vertretern der Sowjetmacht statt. Es wurde die Beteiligung der bürgerlichen Öffentlichkeit und Unabhängigkeit gefordert. Es war klar, dass die „im öffentlichen Leben Tätigen“ ihre Teilnahme am Kampf gegen die Hungersnot für ihre politischen Ziele ausnutzen wollten.  Die Sowjetregierung wollte alle  möglichst alle gesellschaftlichen Kräfte in den Kampf gegen die Hungersnot einbeziehen und kam dieser Initiativgruppe entgegen.

Am 21. Juli 1921, dem gleichen Tag, an dem sich die Gruppe mit Vertretern der Sowjetmacht traf, wurde durch eine Verfügung des Gesamtrussischen Zentralexekutivkomitees das Gesamtrussische Hilfskomitee für die Hungernden gegründet. Es wurde unter das Zeichen des Roten Kreuzes gestellt, unter dem es arbeiten sollte. Anfangs gehörten diesem Komitee 63 Mitglieder an. Sie waren mehrheitlich „im öffentlichen Leben Tätige“  der alten Gesellschaft. Nur der Vorsitzende des Komitees und sein Stellvertreter wurden vom Gesamtrussischen ZEK ernannt. Die übrigen Mitglieder wurden in geheimer Abstimmung auf der allgemeinen Versammlung des Komitees gewählt. Später konnte es selbstständig weitere Mitglieder hinzuziehen. Das Gesamtrussische Hilfskomitee für die Hungernden erhielt das Recht im Lande selbst und im Ausland Geschäftsstellen zu gründen, sowie in Russland und im Ausland Lebensmittel, Viehfutter, Medikamente und Anderes zu kaufen und es unter den Hungernden zu verteilen. Unter den bürgerlichen Mitgliedern gab es Konterrevolutionäre, die hofften unter dem Deckmantel der legalen Arbeit, die lokalen Abteilungen des Komitees in Organe des politischen Kampfes gegen die Sowjetmacht verwandeln zu können. Die weißgardistischen Emigranten beeilten sich mit den Mitgliedern des Komitees Verbindung aufzunehmen. Auch Agenten des internationalen Imperialismus setzten große Hoffnungen auf das Komitee.

Die breite öffentliche Anteilnahme im Ausland zwang auch  führende Politiker der kapitalistischen Welt Position, zu den Hungernden in Russland, zu beziehen.  Der oberste Rat der Entente fasste am 10. August 1921 den Beschluss eine Kommission zu bilden, die Möglichkeiten ermitteln sollte, den hungernden in Russland zu helfen. An die Spitze der Kommission wurde Joseph Noulens, der ehemalige französische Botschafter in Russland und bekannte Feind der Sowjetmacht gestellt.                                                                            Die Kommission Noulens´ verlangte als unerlässliche Voraussetzung dafür, dass den Hungernden geholfen wurde, von der Sowjetregierung, dass sie  die  Schulden der Zaren- und Provisorischen Regierung anerkennt, ausreichende Garantien für die Einlösung der künftigen Verpflichtungen geben würde und „normale Bedingungen“ für das Wirtschaftsleben im Lande schaffen sollte.

Auf Gorkis Appell reagierte in den USA die American Relief Administration (ARA), die Amerikanische Verwaltung für Hilfe, deren Vorsitzender Handelsminister Herber Hoover war. Die ARA war eine Vereinigung von Wohltätigkeits-, religiösen und nationalistischen Gesellschaften, die unter einer einheitlichen Leitung arbeiteten. Ihr Ziel war es den Völkern Europas, die unter dem Krieg gelitten hatten, mit Lebensmitteln und anderen Gütern zu helfen. Einer der verschwiegenen Aufgaben dieser Organisation war, in die verschiedenen Länder einzudringen und im Sinne des Imperialismus politisch Einfluss zu nehmen. Die Vertreter der ARA waren bestrebt in Verhandlungen mit der Sowjetregierung zu erreichen, dass sie ungehindert arbeiten konnten und ihre Filialen auf dem Boden Sowjetrusslands die Rechte der Exterritorialität zugebilligt erhielten. Über die nach Russland geschickten Lebensmittel wollten sie nach ihren Gesichtspunkten verfügen.                                                                                                           Lenin verfolgte aufmerksam die Verhandlungen mit der ARA und schrieb im August 1921 einen Brief mit folgenden Vorschlägen. Die Sowjets deponieren bei einer New Yorker Bank in Gold eine Summe, die 120% dessen beträgt, was im Laufe eines Monats für eine Million hungernder Kinder und Kranker geliefert wird. Es wurde die Bedingung gestellt, dass sich die Amerikaner angesichts einer derart vollständigen materiellen Garantie auf gar keine Weise, weder politisch, noch administrativ, einmischen und keinerlei Ansprüche erheben. Das heißt, dass alle Punkte des Vertrages entfallen, die ihnen auch nur das geringste Recht auf eine administrative Einmischung zu erheben. Kontrollieren sollten das an Ort und Stelle paritätische Kommissionen.                                  Bei den Verhandlungen in Riga musste die ARA gezwungenermaßen  auf ihre Forderungen verzichten. Am 20. August wurde ein für beide Seiten annehmbares Abkommen geschlossen. Der Verwaltung der ARA wurden ziemlich weitgehende Rechte bei der Unterbringung ihrer Filialen, der selbständigen Auswahl ihrer Mitarbeiter, der Verfügung über ihre Fonds usw. eingeräumt. Die Sowjetregierung behielt sich jedoch das Recht vor, Mitarbeiter der Amerikanischen Einrichtungen abzulehnen.

