Eine Heldin ist geboren

Ahh, eine Heldin ist geboren, denn „unser“ Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Elke Schlegel für den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland auserkoren. Womit hat diese Frau den Orden verdient?

Nein, das Medikament oder den Impfstoff gegen das Corona-Virus hat sie nicht erfunden. Sie hat auch an keiner spektakulären Rettungsaktion teilgenommen. Wofür der Orden? Ach dazu braucht es nicht viel. Sie macht Kampagnen gegen die DDR. Dazu darf auch mal übertrieben, dick aufgetragen und auch vollständig gelogen werden. Zum 30. Jahrestag der Annexion der DDR infolge des Sieges der Konterrevolution, haben solche Kampagnen Hochkonjunktur. So erhält sie einen Orden –  für Nichts.

„Die Tafeln sind vor zwei Jahren aufgestellt worden. Viele Passanten bleiben stehen und lesen die Berichte der Opfer der Teilung.“

Bild entnommen aus der „Rhein-Zeitung“ vom 29.09.2020 Bildunterschrift zitiert aus der“Rhein-Zeitung“ vom 29.09.2020

Ach sie spricht vor Schulklassen. Reicht es nicht, dass die Kinder mit der offiziellen Geschichtsschreibung zugemüllt werden? Wer erzählt den nachfolgenden Generationen die Wahrheit über die DDR? Irgendwann leben die Zeitzeugen nicht mehr, die ohnehin kaum Gehör finden. 

Ach den Russichunterricht (war in der DDR die 1. Fremdsprache) hat sie geschwänzt. Gut, ob das an den Pranger stellen richtig war, sei dahingestellt. Aber hier und heute kann man auch nicht den Englischunterricht schwänzen.

Ach ihren Wunschberuf Dekorateurin konnte sie nicht erlernen. Äh, was – der sozialistische Plan war schuld. Hier und heute  im Kapitalismus kriegt man womöglich gar keine Lehrstelle, in der DDR konnte jede Schulabgängerin, jeder Schulabgänger einen Beruf erlernen, auch wenn es nicht immer der Wunschberuf war. Außerdem werden heutzutage noch weniger Dekorateure gebraucht, weil es heute weniger Schaufenster als früher gibt. 

Ach wieder die Mär, dass man wegen einem Ausreiseantrag verhaftet wurde. So ein Quatsch. Nun ja, sie hat ungenehmigt demonstriert. Aber ob das gleich so eine hohe Strafe mit sich bringt, ist zweifelhaft. Da war gewiss noch was anderes im Spiel.

Nun folgt eine Gruselstory über Hoheneck, ein bekannter Frauenknast in der DDR. Übrigens haben die heutigen Knäste auch das Problem der Überbelegung, was sie unter anderem anprangert. Was will die denn?

Was die Arbeit betrifft, kann ich aus meiner Erfahrung sprechen, dass man für Akkordarbeit eine gewisse Einarbeitungszeit braucht, um das Pensum schaffen zu können. Ist man mal in Übung, geht es. Ich weis nicht, ob es in der DDR, sei es draußen oder im Knast, diese Einarbeitungszeit gab. Wenn nicht, hätte sie sich trotzdem lieber auf die Arbeit konzentrieren sollen. Ich weis gar nicht, was stets gemeckert wird. Die Leute wollten doch so unbedingt im Kapitalismus leben und nahmen jedes Risiko dafür in Kauf. Warum waren sie nicht so schlau, die Arbeit im Knast als Übung zu sehen, um sich später, nach der Ausreise in die BRD, voll und ganz in der kapitalistischen Arbeitswelt einzubringen?

Dann folgt ein Abschnitt über das neue Leben in Koblenz. Ahh, hier steht jetzt, dass sie in der DDR Hotelfachfrau gelernt hat, wo es doch mit der Dekorateurin nicht geklappt hat. Nun ja, die Pizzeria, wo sie in Koblenz arbeitete brannte ab. Wie lange sie dann arbeitslos war, steht da nicht. Erstaunlicherweise hatte sie eine Umschulung bekommen, während andere Leute nie die Chance auf eine Umschulung haben. Frau Schlegel lernte dann Automobilkauffrau. 

Natürlich muss ein Selbstmordversuch mit in die Geschichte, als ein zufälliges Zusammentreffen mit einer damaligen Wärterin des Knastes Hoheneck stattgefunden hatte.  

Die Tränendrüse der Leserinnen und Leser soll gedrückt und Hass auf die DDR erzeugt werden. 

Nach einem Nervenzusammenbruch und Reha gilt sie nun als erwerbsunfähig. Andere bekommen die Erwerbsminderungsrente grundsätzlich abgelehnt, aber eine solche „Heldin“ doch nicht.

Ah sie hat dafür gekämpft, dass Reste des antifaschistischen Schutzwalls in Koblenz  aufgestellt worden sind. Mit entsprechenden Tafeln versehen, wo natürlich propagandistischer Stuss draufsteht. Dazu hat ihr Nervenkostüm gereicht.

„In der Nähe des deutschen Ecks in Koblenz stehen die Teile der Berliner Mauer und erinnern an die Opfer der Teilung. Lange hat Elke Schlegel dafür gekämpft, dass Erklärtafeln daneben aufgestellt werden, die die Schicksale der benennen, die nicht in der großen Politik auftauchen. Viele, die sich für Freiheit und Demokratie einsetzten, wurden inhaftiert. Oft wurden ihnen auch die Kinder weggenommen.“

Bild entnommen aus der „Rhein-Zeitung“ vom 29.09.2020. Bildunterschrift zitiert aus der „Rhein-Zeitung“ vom29.09.2020

Ein Buch hat sie auch geschrieben. Auch dazu hat sie genug Energie.

Ahh an der Tagung der DDR-Gegnerschaft in Cottbus hat sie auch teilgenommen. (Dazu später in einem anderen Beitrag mehr.)

Petra Reichel

Original-Artikel aus der „Rhein-Zeitung“ vom 29.09.2020

Der Lesbarkeit halber nochmal der Original-Text des Artikels aus der „Rhein-Zeitung“ vom 29.09.2020

Dienstag, 29. September 2020, Oeffentlicher Anzeiger Bad Kreuznach, Seite 3

Wenn nur die Gedanken frei sind

Die Koblenzerin Elke Schlegel hat in der DDR demonstriert und saß dann im Gefängnis – Jetzt erhält sie eine Auszeichnung

Von unserer Redakteurin Doris Schneider

Koblenz. In ihren Träumen rasseln noch immer die dicken Schlüsselbunde. Die schweren Türen fallen hinter ihr zu. Sie ist eingesperrt. Wenn sie träumt, dann ist Elke Schlegel wieder in der Zelle im Frauengefängnis Hoheneck, in der sie fünf Monate und 24 Tage verbracht hat. Eingesperrt, weil sie mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn aus der DDR in die Bundesrepublik ausreisen wollte und dafür demonstrierte.

Seit 1985 lebt sie in Koblenz, doch diese Zeit im Gefängnis wird immer Teil ihrer eigenen Geschichte sein. Und der Geschichte der Deutschen. Dass dies in Erinnerung bleibt, dazu trägt Elke Schlegel bei. Am kommenden Donnerstag wird sie dafür in Berlin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik ausgezeichnet. „Warum ich? Andere haben viel mehr geleistet!“, sagt sie. Aber sie freut sich.

Ihr zweiter Geburtstag ist für die heute 62-Jährige am 20. September, erzählt sie beim Treffen mit unserer Zeitung an den Mauerstücken in unmittelbarer Nähe des Deutschen Ecks. An diesem Tag im Jahr 1984 wird sie von der Bundesrepublik freigekauft. Bis heute berichtet Schlegel als Zeitzeugin vor Schulklassen und anderen Gruppen aus ihrer zunächst glücklichen Kindheit in Jena, die zunehmend Zwängen ausgesetzt war. Von Strafappellen vor 800 Mitschülern, weil sie den Russisch-Unterricht geschwänzt und stattdessen lieber gehäkelt hat. Von der angestrebten Ausbildung zur Dekorateurin, die sie nicht machen kann, weil der sozialistische Plan in diesem Jahrgang keine Dekorateurin braucht. Von der Freiheitsbewegung, der sie und ihr Freund Thomas Schmidt sich Anfang der 80er-Jahre anschließen und immer wieder zu stummen Protesten mit Kerzen auf die Straße gehen. Von dem Ausreiseantrag, den die Familie stellt, zu der nun auch der kleine Tony gehört. „Wir waren so naiv, wir haben gedacht, die lassen uns gehen“, erinnert sich Elke Schlegel. Stattdessen werden beide verhaftet. Immerhin: Tony darf bei seiner Oma bleiben. In vielen anderen Fällen kommen die Kinder ins Heim.

Berüchtigtes Frauengefängnis

Hoheneck. Das Frauengefängnis ist berüchtigt. Mit 41 Gefangenen teilt sich Elke Schlegel eine Zelle. Fünf unter ihnen sind politische Gefangene, die anderen Kriminelle. Keine Sekunde Privatsphäre, auch nicht auf der Toilette, die in der Zelle steht. Die Häftlinge müssen arbeiten, unter mörderischem Druck. Elke Schlegel bearbeitet im Akkord Strümpfe mit einem Heizformer. 2400 Strümpfe soll sie in acht Stunden fertigen, in Früh-, Spät- und Nachtschicht. Es ist nicht zu schaffen – und bedeutet, dass sie keine Briefe schreiben und bekommen darf, weil sie das Soll nicht erfüllt. Ihr Mann muss Kamerateile in Lösungen tauchen, die giftige Dämpfe freisetzen. Wie es ihm geht, erfährt Elke Schlegel nicht.

„Wir waren immer total fertig, kaum geschlafen mit 42 in einem Raum, und auch das Essen war schrecklich“, berichtet Elke Schlegel. Einmal schwimmen Maden oder Kakerlaken in der Suppe, da meutern die Gefangenen. „Wir Politischen haben das Lied ,Die Gedanken sind frei‘ angestimmt“, erzählt sie. Sie bezahlen es teuer: Die gefürchtete Wasserzelle ist die Strafe, ein gemauerter Kellerraum, in den immer neues kaltes Wasser eingelassen wird. Darin muss sie waten. „Manchmal träume ich davon, dann wache ich mit Wadenkrämpfen auf.“

Doch das sind nicht die schlimmsten Schmerzen. „Am schrecklichsten war Tonys Geburtstag und dass ich nicht bei ihm sein konnte.“ Ein einziges Mal darf ihre Mutter sie besuchen, der Junge muss im Gang warten. „Dann kam die Wärterin und sagte ganz süffisant zu mir: ,Was für ein süßer kleiner Junge, wie schade, dass seine Mutti ihn nicht sehen darf.‘ Wahrscheinlich hat die Frau selbst Kinder! Wie kann man so gemein sein?“

Ein neues Leben in Koblenz

18 Monate soll Elke Schlegel in Hoheneck bleiben, doch nach fünf Monaten und 24 Tagen darf sie am 20. September 1984 raus. Bis auf 38 Kilo ist sie abgemagert, die Bundesrepublik kauft sie frei. Zunächst ist sie ein paar Wochen im Aufnahmelager in Gießen, dort kommt am 24. Oktober ihr Mann Thomas Schmidt dazu. In der Nähe von Koblenz hat sie Verwandte, hier wollen sie neu anfangen. Im Januar 1985 zieht das Paar nach Koblenz, am 10. Februar dürfen sie ihren kleinen Sohn zu sich nehmen.

Und es geht bergauf. Elke Schlegel, die in der DDR Hotelfachfrau gelernt hat, arbeitet in einer Pizzeria. Dort wird sie herzlich aufgenommen, ein Freundeskreis bildet sich. Das Lokal brennt ein paar Jahre später ab, Schlegel macht eine Umschulung zur Automobilkauffrau, später eine Fortbildung und arbeitet bei der Debeka. Als 1989 die Grenzen öffnen, dürfen sie wieder Freunde und Verwandte in Jena besuchen. Nur das eine blöde Gefühl entsteht bei Elke Schlegel: „Nicht nur die Opfer kommen ja jetzt rüber. Auch die Täter.“

Und die Vergangenheit holt sie ein: An einem Tag ist sie mit einer Kollegin im Auto auf der Rückfahrt von einer Fortbildung. Beide haben DDR-Akzent, befragen sich, wo sie herkommen. Als Elke Schlegel erzählt, dass sie seit 1984 in der Bundesrepublik ist, fragt die andere nach: „Da war die Mauer doch noch!?“ Ja, erzählt Schlegel, sie war im Gefängnis und wurde freigekauft. „Wo?“, will die Kollegin wissen. „Hoheneck.“ Die Antwort der anderen: „Da war ich Aufseherin.“ Bei Tempo 100 reißt Schlegel die Autotür auf und will nur weg.

Ein Nervenzusammenbruch und zwei Jahre Reha folgen. Seitdem ist sie erwerbsunfähig. Und sie engagiert sich seitdem noch stärker dafür, dass die Geschichte nicht vergessen wird. Am Deutschen Eck stehen neben den Stücken der Berliner Mauer zwischen Biergarten und Deutschem Eck seit zwei Jahren Erklärtafeln, die an die Opfer der deutschen Teilung erinnern. Für diese Tafeln hat sie lange gekämpft.