Auf Gorkis Appell reagierte in den USA die American Relief Administration (ARA), die Amerikanische Verwaltung für Hilfe, deren Vorsitzender Handelsminister Herber Hoover war. Die ARA war eine Vereinigung von Wohltätigkeits-, religiösen und nationalistischen Gesellschaften, die unter einer einheitlichen Leitung arbeiteten. Ihr Ziel war es den Völkern Europas, die unter dem Krieg gelitten hatten, mit Lebensmitteln und anderen Gütern zu helfen. Einer der verschwiegenen Aufgaben dieser Organisation war, in die verschiedenen Länder einzudringen und im Sinne des Imperialismus politisch Einfluss zu nehmen. Die Vertreter der ARA waren bestrebt in Verhandlungen mit der Sowjetregierung zu erreichen, dass sie ungehindert arbeiten konnten und ihre Filialen auf dem Boden Sowjetrusslands die Rechte der Exterritorialität zugebilligt erhielten. Über die nach Russland geschickten Lebensmittel wollten sie nach ihren Gesichtspunkten verfügen.                                                                                                           Lenin verfolgte aufmerksam die Verhandlungen mit der ARA und schrieb im August 1921 einen Brief mit folgenden Vorschlägen. Die Sowjets deponieren bei einer New Yorker Bank in Gold eine Summe, die 120% dessen beträgt, was im Laufe eines Monats für eine Million hungernder Kinder und Kranker geliefert wird. Es wurde die Bedingung gestellt, dass sich die Amerikaner angesichts einer derart vollständigen materiellen Garantie auf gar keine Weise, weder politisch, noch administrativ, einmischen und keinerlei Ansprüche erheben. Das heißt, dass alle Punkte des Vertrages entfallen, die ihnen auch nur das geringste Recht auf eine administrative Einmischung zu erheben. Kontrollieren sollten das an Ort und Stelle paritätische Kommissionen.                                 Bei den Verhandlungen in Riga musste die ARA gezwungenermaßen  auf ihre Forderungen verzichten. Am 20. August wurde ein für beide Seiten annehmbares Abkommen geschlossen. Der Verwaltung der ARA wurden ziemlich weitgehende Rechte bei der Unterbringung ihrer Filialen, der selbständigen Auswahl ihrer Mitarbeiter, der Verfügung über ihre Fonds usw. eingeräumt. Die Sowjetregierung behielt sich jedoch das Recht vor, Mitarbeiter der Amerikanischen Einrichtungen abzulehnen.

Mitte August 1921 fand in Genf eine Konferenz von Vertretern internationaler und nationaler Rot-Kreuz-Gesellschaften statt, die den populären norwegischen Polarforscher Fritjof Nansen zum Hauptbevollmächtigten der Rot-Kreuz-Gesellschaften bei der Hilfe für die Hungernden in Russland wählten. Nansen nahm ohne unnötige Verzögerungen Verhandlungen mit der Sowjetregierung auf und schloss mit ihr am 27. August ein Abkommen über die Arbeit der von ihm geschaffenen Organisation, des Exekutivkomitees der internationalen Hilfe für Russland, dem auch Vertreter der Sowjetmacht angehörten.                                                                                                                   Im Unterschied zur ARA schlug Nansen vor, alle Arbeiten im Zusammenhang mit der Verteilung von Lebensmitteln in Russland mit Hilfe der örtlichen Machtorgane durchzuführen.

Das Abkommen mit der ARA und das Wirken der internationalen Hilfsorganisation Nansens spalteten die einheitliche Front, welche die  Imperialisten unter Ausnutzung der Hungersnot gegen Sowjetrussland zu bilden versuchten. Lediglich die Regierungen der Ententemächte, die in der Kommission Noulens´ vertreten waren, kamen zu keinem Abkommen mit der Sowjetregierung. Bald wurde klar, dass die imperialistischen Kreise große Hoffnungen auf die Vertreter des Gesamtrussischen Hilfskomitees für die Hungernden setzten. Agenten der französischen Regierung hatten bereits Verhandlungen mit einem Vertreter dieses Komitees aufgenommen.

Das Gesamtrussische Komitee bildete zahlreiche Geschäftsstellen. Viele „im öffentlichen Leben tätigen“ bürgerlichen Repräsentanten traten dort ein. Sie wählten eine Delegation, die sie ins Ausland schicken wollten. Sie hatten es eilig, weil die Delegation offenbar an den Verhandlungen der Sowjetregierung mit den Regierungen kapitalistischer Länder teilnehmen wollte.  Die Sowjetorgane durchschauten diese Absichten. Das Gesamtrussische Zentralhilfskomitee beschloss am 18 August die Reise dieser Delegation ins Ausland zu verschieben. Es empfahl dem Komitee, seine Mitglieder vor allem zur praktischen Arbeit in die von der Hungersnot betroffenen Bezirke zu schicken. Die Mehrheit des Komitees war mit dem Beschluss des Gesamtrussischen ZEK nicht einverstanden und forderte am 23. August ultimativ, die Delegation ins Ausland reisen zu lassen. Anderenfalls drohte es, seine Arbeit einzustellen.

Die Gesamtrussische Tscheka nahm am 27. August eine Reihe von Hausdurchsuchungen vor und verhaftete mehrere Mitglieder des Komitees.  Aus diesem Anlass veröffentlichte die Tscheka eine Mitteilung folgenden Inhalts. Seit dem Bestehen des Komitees erhielt die Tscheka Informationen darüber, dass eine Gruppe von Mitgliedern des Komitees in Wirklichkeit die Katastrophe der Bevölkerung für ihre politischen Ziele und zur Verschwörung gegen Sowjetrussland nutzte. Sie setzten ihre Hoffnungen auf eine erneute Intervention der ausländischen Kapitalisten. Unter Ausnutzung der legalen Existenz des Komitees wurden konspirative Zusammenkünfte durchgeführt und Verbindungen geknüpft. Bei den Hausdurchsuchungen am 27. August wurde umfangreiches Material sichergestellt.  Es waren Pläne zur Konterrevolution und der Umgestaltung des Landes.

Die Sowjetregierung teilte am 30. August 1921 mit, dass es endgültig erwiesen sei, dass die Mehrheit des Komitees im Bann politischer Spekulationen steht, die nichts mit den Interessen der Hungernden zu tun haben. Die Sowjetregierung musste mit Bedauern feststellen, mit dass sie  den ehemaligen aktiven Gegner der Sowjetmacht möglichst umfassend zur Hilfe für die Hungernden heranziehen wollte. Sie hat daher beschlossen das Komitee aufzulösen. In diesem Zusammenhang wurde gefordert, alle die nicht gewillt waren die Interessen der Hungernden konterrevolutionären Spekulationen zu opfern, ihre Kräfte anzuspannen und die Hilfsaktion für die Hungernden weitgehend selbstständig weiterzuführen.                                                                                                           Die aktivsten Mitglieder des Gesamtrussischen Komitees für die Hungernden wurden aus Sowjetrussland ausgewiesen.

Aber die Imperialisten der Ententeländer dachten nicht daran ihre Versuche aufzugeben, die Hungersnot in Sowjetrussland für die Durchsetzung ihrer politischen Ziele auszunutzen. Am 4. September 1921 informierte Noulens die Sowjetregierung darüber, dass die von ihm geleitete Kommission  beschlossen habe „ein Komitee von Experten nach Russland zu schicken.  Die Experten sind bevollmächtigt an Ort und Stelle rasch und gründlich das Ausmaß des Erforderlichen zu überprüfen und festzulegen, wie schnellstens und am wirksamsten geholfen werden kann.“ Noulens verlangte, dass diesen „Prüfern“ „alle erforderlichen Voraussetzungen und Garantien“ für ihre Arbeit gewährt würden. Er fügte eine Liste ausführlicher Fragen bei, die geprüft werden sollten. Es handelte sich dabei um ein Spionageprogramm. Lenin war über Noulens’ Forderungen empört.   Er veranlasste die weiteren Schritte. Der Volkskommissisar für Auswärtige Angelegenheiten G.W. Tschitscherin, teilte daraufhin den Regierungen Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und Belgiens mit, was Noulens tatsächlich beabsichtigt.  Die Sowjetregierung lehnte es ab, dem Drängen der Kommission Noulens’ nachzugeben. Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass sie jeder anderen Organisation entgegenkommt, die sich wirklich mit der Hilfe für die Hungernden beschäftigen will.

Alle Versuche Fridtjof Nansens, die Regierungen der Ententemächte und den Völkerbund zur ehrlichen Hilfe für die Hungernden zu gewinnen, stießen auf unüberwindliche Hindernisse. In seinem Buch „Russland und der Friede“, das 1923 erschien, schrieb Nansen, das Haupthindernis, auf das er gestoßen war, sei das Argument der politischen Führer Europas gewesen, „Dem hungernden und leidenden russischen Volk zu helfen sei gelichbedeutend mit einer Stützungsaktion für die Sowjetregierung und für die Bolschewiki“. „Die Herzen der politischen Führer“, sagte Nansen, „sind hart und unmenschlich.

Der IX. Gesamtrussische Sowjetkongress sprach Fidtjof Nansen auf seiner Tagung am 25. Dezember 1921 in einer Grußadresse seinen tiefempfundenen  Dank aus.

Auch die Mitarbeiter der American Relief Administration versuchten sich antisowjetisch zu betätigen. Herbert Hoover, der Leiter der ARA, verbarg nicht, dass er der Sowjetordnung feindlich gesonnen war. Er verfolgte damit seine eigenen Ziele. Der Sowjetstaat und seine Organe hielten die Bedingungen des Abkommens strikt ein, wobei sie die Tätigkeit der amerikanischen Vertreter aufmerksam beobachteten.                            In dem von der ARA in Sowjetrussland aufgebauten Apparat waren etwa dreihundert amerikanische Mitarbeiter beschäftigt. Viele von ihnen waren Spione. Die ARA stellte häufig Mitarbeiter mit zwielichtiger, sowjetfeindlicher Vergangenheit ein. Neben der Verteilung  von Lebensmitteln und der Leitung von Verpflegungspunkten wandte dieser Apparat nicht wenig Zeit für Spionage und sowjetfeindliche subversive Tätigkeit auf. Die Mitarbeiter der ARA unternahmen häufig Fahrten durch das Land. Sie versuchten sogar in Grenzbezirke zu gelangen, wo es keine Verpflegungspunkte gab.                                        Es wurden labile Menschen für die Spionagetätigkeit angeworben. Es wurden geheime und offizielle Angaben über den Zustand der Industrie, der Landwirtschaft und der militärischen Lage des Sowjetlandes gesammelt. Es wurde auch die Erdölindustrie in Baku, die Rüstungsindustrie, Kraftwerke und Bodenschätze ausspioniert.

Ermutigt durch die Tätigkeit der ARA erhoben sich in mehreren Orten Kulakenelemente. Auch weißgardistische Elemente wurden wieder aktiv.

Die Organe für Staatssicherheit des Sowjetlandes führten einen ständigen Kampf gegen die Versuche amerikanischer Agenten, unter der Fahne der ARA, Spionage zu betreiben.

Nichtsdestoweniger verstand es die Sowjetregierung im Interesse der Hilfsaktion für die Hungernden sachliche Beziehungen zur ARA herzustellen.

Die Hungerkatastrophe bildete den Boden für die Verstärkung des Aberglaubens und religiöser Vorurteile.                                                                                                                           Die reaktionäre Geistlichkeit nutzte die Katastrophe, um die Bevölkerung zu beeinflussen, religiösen Fanatismus zu schüren und gegen die Sowjetmacht aufzuhetzen.