Gerade war Schlegel bei einem Tribunal in Cottbus, bei dem zum 30. Jahrestag der deutschen Einheit die Zwangsarbeit der politischen Häftlinge in der DDR Thema war. Das ist ein brisantes Thema, auch finanziell, denn für die gesundheitlichen Folgen der Zwangsarbeit bekommen Elke Schlegel und ihr Mann keine Entschädigung, lediglich seit ein paar Jahren eine kleine Opferentschädigung.

Zusätzlich engagiert sich die Koblenzerin in der UOKG, der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft. Und sie berichtet als Zeitzeugin, wie sie die DDR erlebt hat. „Die jungen Leute heute wissen ja gar nicht mehr, dass Deutschland mal geteilt war!“ Damit es auch später noch Zeugnisse gibt, hat Elke Schlegel gerade ein Buch geschrieben. Darin erzählt sie ihre Geschichte – die eben auch ein Stück deutscher Geschichte ist.

Die Tafeln sind vor zwei Jahren aufgestellt worden. Viele Passanten bleiben stehen und lesen die Berichte über die Opfer der Teilung.

Elke Schlegel bekommt den Verdienstorden der Bundesrepublik

Als eine von 15 Menschen bundesweit wird die DDR-Freiheitsaktivistin Elke Schlegel aus Koblenz am 1. Oktober von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Die Ehrung zum Tag der Deutschen Einheit steht unter dem Motto „Vereint und füreinander da“. Unter den acht Frauen und sieben Männern sind auch der Virologe Christian Drosten, der Pianist Igor Levit und der frühere Profifußballer Thomas Hitzlsperger. Wer Elke Schlegel vorgeschlagen hat, weiß sie nicht. Nachdem sie die Einladung bekommen hat, konnte sie es erst gar nicht glauben: „Da passe ich doch gar nicht hin! Andere haben sich viel mehr engagiert!“ Aber nun freut sie sich. dos

Freispruch durch Richter Birnbaum

 

Rückblick auf einen politischen Prozess von Petra Reichel

Wegen meiner Betrachtungsweise der Geschichte außerhalb der offiziellen Geschichtsschreibung habe ich wegen folgender Äußerung zur Staatsgrenze der DDR auf der FB-Seite  des DDR-Museums Berlin im Jahre 2015, weswegen mich das Museum angeprangert hatte, im Jahre 2017 eine Vorladung zur Kriminalpolizei erhalten. Ich bin von einem Denunzianten angezeigt worden.

Der Tatvorwurf: „Billigung von Straftaten“

strteitgegenständlicher Text KopieAktion DDR-Museum Kopie

 

Der Prozess dauerte insgesamt bis zum Jahr 2018.

Richter Birnbaum, der im folgenden Artikel vorgestellt wird, hat mich freigesprochen. Er hat festgestellt, dass meine Äußerung durch die Meinungsfreiheit gedeckt ist.

An dieser Stelle danke ich nochmal für die Unterstützung durch meinen Freundeskreis, darunter meines Anwaltes Alexej Dankwardt.

Im Artikel werden einige Fälle, über die Richter Birnbaum geurteilt hat, kurz vorgestellt. 

Mein Fall ist für die Presse nicht relevant. (Weder damals, noch heute.)

Richter Birnmabum Öffentlicher 15.09.2020

„Öffentlicher Anzeiger“ vom 15.09.2020

Richter Birnbaum

Einblicke in die Urteilsfindung gab Straf- und Familienrichter Eugen Birnbaum. Foto: Josef Nürnberg

Bild entnommen aus „Öffentlicher Anzeiger“ vom 15.09.2020

 

Zur besseren Lesbarkeit des Zeitungsartikels wird nachfolgend der Text wiedergeben:

Dienstag, 15. September 2020, Oeffentlicher Anzeiger Bad Kreuznach 

Richter erzählt aus Berufsalltag

Von unserem Reporter Josef Nürnberg

Empathie sei die wichtigste Eigenschaft eines guten Richters, so Eugen Birnbaum

Durchroth. Zum vierten Duchrother Werkstattgespräch hatte „Kultur und Landschaft Duchroth“ (KuLD) den Strafrichter Eugen Birnbaum (Amtsgericht Bad Kreuznach) eingeladen. Er gewährte exklusive Einblicke darüber, wie er zu seinen Urteilen kommt. Dabei sind die Kriterien, die letztlich zur Entscheidung führen, vielschichtig. Wer Birnbaum zuhörte, dem war am Ende klar: In der Rechtsprechung gibt es nicht nur Schwarz oder Weiß.

Auf die Frage, was einen guten Richter ausmache, nannte Birnbaum die Empathie: „Ein guter Richter muss den Menschen verstehen, ihm zuhören und ihm sein Urteil erklären können.“ Das verwunderte doch manch einen unter den rund 20 Zuhörern. Sie fürchteten, dass durch Empathie die Neutralität des Richters verloren ginge. „Dass ein Richter durchaus Empathie haben darf, ist sogar vom Gesetzgeber gewollt“, unterstrich Birnbaum.

Dass es nicht immer einfach ist, auch für Täter Einfühlungsvermögen aufzubringen, weiß der Familienvater. „Es ist schwierig für einen Vater, sich in eine Person zu versetzen, die Kinderpornos besitzt“, gab er zu.„Man bleibt nicht neutral.“ Wie schwierig es manchmal mit der Neutralität ist, machte er an zwei Beispielen von Schüttelkindern deutlich. Es ist oft schwieriger, sich in einen alkoholisierten Vater einzufühlen, der sein Schreikind zu Tode schüttelt, weil er schlafen will, als in eine allein erziehende und überforderte Mutter.

Birnbaum, der auch als Richter den schlagzeilenträchtigen Jagdunfall in Dalberg zu beurteilen hatte, bei dem eine Seniorin ums Leben kam, erläuterte, wie er beide Seiten sah. Dabei erkannte er durchaus die Rolle des Jägers und die Anspannung während der Jagd an. „Man muss sich aber auch in die Situation der Angehörigen versetzen, die durch diesen Fall einen Menschen verloren haben“, erklärte er.

In diesem Zusammenhang kam auf Seiten der Zuhörer das Thema der Berufung auf. Teils herrschte die Meinung vor, dass die Berufungskammern zu milde Urteile fällen: die Berufungsgerichte seien „Gnadenkammern“. Dagegen konterte Birnbaum mit der Revisionsverhandlung, in der geprüft wird, ob das Urteil rechtlich einwandfrei zustande gekommen ist. Anders als in der Berufung ist eine erneute Beweisaufnahme in der Revision ausgeschlossen. Er erinnerte zudem daran, dass beim Schöffengericht immer zwei Schöffen und ein Richter über das Urteil entscheiden. Auch wenn der Richter von Haus aus Jurist ist, bedeutet dies nicht, dass die Schöffen ihn nicht überstimmen dürfen.

Birnbaum warnte auch vor Vorverurteilungen mutmaßlicher Täter. Zumeist sind der Öffentlichkeit wenige Details bekannt. Jeder Fall ist anders, und dabei ist auch die Verhältnismäßigkeit der Mittel zu beachten. Wenn ein Einbrecher von einem Hund gestellt und dabei gebissen wird, ist das etwas anderes, als wenn der Hauseigentümer wegschaut, während sein Hund den Einbrecher totbeißt. Er erinnerte an den „Kirschdieb-Fall“, in dem ein Jugendlicher auf einen Kirschbaum geklettert war und vom Eigentümer des Baums mit der Schrotflinte erschossen wurde.

„Jeder Fall ist anders, ich habe in sechs Jahren noch keinen gesehen, der dem anderen gleicht“, erzählte der Richter. Er muss es wissen, fällt er doch bis zu 30 Urteile in der Woche, darunter auch Scheidungen.

Der Artikel steht auch als PDF-Datei zur Verfügung:

Trauerfeiern während der Corona-Krise

 

Trauerfeiern während der Coroana-Krise Öffentlicher 10.06.2020

 

Trauerfeiern während der Corona-Krise Öffentlicher 10.06.2020

 

Nicht mal während des Krieges hat es das gegeben. Die Bedingungen, unter denen Trauerfeiern stattfinden müssen, sind nicht im Sinne der Verstorbenen. Dabei ist doch der letzte Wunsch eines Verstorbenen sehr wichtig und muss unbedingt erfüllt werden. Scheint für „unseren“ Staat nicht wichtig zu sein.

Nicht nur die Trauerfeier selbst, auch die gemeinsame Zusammenkunft nach der Beerdigung, bzw. Beisetzung ist unmöglich. Verwandte reisen von weither an. Es wird verlangt, dass man an verschiednen Tischen sitzt und sich nicht unterhalten kann, obwohl man sich seit Jahren nicht gesehen hat. Man will sich doch gemeinsam an den verstorbenen Menschen erinnern.

Bei einer Urnenbestattung gibt es die Möglichkeit die Asche aufzubewahren und die Beisetzung zu verschieben. Aber irgendwann muss der verstorbene Mensch beigesetzt werden. Es muss doch eine würdige Abschiedsfeier möglich sein.

So kann es nicht weitergehen. Hoffentlich wird hier bald was geändert.

 

Als PDF-Datei ist der Zeitungsartikel lesbar. 

Trauerfeiern während der Corona-Krise Öffentlicher 10.06.2020

 

 

Indirekte Schäden durch das Corona-Virus

Leute, die indirekt durch das Corona-Virus sterben oder Schäden erleiden, kommen in keiner Statistik vor. Denn der Ausnahmezustand und die ständige Angstmache greift viele Menschen psychisch an. In der „Rhein-Zeitung“ gibt es einen Artikel zur dieser Thematik. Diesen Artikel stelle ich hiermit vor.

 

Samstag, 04. April 2020, „Oeffentlicher Anzeiger“ Bad Kreuznach

Das Virus im Kopf

Virus im Kopf

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Krise belasten auch die Psyche – Experten befürchten mehr Übergriffe und Suizide

 

Kontaktverbote, Ausgangsbeschränkungen, geschlossene Kitas und Schulen: Die Corona-Pandemie hat den sozialen Alltag in Deutschland seit mehr als einer Woche drastisch verändert. Für jeden Einzelnen bedeutet das eine Belastung, die insbesondere für Menschen mit psychischen Erkrankungen auch gefährlich werden kann, mahnen Experten. Der Begriff Corona-Ferien treffe die Lage nicht.

Die Tübinger Psychologin Ursula Gasch, spezialisiert auf Notfälle, sieht die Lage für viele Menschen einengend: „Ich kann nicht mehr bestimmen, wie ich mich bewege, mit wem ich mich in einem Raum aufhalte. Das meiste ist jetzt vorbestimmt und geografisch limitiert.“ Dazu befänden sich Familien plötzlich in einem ungewohnten und erzwungenem 24/7-Modus. Zugleich fehlten tägliche Routinen und Ausweichmöglichkeiten. Dazu kommt die Sorge um die eigene Gesundheit – nach Umfragen beschäftigt sie mehr als die Hälfte der Bundesbürger.

„Diese Lage birgt Konfliktpotenzial“, urteilt auch Iris Hauth, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Die übliche Reaktion auf Angst in der menschlichen Entwicklung sei es, wegzurennen oder zu kämpfen. „Das funktioniert hier aber beides nicht.“ Solche Situationen hat es demnach bisher kaum gegeben. „Da haben wir auch keine Bewältigungsstrategien.“ In Krisenplänen müsse deshalb unbedingt auch die psychische Belastung der Bevölkerung berücksichtigt werden, fordert Hauth. „Es geht um zeitnahe Angebote. Diese Pandemie ist nicht in drei Wochen abgehandelt.“ Erfahrungen aus der chinesischen Stadt Wuhan zeigten ihr zufolge, dass dabei Krisentelefone helfen können. Tausende hätten dort angerufen.

Die Berliner Seniorenhotline Silbernetz registriert jetzt schon viel mehr Anrufe, sagt Initiatorin Elke Schilling. An einzelnen Tagen wollten fünfmal mehr Menschen reden als früher. Die Kapazitäten werden nun aufgestockt. Unter den Ratsuchenden sind laut Schilling mehr fitte und jüngere Senioren und auch mehr Männer als zuvor. Die Hauptthemen? „Die Unberechenbarkeit der weiteren Entwicklung und die Angst, selbst mit dem Coronavirus infiziert zu sein“, antwortet Schilling.

Fachleute müssten sich darauf einstellen, dass sowohl eine Welle von Gesunden kommen werde, die plötzlich behandlungsbedürftige Ängste habe, sagt Psychiaterin Hauth. Dazu kommt die Verschlechterung der Symptomatik von bereits psychisch Erkrankten. Diese zweite Gruppe benötige ein noch fester geknüpftes Hilfenetz.

Kurz und mittelfristig kann die Lage zu Angst und Schlafstörungen, aber auch zu Langeweile, Einsamkeit und Depression mit Gefühlen der Ausweglosigkeit führen, meint Psychologin Gasch. Wut, Ärger, Frustration und Verunsicherung bieten demzufolge Potenzial für Aggressionen und Suchtmittelmissbrauch – zu viel Alkohol oder auch Schlaf-, Schmerz- und Beruhigungsmittel.

In der Berliner Gewaltschutzambulanz befürchten Rechtsmediziner einen starken Anstieg von Kindesmisshandlungen. „Die soziale Kontrolle ist derzeit nicht da – der Bereich, wo sonst häusliche Gewalt gegen Kinder auffällt, also in Schulen, Kindertagesstätten oder bei Tagesmüttern, ist ja gerade weggefallen“, sagt Vizechefin Saskia Etzold. Bei eingeschränkter Öffentlichkeit werden Verletzungen jetzt weniger bemerkt.