In den Jahren 1921 bis 1923 gab es eine verbreitete Bewegung der „Erneuerung der wundertätigen Ikonen“, der Kreuze, die angeblich von Gott schickt worden waren, um den Menschen zu helfen oder sie zu bestrafen. Die Kirche, die sich bemühte ihren religiösen Einfluss auf die breiten Massen zu behalten, konnte als religiöse Institution bei den schweren Prüfungen, denen das Volk ausgesetzt war, nicht abseits stehen und musste am Kampf gegen den Hunger teilnehmen.  Patriarch  Tichon wandte sich am 22. August 1921 an die Bevölkerung mit dem Aufruf, wer könne, solle den Hungernden „nach seinen Kräften“ helfen. Die reaktionäre Geistlichkeit veranstaltete Prozessionen mit „restaurierten wundertätigen Ikonen“ und kurzen Gottesdiensten auf den versengten Feldern. Sie schürte im Volk einen religiösen Fanatismus und brachte die Bevölkerung nach und nach gegen die „gottlose“ Sowjetmacht auf, als sei diese an der Hungersnot schuld.

Im Juni 1921 verbreitete sich in dem Dorf Bojewo im Kreis Woronesh das Gerücht, die alte Ikone „Sie ist würdig“ im Gotteshaus habe  sich „erneuert“. Die ungebildeten und rückständigen Bauern, hauptsächlich Frauen, unternahmen eine Wallfahrt zur Ikone und forderten von den Popen, sie mögen sie ihnen für öffentliche Dankgebete zur Verfügung stellen. Mit der Ikone zogen die Bauern auf die Felder. Sie glaubten, die Ikone könne sie von der Dürre befreien. Die Geistlichen veranstalteten feierliche Empfänge mit Glockengeläut und Gottesdienste für die Ikone. Die religiöse Psychose, welche die Bauern ergriff, führte dazu, dass in vielen umliegenden Dörfern „erneuerte“ Ikonen „auftauchten“ und nicht nur in den Gotteshäusern, sondern auch in den Häusern der Bauern.                                                                                                                                             Gegen die Inspiratoren und Organisatoren des gefälschten „Wunders“ fand vor dem Revolutionstribunal des  Gouvernements Woronesh ein Prozess statt. In seinem Urteil vom 22. Oktober 1921 stellte das Tribunal fest: „ Eine wissenschaftlich-psychiatrische Untersuchung hat die Entwicklung einer Epidemie, einer religiösen Massenpsychose (bei den Bauern- D.G.) festgestellt, aber die gerichtliche Untersuchung hat festgestellt, dass die andere Seite, die Nonnen und die Kirche, materiellen Vorteil aus diesem Volksunglück gezogen hat.“ Das Revolutionstribunal hielt die zur Verantwortung gezogenen Bauern und sogar einige Geistliche für „von einer religiösen Geisteskrankheit Besessene“ und erließ ihnen die Strafe.  Elf Angeklagte wurden freigesprochen, nur sieben Geistliche wurden zu je sechs Monaten gesellschaftlich nützlicher Arbeit mit Bewährung verurteilt. Die Freiheit wurde ihnen nicht entzogen.

Im Gouvernement Rjasan wurde eine „wundertätige“ Ikone, die im Troizki-Kloster aufbewahrt wurde, zum Gegenstand der Anbetung. Erzbischof Fedorit von Rjasan sollte mit ihr im Jahre 1613 angeblich die Herrschaft Michail Romanows „gesegnet“ haben.  Der Klostervorsteher Ewergetow händigte die Ikone dem Vorsitzenden des Kirchenrates der Vorstadt Rykowaja, Kopin, aus. Dieser veranstaltete mit ihr einen Umzug durch viele Siedlungen. Das Ehrengeleit der weißen und schwarzen Geistlichkeit für die Ikone hielt öffentliche Dankgebete ab. Konterrevolutionär Eingestellte erinnerten bedeutungsvoll daran, dass der Thron des Zaren Michail Romanow mit ebendieser Ikone „gesegnet“ worden war.

Als die Volkskatastrophe immer größere Ausmaße annahm, wurde in gesellschaftlichen Organisationen der Werktätigen des Öfteren erwogen, die gewaltigen Werte in den Kirchen zu nutzen, um den Hungernden zu helfen. Im Januar 1922 wandten sich Vertreter der hungernden Gouvernements mit ähnlichen Gesuchen an die Sowjetregierung. Am 23. Februar beschloss das Gesamtrussische Zentralexekutivkomitee, „alle Wertgegenstände aus Gold, Silber und Edelsteinen, die sich im Besitz der Kirche befinden und deren Konfiskation den Kult selbst nicht wesentlich beeinträchtigen kann, zu beschlagnahmen“ und dem Hilfsfonds für die Hungernden zuzuführen. Daraufhin zeigte die reaktionäre Geistlichkeit ungeschminkt ihr wahres Gesicht. Patriarch Tichon wandte sich am 28. Februar 1922 mit einem Aufruf an alle „gläubigen Kinder der russischen orthodoxen Kirche“, indem er sagte: „Vom Standpunkt der Kirche aus ist ein derartiger Akt eine Gotteslästerung, und wir halten es für unsere heilige Pflicht, die Absichten der Kirche zu diesem Akt zu äußern und unsere gläubigen Kinder davon in Kenntnis zu setzen…Wir können die Konfiskation oder auch freiwillige Spende von geweihten Gegenständen in Gotteshäusern nicht billigen. Deren Gebrauch außerhalb des Gottesdienstes ist von den Kanons der ökumenischen Kirche verboten und wird von ihr als Gotteslästerung bestraft. Laien werden exkommuniziert, Kirchendiener aus Amt und Würden entlassen.“