„Wir müssen wohl davon ausgehen, dass innerfamiliäre Gewalt in den nächsten Wochen deutlich ansteigt“, ergänzt die Ärztin. „Wir stellen uns in dieser Zeit darauf ein, dass Straftaten der häuslichen Gewalt deutlich zunehmen werden“, sagt auch Berlins Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne). Das zeigten auch Erfahrungen aus China und Italien.

Psychologin Gasch hält die Sorge für berechtigt. Häusliche Gewalt werde zunehmen. „Da, wo dies ohnehin schon der Fall ist, kann es jetzt lebensbedrohlich werden für Betroffene“, sagt sie. Sich Hilfe zu suchen, sei derzeit besonders schwierig.

Für Menschen mit psychischen Problemen ist die momentane Anspannung schwerer zu bewältigen als für andere, betont Psychiaterin Hauth. „Sie sind stressempfindlicher und bekommen möglicherweise mehr Symptome – also auch mehr Angst, mehr Panik und Depressionen.“ Auch im Sinne der Suizidprävention ist demnach derzeit viel Achtsamkeit gefragt.

Nach Zahlen der Fachgesellschaft DGPPN werden in Deutschland pro Quartal 2,5 Millionen gesetzlich Versicherte bei Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie und Nervenheilkunde behandelt. Viele Kliniken und Praxen haben bereits alternative und innovative Behandlungsmethoden wie Telefon- und Videosprechstunden sowie Online-Interventionen in die Behandlung und die Therapie mit aufgenommen.

Auch die Stiftung Deutsche Depressionshilfe hält Ängste und Einschränkungen, die mit dem Coronavirus verbunden sind, für eine große Herausforderung für Betroffene. Die Stiftung bietet digitale Hilfsangebote auf ihrer Internetseite. Mehr im Fokus wünscht sich die Psychologin Gasch auch die Beschäftigten im Gesundheitswesen. Die Corona-Krise könne diese an die Grenzen bringen.

Reichen zum Beispiel Intensivbetten für Covid-19-Patienten in Deutschland nicht aus, kommen auf Mediziner Entscheidungen zu, die sie so kaum kennen. Im Hotspot Italien, wo zuletzt 1000 Menschen am Tag an Covid-19 starben, brauchten viele Ärzte und das Pflegepersonal psychologische Unterstützung, um weiterarbeiten zu können. Ulrike von Leszczynski/

Isabell Scheuplein


„Ich kann nicht mehr bestimmen, wie ich mich bewege, mit wem ich mich in einem Raum aufhalte.“

Psychologin Ursula Gasch sieht die Lage für viele Menschen einengend.

„Wir müssen wohl davon ausgehen, dass innerfamiliäre Gewalt in den nächsten Wochen deutlich ansteigt.“

Berlins Justizsenator Dirk Behrendt zu den Folgen der Ausgangsbeschränkungen:

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Krise belasten auch die Psyche – Experten befürchten mehr Übergriffe und Suizide.

 

Artikel Virus im Kopf Öffentlicher 04.04.2020

 

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Artikel Virus im Kopf Öffentlicher 04.04.2020

Corona Virus: Kubanische Ärzte helfen

Kuba hilft

Ärzte und Pfleger haben bereits bei Krisen wie dem Ebola-Ausbruch in Afrika Hilfe geleistet – Jetzt schlägt ihre Stunde erneut

Bildquelle: „Rhein-Zeitung“(„Oeffentlicher Anzeiger“) vom 24.03.2020 (Foto: DPA)

 

In den Medien ist das Corona-Virus derzeit das beherrschende Thema. Dass Kuba Ärzte in verschiedene Länder schickt, die vom Corna-Virus heimgesucht worden sind, so z.B. nach Italien, um zu helfen, wird in den offiziellen Medien verschwiegen. Doch die Taktik des Totschweigens klappt nicht immer. So muss sich z.B. die „Rhein-Zeitung“, bzw. ihre Heimatausgabe für Bad Kreuznach und Umgebung „Öffentlicher Anzeiger“ doch mit dem Thema befassen. 

Klingt erst mal positiv, wie beschrieben wird, dass Kuba Ärzte in alle Welt schickt, um zu helfen und reaktionäre Regierungen diese Ärzte zurückgeschickt haben, da ihnen doch die Menschen egal sind und sie nur das politische Kalkül interessiert. 

Nun kommt der Pferdefuß. Es wird in diesem Artikel Glauben gemacht, dass Kuba vorrangig finanzielle Interessen hätte und die Hilfsleistung zweitrangig wäre.  Der nächste Beitrag zur Volksverdummung im Sinne der Herrschenden. 

Nachstehend der Artikel aus der Zeitung im Original. Der besseren Lesbarkeit nochmal nachstehend als Original-Text.

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„Rhein-Zeitung“(„Oeffentlicher Anzeiger“ vom 24.03.2020

 

Dienstag, 24. März 2020, Oeffentlicher Anzeiger Bad Kreuznach

Kubas wichtigster Export sind Mediziner

Havanna. Kubas größte Exportschlager sind nicht etwa Rum oder Zigarren, sondern etwas, was in der Corona-Krise deutlich mehr Bedeutung hat: Ärzte und Pfleger. Deren Entsendung ins Ausland ist die wichtigste Einnahmequelle des Karibikstaates – im Jahr 2018 waren es rund 6,4 Milliarden Dollar (etwa 5,9 Milliarden Euro).

Seit dem Wochenende sind 52 kubanische Mediziner in der Lombardei, um dem am schlimmsten von der Coronavirus-Pandemie betroffenen Land Italien zu helfen. Auch andere Länder, etwa Jamaika, haben in der Corona-Krise um die Entsendung kubanischen Medizinpersonals gebeten.

Kubanische Ärzte und Pfleger arbeiten derzeit im Auftrag ihrer Regierung in gut 60 Ländern, wo sie teils dringend benötigte Beiträge zur Gesundheitsversorgung leisten. Sie sind für den sozialistischen Staat auch ein Mittel der Diplomatie. Großes Lob gab es international für ihren Einsatz 2014 im Kampf gegen Ebola in Afrika.

Doch im Zuge politischer Veränderungen in Lateinamerika und unter Druck der USA sowie angesichts des Vorwurfs von Menschenrechtsverletzungen sind die Ärzte in manchen Ländern nicht mehr willkommen. Das drückt auf die Geldbörse der Regierung in Havanna. Es gibt zwar keine offiziellen Zahlen, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Ricardo Torres von der Universität Havanna. Es sei aber unbestreitbar, dass das Ende der Einsätze der Ärzte in manchen Ländern zu einer schweren Devisenknappheit in Kuba beitrage. Am schwersten wiegt der Fall Brasilien, der laut Torres einen Verlust von 250 bis 400 Millionen Dollar bedeutet: Ende 2018 zog Kuba seine rund 8300 Ärzte und Pfleger aus dem südamerikanischen Land ab. Nach dem Wahlsieg des rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro dort war es zum Streit mit Havanna gekommen. Bolsonaro warf Kuba vor, mit den Ärzten auch Spione geschickt zu haben. Auch aus anderen Ländern der Region – El Salvador, Ecuador und zuletzt Bolivien – kehrten kubanische Mediziner zurück, nachdem dort US-freundlichere Regierungen an die Macht kamen.

Im vergangenen November zeigten sich die UN-Sonderberichterstatter für gegenwärtige Formen der Sklaverei sowie für Menschenhandel in einem Brief an die Regierung in Havanna besorgt über die Arbeitsbedingungen der Mediziner. Diese könnten der Zwangsarbeit gleichkommen, heißt es.

Zudem erhöhen die USA nach einer Zeit der Entspannung unter dem früheren Präsidenten Barack Obama unter dessen Nachfolger Donald Trump wieder den Druck auf den Erzfeind Kuba. „Castro schickt 50 000 kubanische Mediziner als Cash Cow des Regimes ins Ausland, nimmt mindestens 75 Prozent der Gehälter der Ärzte und benutzt sie, um verbündete Regimes an der Macht zu halten“, twitterte im Dezember Michael Kozak, der im US-Außenministerium für die westliche Hemisphäre zuständig ist.

Aus Sicht von Jorge Delgado Bustillo, dessen Behörde auf Kuba für die Entsendung der Ärzte zuständig ist, stellt sich das naturgemäß anders dar: „Das ist eine kriminelle, beschämende und unwürdige Haltung“, ärgerte er sich. „Unsere Ärzte bieten nur Gesundheitsleistungen.“

Seit 1963, vier Jahre nach der Revolution von Fidel Castro, schickte Kuba nach offiziellen Angaben insgesamt mehr als 400 000 Ärzte im Namen der internationalen Kooperation in 164 Länder. Manche der Aufnahmeländer zahlen für die Dienste, in anderen Fällen – derzeit in 22 Ländern – kommt Havanna für die Kosten auf.

Für die Mediziner selbst ist es auch eine Möglichkeit, etwas zum mageren kubanischen Gehalt von 50 Dollar (rund 47 Euro) im Monat dazu zu verdienen: Im Ausland bekommen sie monatlich 300 bis 900 Dollar. Dank eines dreijährigen Einsatzes in Venezuela habe sie ein Fest zum 15. Geburtstag ihrer Tochter bezahlen sowie einen Fernseher und Ersatzteile für das Auto ihres Bruders kaufen können, erzählt zum Beispiel die Ärztin Mayrin Tablada.

Nach Venezuela, das ein enger politischer Verbündeter Kubas ist, wurden besonders viele Ärzte und Pfleger entsandt: fast ein Drittel derjenigen, die heute im Ausland im Einsatz sind. Im Jahr 2003 vereinbarten die beiden damaligen Staatschefs Castro und Hugo Chávez ein Programm, wonach Kuba im Gegenzug für das medizinische Personal Öl bekam.

Im Zuge erhöhten Drucks der USA auf die heutige venezolanische Regierung von Präsident Nicolás Maduro hat sich die Ölmenge von ursprünglich 100 000 Barrel am Tag inzwischen allerdings auf wenig mehr als 50 000 Barrel fast halbiert. Nicht zufällig litt die Karibikinsel zuletzt unter einem Spritmangel, aufgrund dessen in der Landwirtschaft Ochsengespanne wieder eingeführt wurden.

„Auf der Grundlage der Sanktionen der USA gegen Kuba und Venezuela läuft eine Kampagne in Lateinamerika gegen die Ärzte“, sagt der Forscher Torres. „Es scheint klar, dass dies ein bedeutendes Ziel ist, da die Einnahmen für Kuba wichtig sind und ihr Wegfall die Insel ökonomisch schwächt.“


„Unsere Ärzte bieten nur Gesundheitsleistungen.“

Jorge Delgado Bustillo, dessen Behörde auf Kuba für die Entsendung der Ärzte zuständig ist, zum Vorwurf der Spionage

 

Ein Volk?

Ein Volk? Öffentlicher 29.08.2019

 

Zeitungstext:

Donnerstag, 29. August 2019, Oeffentlicher Anzeiger Bad Kreuznach

30 Jahre Mauerfall: Sind wir schon ein Volk?

Schreiben Sie uns: Wie langjährige deutsch-deutsche (Ehe-)Paare den Zustand der Einheit bewerten

Bad Kreuznach/Berlin. Fast 30 Jahre ist es her, als das kaum Denkbare geschah. Als am 9. November 1989 die Mauer fiel, erfasste eine Welle von Euphorie die Deutschen hüben wie drüben. Tränen flossen, als der Eiserne Vorhang in dieser historischen Nacht riss und die Grenzen plötzlich offen waren. Nicht einmal ein Jahr später wurde die deutsche Einheit am 3. Oktober 1990 offiziell vollendet. Zumindest auf dem Papier. Viele Menschen aus dem Osten nutzten damals aber auch die Gunst der Stunde und suchten ihr Glück in den alten Bundesländern. Sie ließen sich in Westerwald und Eifel, Taunus und Hunsrück, an Rhein und Mosel nieder. Aus dieser Zeit entsprangen auch viele private deutsch-deutsche Beziehungen, die auf ihre ganz persönliche Weise die deutsche Einheit vollendet haben.

Nach diesen deutsch-deutschen (Ehe-)Paaren suchen wir – bevorzugt nach solchen, die noch heute intensive Kontakte in die neuen Bundesländer pflegen und regelmäßig seine oder ihre Heimat besuchen. Wir wollen wissen, wie sie diese 30 Jahre gemeinsamer deutscher Geschichte bewerten.

Wir fragen: Was haben Sie sich von der deutschen Einheit erhofft? Was davon hat sich erfüllt, was nicht? Was ist so anders hüben und drüben? Wie hat sich das Verhältnis zwischen alten und neuen Bundesländern über die Jahre verändert? Zum Besseren oder eher nicht? Sind wir tatsächlich schon ein Volk? Oder doch noch zwei? Und: Was müsste hier und dort passieren, damit wir mehr zusammenwachsen?

Wenn Sie im Rahmen unserer Serie „30 Jahre Mauerfall – sind wir schon ein Volk?“ über Ihre Erfahrungen mit Ost und West berichten wollen, melden Sie sich per E-Mail unter dem Stichwort Mauerfall und einer kurzen Beschreibung Ihrer gemeinsamen Lebensgeschichte an: leserpost@rhein-zeitung.net 


Anmerkung von Petra Reichel

Ob es Sinn macht an die Zeitung zu schreiben, sei mal dahingestellt.