Das war ein unverhohlener Aufruf zum Ungehorsam und zur Sabotage des Beschlusses der Sowjetregierung. Tichons Appell wurde in den Kirchen verkündet und von Mund zu Mund weitergegeben. Das löste eine Welle von mitunter blutigen Aufständen aus. Am 12. März 1922 kam eine Kommission für die Beschlagnahme von Kirchenwerten in die Kathedrale der Stadt Schuja im Gouvernement Iwanowo-Wosnessenk, wo sich bereits eine aufgeputschte Menge eingefunden hatte, welche  die  Kommission mit Geschrei und Schimpfworten empfing. Die Mitglieder der Kommission wurden herumgestoßen und geschlagen. Die Kommission wollte den Zusammenstoß vermeiden und beschloss daher, ihren Auftrag erst am 15. März zu erledigen. Aber an jenem Tage hatte sich entsprechend einem Appell der erzreaktionären Geistlichkeit eine noch größere Menge in und vor der Kathedrale versammelt. Als eine Milizstreife die Ordnung vor der Kathedrale wieder herstellen wollte, wurde sie von der Menge mit Steinen empfangen. Die Glocken der Kathedrale läuteten anderthalb Stunden Sturm und peitschten die Menge auf. Eine halbe Kompanie Rotarmisten rückte an. Aus der Menge waren Revolverschüsse zu hören. Die Rotarmisten wurden umringt, vier von den übrigen abgedrängt, entwaffnet und übel zugerichtet. Die Rotarmisten waren gezwungen zu den Waffen zu greifen. Dabei wurden vier Menschen getötet.

Es wurde eine Regierungserklärung zu diesem Vorfall abgegeben. Darin hieß es, dass seit sich das Dekret über die Konfiskation von Kirchenwerten zur Rettung der Hungernden und zur Wiederherstellung ihrer Existenz veröffentlicht worden ist, die Spitzen der Geistlichkeit offen eine verbrecherische Arbeit betreiben. Dass sie regierungsfeindliche Appelle erlassen und dazu aufrufen Gold, Silber und Brillanten nicht abzugeben, dass sie konterrevolutionäre Organisatoren aussenden und Beratungen der geistlichen Rädelsführer mit einflussreichen Laien, hauptsächlich ehemaligen Kaufleuten und hohen Beamten, die weiterhin eine führende Rolle unter den Gläubigen spielen, abhalten. Die oberste Geistlichkeit hält sich im Hintergrund und bemüht sich die wenigsten gebildeten Elemente der Bevölkerung in den Vordergrund zu schieben. Die Kirchenfürsten lassen sich davon leiten, die vom Volk geschaffenen kirchlichen Werte in ihrer Hand zu behalten, Sie verbreiten ungeheuerliche Gerüchte, behaupten, wie Werte würden nicht für die hungernden Bauern, sondern für Zahlungen an Polen oder für die Rote Armee u.a.m. verwendet. Auf dem Boden dieser verbrecherischen Agitation, deren Fäden in einem Führungszentrum zusammenlaufen, kam es in mehreren Orten zu Auseinandersetzungen, als die Kommission zur Beschlagnahme ihren Auftrag, durch das Dekret des Präsidiums des Gesamtrussischen Zentralexekutivkomitees beschlossen worden ist, erfüllen wollten..

Der Regierung war jeder Gedanke an ein Vorgehen gegen die Gläubigen und gegen die Kirche fremd. Die Wertgegenstände sind durch die Arbeit des Volkes geschaffen worden und gehören dem Volk. Die Ausübung von religiösen Riten nimmt keinerlei Schaden, wenn die wertvollen Gegenstände durch schlichtere ersetzt werden.

Für die Wertgegenstände kann man genügend Saatgut, Zugvieh und Gerät kaufen, um nicht nur das Leben, sondern auch die Existenzgrundlage der Bauern im Wolgagebiet und anderen von der Hungersnot betroffenen Gebieten der Sowjetischen Föderation zu retten. Dem Appell und der Forderung der Hungernden selbst, sowie der Arbeiter, Bauern und Rotarmisten des ganzen Landes folgend, beschloss das Präsidium des Gesamtrussischen Zentralexekutivkomitees, die kirchlichen Werte zu konfiszieren. Die überwiegende Masse der unteren Geistlichkeit hielt und hält dieses Dekret für unbedingt richtig und gerecht. Nur die Clique der Kirchenfürsten, die sich in Prunk, Gold, Seide und Edelsteine gewöhnt haben, wollen diese Kostbarkeiten nicht hergeben, um damit Millionen zugrunde gehender Menschen zu retten.

Der Widerstand der Oberschicht der Geistlichkeit wurde gebrochen. Dem Hilfsfonds für die Hungernden wurde eine große Anzahl von kirchlichen Wertgegenständen zugeführt, mit denen das Leben von Menschen gerettet werden konnte. Durch die gewaltigen Anstrengungen der Kommunistischen Partei, des Sowjetvolkes, seiner Regierung und mit Hilfe des internationalen Proletariats gelang es, die Hungersnot im Jahre 1923 zu überwinden. Damals gelang es der Konterrevolution nicht, sie für ihre Ziele auszunutzen.

 

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Der letzte Gipfel der sozialistischen Länder

Siehe Beitrag, wie Heinz Keßler die Konterrevolution erlebte.

Im Beitrag von Heinz Keßler im Buch „Unter Feuer“ Untertitel „Die Konterrevolution in der DDR“(Herausgeber „Offensiv“) wird an den letzten Gipfel der sozialistischen Länder erinnert. Es war die letzte politische Beratung der Warschauer Vertragsstaaten im September 1989.

Am Beginn der Konterrevolution keine Protestler auf den Straßen von Bukarest? Von zerstörungswütigen Radikalinskis keine Spur? Ahhh, auf dem letzten Gipfel der sozialistischen Länder wurde die Konterrevolution beschlossen. Einer der Vorreiter war Gyula Horn.

Ausgerechnet wurde Erich Honecker krank. So konnte er das Unglück nicht mehr aufhalten. Ob er es hätte verhindern können, sei dahingestellt.

Dass auf einem kapitalistischen Gipfel die Revolution beschlossen wird, ist bar jeder Realität. Das kapitalistische System tritt nicht so sang und klanglos ab, wie das sozialistische.

Seit seinem Sieg 1989/90 sitzt der Kapitalismus fester im Sattel denn je. Doch wir dürfen die Geschichtsschreibung nicht dem Sieger der Geschichte überlassen.

 

 

Beitrag von Heinz Keßler in Titel-Unter Feuer  „Unter Feuer“

Keßler Ende DDR und SED

 

 

 

 

 

offensiv

 

 

 

 

 

 

Der Fall Sylke Glaser

Sylke Glaser ist eine DDR-Gegnerin. Gnadenlos hat sie tatsächliche Schwachpunkte ausgenutzt, um gegen die DDR und den Sozialismus als System zu hetzen. Durch Leute, wie sie, konnten ehrliche Bürgerinnen und Bürger berechtigte Kritik nicht anbringen.

  • A, um nicht in den Verdacht zu geraten zu diesen Leuten zu gehören und
  • B, die Kritik nicht ernstgenommen worden wäre, da diese von diesen Leuten missbraucht wurde, um gegen die DDR und den Sozialismus als System zu agieren.

Frau Glaser hat einen Brief an den Bürgermeister von Rostock geschrieben.

Brief an Bürgermeister von Rostock

Recht hat Frau Glaser mit folgenden Punkten:

  • Leute, die bereits in die BRD, bzw. Westberlin übergesiedelt waren durften nicht wieder in die DDR zurückkehren. Mit ihrer Bemerkung, dass das die beste Anti-Westen-Propaganda wäre, hat sie allerdings auch Recht.
  • Dass Qualitätsprodukte in den Westen exportiert wurden und für die Bürgerinnen und Bürger der DDR die Mangelwirtschaft alltäglich war.
  • Die verfehlte Medienpolitik der DDR ist ein „gefundenes Fressen“ für Frau Glaser und ihre Kumpels. Die Kirchen haben da eingehakt, da sie Sonderfreiheiten hatten. So waren sie ein Vehikel für die Gegnerschaft der DDR und der späteren Konterrevolutionäre.

Widersprüche und Unsinn sind folgende Punkte:

  • Frau Glaser bemängelt, dass Losungen für den 1. Mai vorgegeben waren. Nun ja, in der DDR gab es zumindest mehrere Losungen, während es heute nur, jährlich wechselnd, eine Losung gibt. Vermutlich interessiert sich Frau Glaser heute nicht mehr für den 1. Mai.
  • Das pauschale „Keine Meinungsfreiheit“. Natürlich kann man darüber streiten, was mit der Meinungsfreiheit abgedeckt ist und wo Beleidigungen und Drohungen anfangen. Man kann kritisch sehen, dass in der DDR der Rahmen eng abgesteckt war. Doch was heute unter die Meinungsfreiheit fällt, ist manchmal grenzwertig, wie z.B. rückdatierte Todesdrohungen.
  • Einerseits beklagt Frau Glaser, dass es zu wenig Ärzte in Wismar gab. Anderseits erklärt sie, dass die Ärzte auswandern wollten. Na warum beklagt sie nicht, dass die Ärzte nicht an ihre Patienten dachten? Dass es heute, insbesondere auf dem Land, zu wenig Ärzte gibt, interessiert Frau Glaser wohl nicht mehr.
  • Das alte Dilemma mit der fehlenden Reisefreiheit. Aber mit welchem Geld wollte Frau Glaser u.a. reisen? Es war nicht möglich die Reisenden mit genügend Devisen auszustatten. Leute im Rentenalter die reisen durften bekamen nur ein Wegegeld von 15.- Mark umgetauscht. Sie waren dann auf die Gastfreundschaft ihrer Verwandten angewiesen. Wer keine Verwandten im Westen hatte konnte auch im Rentenalter aus finanziellen Gründen nicht reisen. Frau Glaser bemängelt auch angebotene Reisen, die für „Otto Normalo“ und „Lieschen Müller“ zu teuer waren. Nun ja, dass sich heute viele Menschen keinen Urlaub leisten können, interessiert Frau Glaser vermutlich auch nicht mehr.
  • Frau Glaser beklagt, dass die Bürgerinnen und Bürger der DDR nicht früher in Rente gehen können. Nun sind andere sozialistische Länder gut genug, um als Beispiel zu dienen. Heute, da das Rentenalter hoch geschraubt worden ist und es in Zukunft vermutlich noch höher geschraubt wird, die gesetzliche Rente immer mehr auf ein Minimum heruntergefahren oder womöglich ganz abgeschafft wird, interessiert Frau Glaser wohl auch nicht mehr.

Handschriftenvergleich Sylke Glaser

Handschriftenvergleich Sylke Glaser

Frau Glaser gibt dies als Eigendichtung aus und verwendet dies gegen die DDR. Der Text stammt aber von Rio Reiser und ist Kritik am Kapitalismus und der BRD.

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Flugblätter

Viel Arbeit und Energie hat Frau Glaser in diese Flugblätter gesteckt. Alle per Hand verfasst und mangels Kopiermöglichkeit alle immer wieder abgeschrieben. Wenn man so viel Zeit, Arbeit und Energie da hineinsteckt, muss der Hass auf die DDR groß gewesen sein.