Auf jeden Fall hat 1989/90 keine Vereinigung stattgefunden. Es war eine Konterrevolution und die DDR ist annektiert worden. Wer es milder ausdrücken möchte, kann von einer Eingemeindung sprechen. Alles Gute aus der DDR ist plattgemacht worden. Das Ödland in den heutigen Neu-Bundesländern ist erst nach Annexion der DDR entstanden. Nun will man uns Glauben machen, dass dies schon in der DDR so gewesen sei. Nun ja, die Volksverdummungsmaschinerie funktioniert eben.

Deutsch-deutsche (Ehe-)Paare sind hier gefragt, aber erst welche, die erst nach der Annexion der DDR zusammengefunden haben. Und noch zu DDR-Zeiten?  Wenn sich deutsch-deutsche Paare zu Zeiten der DDR kennenlernten, konnte über Heirat die Partnerin/der Partner aus der DDR den Ausreiseantrag stellen. Da dieser Antrag aus privaten Gründen gestellt wurde, war die Prozedur einfacher und der Antrag wurde schneller genehmigt. Mein Mann stammt auch aus der DDR. Sein Ausreiseantrag(1989)war bereits genehmigt, als dann die Grenzöffnung kam und die ganze Prozedur obsolet geworden ist.

Von der Annexion der DDR hat sich weder mein Mann noch ich was erhofft. Wir haben gewusst, dass der Kapitalismus gesiegt hat und nun die Übel des Kapitalismus, jenseits dessen glänzender Fassade, nun zum Alltag gehören.

Ein Volk, zwei Völker? Das ist doch ganz egal. Auf jeden Fall hat das Volk nichts mehr zu sagen und dumm gehalten, damit es so bleibt.

 

Antikriegstag 2019

Antikriegstag 2019 Öffentlicher 28.08.2019

„Öffentlicher Anzeiger“ 28.08.2019

 

 

Hier nochmal der Zeitungstext:

 

Mittwoch, 28. August 2019, Oeffentlicher Anzeiger Bad Kreuznach

„Nie wieder Krieg!“

DGB-Kreisvorstand ruft zur Mahnwache auf

Bad Kreuznach. Der DGB-Kreisvorstand Bad Kreuznach und das Netzwerk am Turm rufen zur Beteiligung an einer Mahnwache auf dem Salinenplatz zwei Tage vor dem diesjährigen Antikriegstag auf. Diese findet am Freitag, 30. August, von 17 bis 18 Uhr statt.

„Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!“, fordert der DGB in seinem Aufruf. Daraus zitiert DGB-Kreisvorsitzender Michael Simon gerade jene Passagen, die auf den Zusammenhang zwischen Rüstungsausgaben und fehlenden Mitteln in zivilen Bereichen eingehen. „Welche Ausmaße das neuerliche Wettrüsten erreicht hat, zeigt sich bei den Militärausgaben. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs waren sie nie so hoch wie heute: Weltweit belaufen sie sich auf mehr als 1,6 Billionen Euro. Und auch die Bundesregierung kennt kein Halten. Betrug der Verteidigungsetat 2015 noch 33 Milliarden Euro, so ist er inzwischen auf 43,2 Milliarden Euro gestiegen. Wenn Deutschland die Nato-Vorgabe befolgt, seine Wehrausgaben bis 2024 auf zwei Prozent des BIP zu steigern, so läge sein Rüstungsetat in fünf Jahren bei 85 Milliarden Euro. Schluss damit!“

85 Milliarden Euro für den Rüstungsetat, das wären weitere 40 Milliarden, die in zivilen Bereichen fehlen würden, so der DGB: für Investitionen in Bildung, Schulen und Kitas, für sozialen Wohnungsbau, für kommunale und digitale Infrastruktur, für eine gerechte und ökologische Gestaltung der Verkehrs- und Energiewende – auch für den Erhalt des Kirner Krankenhauses, für eine bessere Alterssicherung und mehr soziale Sicherheit.

Entschädigung für was?

Entschädigung – für was? Was ist mit denen, die an den EU-Außengrenzen Schaden nehmen?

Entschädigung - für was?


Der besseren Lesbarkeit wegen, hier nochmal der Zeitungstext:

Maueropfer haben Recht auf Entschädigung

Bundesgerichtshof spricht Grundsatzurteil

Leipzig. Weil die mit Mauer, Stacheldraht und bewaffneten Truppen abgeriegelte DDR-Grenze rechtsstaatswidrig war, können Flüchtlinge aus der DDR für gesundheitliche Schäden durch ihren Grenzübertritt entschädigt werden. Das hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden (Az. BVerwG 8 C 1.19).

Der Senat stellte zudem fest, dass sich die Grenzsicherungsanlagen gegen Einzelpersonen richteten – etwa, wenn Minen explodierten, sich die Flüchtenden am Stacheldraht verletzten oder von Grenzposten verfolgt wurden. Damit widersprach das Gericht dem vorhergehenden Urteil des Verwaltungsgerichts Potsdam, das eine Forderung nach Entschädigung abgelehnt hatte.

„Die Grenzsicherungsanlagen der DDR mögen zwar gegen alle gerichtet gewesen sein, aber die Anlagen waren hoheitliche Maßnahmen, die sich konkret und individuell gegen den Betroffenen, hier den Kläger, richteten“, begründete die Vorsitzende Richterin Ulla Held-Daab das Urteil. „Die Gewaltanwendung gegen einen Flüchtenden ist eine sehr konkrete individuelle Maßnahme“, sagte sie während der Verhandlung.

Oeffentlicher Anzeiger (Ost) vom Donnerstag, 25. Juli 2019, Seite 4


 

100. Jahrestag der Oktoberrevolution: Wie geht eine bürgerliche Zeitung damit um?

Als ich meine Heimatzeitung,Titel Öffentlicher

die eine Regionalausgabe der Schriftzug Rhein-Zeitung ist, aus dem Briefkasten holte, war ich zunächst erfreut. Der 100. Jahrestag der Oktoberrevolution wird auch in einem bürgerlichen Blatt gewürdigt?

Oktoberrevolution RZ 1

Liest man sich den Text durch, merkt man schnell, dass von Würdigung keine Rede sein kann.

 

Hier findet man den ganzen Text. In der Zeitung auf Seite 2. Letztendlich bleibt das antikommunistische Gesülze übrig, wie wir es seit Jahr und Tag kennen. Insbesondere in den Alt-Bundesländern Deutschlands u.a. westlichen Ländern kennen wir ja das noch länger.