Brief an das MfS

Brief an das MfS

Na da hat Frau Glaser sich was getraut und fühlte sich sehr sicher. Sie schrieb direkt an das MfS. Glaubte sie, man könnte sie nicht ausfindig machen. Da hat sie sich aber geirrt.

Zum Inhalt des Briefes:

  • Gnadenlos nutzt sie hier die verfehlte Medienpolitik der DDR aus. Sie hat nun Verbindungen mit Leuten aus der BRD aufgenommen. Sie führt Kirchenzeitungen an, die nun unter Ausnutzung der diesbezüglichen Schwäche der DDR, dies im Sinne der späteren Konterrevolutionäre ausnutzen und den Leuten vormachen die Lücke zu schließen, die in der offiziellen Medienlandschaft der DDR klafft.
  • Neben denen, die ausreisen durften, führt Frau Glaser diejenigen an, die in der DDR bleiben wollten, um weiter zu agieren. Schließlich hatten diese Leute Erfolg. Diese Tatsache hat das MfS als zu harmlos angesehen und dies nur als Hirngespinste einer, bzw. einzelnen Personen gehalten.

Haftbefehl Sylke Glaser

Haftbefehl Sylke Glaser

Zunächst kommt Frau Glaser mit einer Verwarnung, bzw. Ordnungswidrigkeit und einer Geldstrafe davon. Doch sie macht unbeirrt weiter. Dann erst greift das Strafrecht und sie ist aus dem Verkehr gezogen worden, damit sie nicht weitermachen kann.

Kassiber

Kassiber

Ein Kassiber aus der Untersuchungshaft. Ob es sich so zugetragen hat ist fraglich.

GErichtsurteil Sylke Galser

Frau Glaser ist wegen „öffentlicher Herabwürdigung“ verurteilt worden. Diese Bezeichnung für diesen § ist aus heutiger Sicht unglücklich und „Futter“ für die „Aufarbeiter“ und die offizielle Geschichtsschreibung. Das klingt so ähnlich wie „Majestätsbeleidigung“. So entsteht der Eindruck, dass die Leute wegen einer relativ harmlosen Sache unverhältnismäßig hohe Strafen bekommen hätten. „Staatsgefährdung“, „Staatsgefährdende Aktivitäten“ u.ä. würden solche Taten besser erfassen.

Das Leben der Frau Glaser wird kurz beschrieben. Sie war in der Ausbildung zur Kindergärtnerin, wollte aber abbrechen, da sie ein anderes Erziehungsziel sah, als gelehrt wurde. Man ließ sie erst nicht abbrechen, aber dann flog sie aus disziplinarischen Gründen von der pädagogischen Fachschule. Sie ging keiner geregelten Arbeit nach. Eine Bewerbung als Kassiererin bei der Kreisfilmstelle scheiterte, weil Papiere fehlten.

Dann wird die ablehnende Haltung zur DDR genannt und dass sie Verbindungen zu Bekannten in der BRD hat. Auch ein Heiratskandidat ist darunter, so dass sie einen Ausreiseantrag über Heirat anstrebt.

Frau Glaser wollte eine Straftat begehen, um vom Gefängnis aus einen Ausreiseantrag zu stellen. Sie glaubt, so schneller in die BRD zu gelangen. Doch sie bekommt nur eine Ordnungsstrafe. Daraufhin macht Frau Glaser weiter, um nun wirklich straffällig zu werden, um ihr Vorhaben doch noch durchzusetzen.

Nun werden die Schreiben der Frau Glaser in der Urteilsbegründung genannt. Das Gedicht des „Veränderns der Welt“ hat Frau Glaser als Eigendichtung ausgegeben. In Wahrheit handelt es sich um einen Liedtext von Rio Reiser, den Frau Glaser geklaut hat. Das hatten das Gericht und zuvor die Ermittlungsbehörden nicht bemerkt. Auch heute, wo das Urheberrecht so wichtig genommen wird, beachten das die „Aufarbeiter“, bzw. die offizielle Geschichtsschreibung nicht.

Heute dient der Fall Sylke Glaser als Lehrmaterial im Sinne der heutigen offiziellen Geschichtsschreibung. Volksverdummung anstatt Volksbildung.

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Sylke Glaser als Lehrthema heute


Der Beitrag im Schwesterblog „Keine Eigendichtung“ gibt den ersten Eindruck nach der unvollständigen Präsentation der BStU auf ihrer Facebook-Seite wieder.

Dokumente entnommen aus der „Stasi“-Mediathek der BStU

Ereignisse um das Montagsgebet am 02.10.1989 in Leipzig

Auswertung eines Dokuments des MfS

 

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1. Ausschnitt aus dem Dokument 

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2. Ausschnitt aus dem Dokument 

 

Hierbei handelt es sich um eine Bestandsaufnahme. Diese Bestandsaufnahme dokumentiert die Schwäche der Staatsmacht. In anderen Ländern, auch in „freiheitlich-demokratischen“ Ländern wäre in ähnlichen Situationen hart durchgegriffen worden.

In Leipzig war man am 02.10.1989 nicht in der Lage den Kirchvorplatz zu räumen. Oh Mann die Kampfgruppen und Volkspolizei konnten die illegale Demo nur zeitweilig stoppen. Wüste Beschimpfungen und teilweise Angriffe auf die Polizisten werden erwähnt. Allein das ist in jedem Land dieser Erde ein Grund zu Bestrafung. Was ist das für ein Eingeständnis von Schwäche? Hatte man bereits zu diesem Zeitpunkt aufgegeben?

Man bedenke die besondere Erwähnung der Sonderausrüstung der Volkspolizei. Woanders wäre eine solche Ausrüstung in solchen Situationen normal und der Schlagstock würde da nicht nur zur eigenen Sicherheit der Polizisten eingesetzt.

Blockade des Straßenverkehrs, na in anderen Ländern hat sowas ein Nachspiel. Nun ja in der DDR wäre ohnehin nicht mehr die Zeit dazu gewesen. Doch wissen wir, wie lange sich Friedensaktivisten aus der BRD, die an Blockadeaktionen teilgenommen haben, sich mit der Justiz herumschlagen mussten. Aber das interessiert ja nicht.

Bei den damaligen Ereignissen in Leipzig wurden die Bewegungen der Blockierer, bzw. Störer von der Volkspolizei und den Kampfgruppen nur verfolgt. Was immer das heißen mag.

Nun ja, bei aller Schwäche, es wurden bei den Ereignissen am 04.10. in Leipzig doch Einige festgenommen.

Ahh, es wurden differenzierte rechtliche Entscheidungen vorbereitet. Zu deren Vollzug kam es vermutlich nicht mehr. Außerdem wurden die Kampfgruppen bald aufgelöst.

 

Hier das vollständige Dokument:

„Bravo SDP“_Ironie off (Aufruf zur Konterrevolution der SDP)

Eine der konterrevolutionären Organisationen war die sozialdemokratische Partei SDP. In verklausulierter Sprache rief sie zur Konterrevolution auf. In diesem Beitrag wird die verklausulierte Sprache in klare Worte gefasst.

 Einige Worte zum Eingangstext des MfS

Der Eingangstext des MfS ist recht milde formuliert. Nun ja, es war ja kurz vor Schluss. Dass sich hier eine konterrevolutionäre Partei bildete interessierte das MfS nicht mehr. Es wurde nur noch analysiert und hatte nur die noch geltenden §§ eingehalten. Da ging es nur noch um die strafrechtliche Relevanz bei der Weiterverbreitung dieses Papiers. Man hatte wohl schon da bereits aufgegeben. (28. September 1989)

Zum Text des Dokuments der SDP

Das umfangreiche wohlklingende „Bla Bla“ bedeutet, dass man einen Staat, wie die BRD will.

Wortgewaltig wird links überholt.

„Soziale Marktwirtschaft mit striktem Monopolverbot zu Verhinderung undemokratischer Konzentration ökonomischer Macht“

Au weia, klingt das radikal. Mann, es gab doch in der DDR keine Monopole. Was für eine undemokratische Konzentration ökonomischer Macht?

Das ist die verklausulierte Sprache für die Zerschlagung des Volkseigentums und Einführung des abgemilderten Kapitalismus, wie damals in der BRD(„soziale Marktwirtschaft“)

Gnädiger weise wollen sie der Arbeiterklasse das Streikrecht geben, wenn sie schon den Kapitalismus einführen.

Der Rest des wohlklingenden Gelabers bedeutet nichts anderes, als einen Staatsaufbau, wie in der BRD zu errichten.

Sie wollen Umweltschutz, aber haben keine Idee, wie die DDR an Mittel kommen soll, um umweltgerechter produzieren zu können. Nun ja, da sie ohnehin den Kapitalismus wollen, sehen sie wohl da die Lösung.

Ach den ärmeren Ländern wollen sie helfen? Wie edel. Die DDR hatte für die ärmeren Länder viel getan, obwohl sie selbst wenig hatte. Nun ja, die SDP will zurück zum Almosen geben und diese Länder auf ewig in Abhängigkeit halten.

„Bravo SDP“_Ironie off.

 

Wortgewaltig umschreiben sie die begonnene Konterrevolution in den osteuropäischen Ländern und loben Gorbatschow. Sie appellieren, dass die Bürgerinnen und Bürger der DDR nicht auf einen Mann, wie Gorbatschow warten sollen, sondern selbst aktiv werden sollen, um die Konterrevolution ins Rollen zu bringen.

„Bravo SDP“_Ironie off.

 

Sie hauen in die Kerbe der damaligen Schwäche und Sprachlosigkeit der SED. Mit der Stalinismus-Keule wird nun aufgemischt und aufgewiegelt. Sie suchen Gleichgesinnte und neue Wege (Ha Ha).

„Bravo SDP“_Ironie off

 

Von der „Entmilitarisierung der Gesellschaft“ ist die Rede. Man hofft auf die Auflösung von NATO und Warschauer Vertrag. Nun ja, wir wissen ja, dass nur der Warschauer Vertrag aufgelöst worden ist. Dafür ist die NATO vergrößert worden(Osterweiterung) und die Kriegsgefahr für die Welt ist größer geworden. Die SDP will die Streitkräfte der DDR auflösen. Egal, ob die DDR überrollt wird, annektiert oder sonst was. Die SDP will ja einen Staat, wie die BRD. Was dann passiert, darauf kommt ohnehin nicht mehr an. Doch der Form halber erkennt man die Zweistaatlichkeit an. Äh, man kann zu diesem Zeitpunkt noch nicht „die Katze noch nicht aus dem Sack lassen“.

„Bravo SDP“_Ironie off.

 

Immer wieder diese Sprüche von Verantwortung und der Aufruf möglichst viele konterrevolutionäre Organisationen und Gewerkschaften zu gründen. Immer in schöne Worte gehüllt. Denn die einfachen Bürgerinnen und Bürger der DDR kannten keine verklausulierte Sprache. Die anderen sich „Bürgerbewegung“ und „Bürgerrechtler“ nennenden, bzw. ihre Organisationen sind genau nach der gleichen Methode gefahren. Schöne Worte in verklausulierter Sprache. In der DDR mussten sich Alltagsmenschen nicht mit verklausulierter Sprache auseinandersetzen., so sind Viele auf das wohlklingende „Bla Bla“ hereingefallen.Das ganze „Bla Bla“ wiederholt sich immer wieder.

 

Das Dokument des MfS