RZ Oktoberrevolution 2

Der besseren Lesbarkeit halber hier nochmal der Text aus obigem Artikel:

Warum Putin mit Lenin hadert

Oktoberrevolution Vor 100 Jahren erschüttern die Russen die Weltordnung – Millionen Opfer

Von Friedemann Kohler

St. Petersburg. Die Revolution siegt wieder im Winterpalast von St. Petersburg. Eine weiße Marmortreppe, über die einst die russischen Zaren schritten, wird überragt von einem riesigen Arbeiter. Drohend schwingt er den Hammer. Rote Banner überstrahlen die kostbaren französischen Wandteppiche in dem Palast, der heute das weltbekannte Museum Eremitage beherbergt. Vor 100 Jahren vollzog sich in diesen langen Korridoren Geschichte. Am 25. Oktober 1917 (7. November 1917 nach neuem Kalender) besetzten kommunistische Soldaten und Matrosen Brücken und andere wichtige Punkte im damaligen Petrograd. Eine Nacht später drangen sie in den Winterpalast ein. Dort saß seit der Februarrevolution acht Monate vorher schon nicht mehr Zar Nikolaus II., sondern nur noch eine schwache Übergangsregierung.

Radikale Linke übernahm die Macht in Russland

In einem Handstreich, verklärt zur „Großen Sozialistischen Oktoberrevolution“, übernahm der radikalste Flügel der russischen Linken die Macht: die Partei der Bolschewiki unter Wladimir Iljitsch Lenin (1870–1924). Eine welthistorische Zäsur: Der erste sozialistische Staat entstand. Aus Russland wurde 1922 die Sowjetunion. Der Beginn eines jahrzehntelangen Wettbewerbs der Systeme. Doch die Sowjetunion zerfiel 1991, und im heutigen Russland ist die Ausstellung „1917“ der Eremitage die wohl eindrücklichste Erinnerung an den Roten Oktober. Zum Jahrestag wurde der Palast zur Kulisse eines großen Lichtschau. Ansonsten tut sich das Land schwer mit 1917. Einerseits kostete die kommunistische Herrschaft Millionen Menschen das Leben, vor allem unter dem Diktator Josef Stalin (1878–1953). Andererseits trauern immer noch viele Russen bis hinauf zu Präsident Wladimir Putin der verlorenen Größe der Sowjetunion nach.

Die Stätten der Oktoberrevolution lassen sich in St. Petersburg zu Fuß erlaufen. Vor dem Smolny-Institut steht immer noch ein berühmtes Lenin-Denkmal. Gebieterisch weist der Revolutionsführer in die Ferne: In eine lichte Zukunft? Oder zum Winterpalast?

Im Smolny hatten der Petrograder Rat der Arbeiter und Soldaten und das militärrevolutionäre Komitee ihren Sitz. Von hier steuerte Lenin seine Machtübernahme. Im russischen Doppelrevolutionsjahr 1917 agierte er von allen Politikern am entschlossensten. Im Februar war der Zar gestürzt worden, doch die folgende provisorische Regierung war zerstritten. Vor allem beendete sie nicht den Krieg gegen das deutsche Kaiserreich. Lenin versprach den Arbeitern Brot, den Bauern Land und allen zusammen Frieden. Historiker sind sich einig, dass weniger der Umsturz von 1917, sondern die Festigung der Macht im blutigen Bürgerkrieg bis 1922 der eigentliche Erfolg der Bolschewiki war. An dem militärischen Sieg hatte Kriegskommissar Leo Trotzki (1879–1940) großen Anteil.

Als Motto für das Gedenkjahr 2017 hat der Kreml die nationale Einheit ausgegeben, die Versöhnung zwischen den einstigen Bürgerkriegsgegnern, zwischen Roten und Weißen. Für Wladimir Putin ist Lenin einer der großen Zerstörer in der russischen Geschichte. „Lenin hat eine Atombombe unter das Gebäude gelegt, das Russland heißt, und die ist dann explodiert“, sagte er 2016. Gemeint war die Aufteilung der Sowjetunion in Republiken wie die Ukraine oder Weißrussland, die beim Zerfall des Riesenreichs eigenständige Staaten wurden. „Hätte man sich nicht ohne Revolution, sondern auf evolutionärem Weg weiterentwickeln können?“, fragte er klagend.

Kremlchef Putin fürchtet sich vor einer Revolte

Putin tut sich leichter mit Stalin, dem Sieger im Zweiten Weltkrieg, der die sowjetische Macht erweiterte, meint der Historiker Ilja Kalinin. Zudem sei dem Kremlchef jede Art von Umsturz, von Revolution verdächtig, sagte der Professor der Universität St. Petersburg. „Schon die Idee einer Revolution wird als Nationalverrat gebrandmarkt.“ Der Langzeitpräsident fürchte, dass sich der Volkszorn irgendwann auch gegen seine Herrschaft richten könnte. Dabei sei die Botschaft der russischen Doppelrevolution, dass Menschen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen.

Zu den revolutionären Stätten in Russlands nördlicher Hauptstadt gehört unabänderlich auch die „Aurora“. Der alte Panzerkreuzer liegt als Museumsschiff am nördlichen Ufer des Flusses Newa. Zwei Matrosen aus der nahe gelegenen Kadettenakademie schieben an einem trüben Herbsttag Wache auf Deck. Ein Schuss aus der Bugkanone der „Aurora“ gab am Abend des 25. Oktober das Signal für die Besetzung des Winterpalasts.

Die Revolutionäre drangen in den Prunkbau ein. Im Kleinen Speisesaal nahmen sie die Minister der provisorischen Regierung fest. Ministerpräsident Alexander Kerenski war da schon geflohen. Die Uhr auf dem Kaminsims des Speisesaals soll damals stehen geblieben sein. Ein Jahrhundert standen die Zeiger auf 2.10 Uhr, bis Eremitage-Direktor Michail Piotrowski eine revolutionäre Tat beging: Er setzte das Uhrwerk wieder in Gang.

entnommen aus der „Rhein-Zeitung“ vom 07.11.2017

Ich verweise nun auf Beiträge im Schwesterblog DIE TROMMLER-ARCHIV.

Titelbild Kopie

Logo: DIE TROMMLER

Sieh auch Beiträge aus dem befreundeten Blog „Sascha´s Welt“.

Sascha´s Welt

Logo: „Sascha´s Welt“

Hermann Kant: Nachruf der „Rhein-Zeitung“

RZ Nachruf Hermann Kant

Der Nachruf der „Rhein-Zeitung“ ist moderat. Darum möchte ich ihn nicht vorenthalten. Es sind zwar die sogenannten Kritikpunkte bürgerlicher Seite drin, aber als Bezugspunkte. Aber schließlich ist ja die „Rhein-Zeitung“ eine bürgerliche Zeitung.

Es geht auch ohne offene Hetze in einem Nachruf.